Sternberg : Brücke wird teuer für die Stadt

Obwohl es eine Eisenbahnbrücke ist, muss für Instandhaltung wie Erneuerung die Stadt als so genannter Baulastträger der Straße zwischen Groß und Klein Görnow aufkommen.  Fotos: Rüdiger Rump
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Obwohl es eine Eisenbahnbrücke ist, muss für Instandhaltung wie Erneuerung die Stadt als so genannter Baulastträger der Straße zwischen Groß und Klein Görnow aufkommen. Fotos: Rüdiger Rump

Für die Eisenbahnüberführung zwischen Groß und Klein Görnow sind Sicherungsmaßnahmen geplant, doch ein Ersatzbau bleibt unausweichlich.

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17. Juni 2016, 08:00 Uhr

Die Brücke über die Eisenbahnstrecke Bad Kleinen-Rostock steht mitten im Grünen zwischen Groß und Klein Görnow. Für den Straßenverkehr gilt seit langem die Begrenzung auf 16 Tonnen und 50 km/h. Das hat seinen Grund: Für diese betagte Überführung besteht eine „akute Gefährdung“, sagt Jochen Gülker, Leiter des Sternberger Amtes für Stadt- und Gemeindeentwicklung, unverblümt. Sie sei zwar nicht einsturzgefährdet, aber der Zugverkehr auf dieser Hauptstrecke könnte beeinträchtigt werden.

Die Planung von Sicherungsmaßnahmen, die die Verwaltung an ein Ingenieurbüro vergeben hatte, ist jetzt abgeschlossen und wird mit der Deutschen Bahn abgestimmt, damit diese notwendige Sperrzeiten vorbereiten kann. Da jedoch woanders gebaut und ein Teil des Zugverkehrs von dort auf diese Strecke umgelenkt wird, rechnet Gülker nicht vor September mit den Sicherungsmaßnahmen.


Für Abriss und Neubau 1,9 Millionen Euro


In absehbarer Zeit wird die Stadt aber auch um einen Ersatzneubau nicht herumkommen. Bereits Jochen Quandt hat, als er Bürgermeister war, davon gesprochen, dass eine Planung für Abriss und Neubau erforderlich und nach ersten Schätzungen von 1,9 Millionen Euro auszugehen sei. Bei dieser Bausumme könnte eine Förderung von etwa 1,1 Millionen Euro möglich sein, so dass die Stadt einen Eigenanteil von rund 800 000 Euro zu schultern hätte. Für Planung und Durchführung der Sicherungsmaßnahmen hat die Stadtvertretung eine überplanmäßige Ausgabe von 50 000 Euro beschlossen. Das Straßen- und Wegegesetz regelt, dass der Baulastträger auch für die Brücken zuständig ist. Die heutige Gemeindestraße, um die es geht, wurde erst vor Jahren von einer Kreisstraße umgewidmet.

Die Brücke entstand wahrscheinlich 1920 mit dem Bau der Eisenbahnlinie, vermutet Gülker. Eine extra Jahreszahl liege nicht vor. Das gelte auch für die Überführung an der so genannten Friedrichswalder Weiche in der Gemeinde Blankenberg, die baugleich und genauso marode sei. „Die haben fast 100 Jahre auf dem Buckel, da sind die Nutzungszeiten herum. Irgendwann ist gut“, meint Gülker. Es handle sich um Ein-Feld-Gewölbebrücken, als Dreigelenkbogen in Stahlbeton ausgeführt, erklärt er. „Eine grundhafte Instandsetzung würde sich nicht lohnen. Die Widerlager, die den Druck abfedern, kosten viel Geld.“

Bereits bei der Brückenprüfung 2013 wurden Mängel hinsichtlich Standsicherheit und Dauerhaftigkeit festgestellt, daraufhin umgehend erste Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Eine Nachkontrolle Ende 2015 ergab, dass sich der Zustand verschlechtert hat, hervorgerufen durch den Verkehr auf und unter der Brücke. Durch einen Zug in vollem Tempo entstehe eine enorme Druckwelle, sagt Gülker. Hinzu kämen die Erschütterungen von oben durch Fahrzeuge selbst bei der Tonnagebegrenzung. „Da kann immer was abfallen“, so Gülker. Deshalb werde öfter nachgesehen als sonst. Die Spritzbetonschale aus den 1970er-Jahren bröckelt stellenweise, lose Teile könnten auf den Bahnkörper fallen.

Da für die Brückensicherung in der Gemeinde Blankenberg die gleiche Planung erfolgte, reduzierten sich die Kosten dafür von knapp 20 000 auf 13 700 Euro. Gülker rechnet nun auch mit Einsparungen bei der Bauausführung, für die 30 000 Euro veranschlagt sind, wenn beide Brücken gleichzeitig gesichert werden, weil etwa nur einmal eine Sperrgenehmigung eingeholt werden müsse.


21 Brücken in Sternberg und den Ortsteilen


Das Städtebauliche Sondervermögen, über das die Sternberger Stadtvertretung mit der Eröffnungsbilanz in diesem Jahr abgestimmt hat, umfasst sage und schreibe 21 Brücken in Stadt und Ortsteilen im Gesamtwert von knapp 1,375 Millionen Euro. Darin enthalten sind sowohl größere Bauwerke, wie das Sorgenkind zwischen Groß und Klein Görnow, aber auch kleine Holzkonstruktionen wie über den Mühlenbach in Sternberg oder im Durchbruchstal der Warnow bei Groß Görnow. Letztere wurde erst 2014 wieder hergerichtet, nachdem eine mächtige Buchenkrone beim Unwetter darauf gefallen war, und in diesem Jahr durch Ranger des Naturparks Sternberger Seenland erneut repariert wurde.

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