Schneller Zugang zum Weltnetz : Breitbandausbau verändert Wemag

Thomas Murche (rechts) und Martin Retzlaff schauen optimistisch in die digitale Zukunft.
Thomas Murche (rechts) und Martin Retzlaff schauen optimistisch in die digitale Zukunft.

Wemag-Vorstand Thomas Murche und Wemacom-Geschäftsführer Martin Retzlaff vergleichen Glasfaserausbau mit ländlicher Elektrifizierung

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10. Februar 2018, 12:00 Uhr

Wer in einer Stadt wie Schwerin, Wismar oder Rostock wohnt, hat schon lange vergessen, wie es war, als es dort noch kein Internet gab oder nur ein sehr langsames. Für diese glücklichen Menschen gehören das Streamen von Filmen und Musik, Onlinebanking, die Suche nach Informationen, Browserspiele und natürlich das Abrufen der Emails längst zum selbstverständlichen Alltag. Für den übergroßen Teil der Landbevölkerung im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern dagegen beginnt gerade erst das digitale Zeitalter. Am Donnerstagabend fand in Blankenberg die letzte der elf Einwohnerversammlungen zum anstehenden Breitbandausbau durch die Wemag im Amt Sternberger Seenlandschaft statt. „Das Interesse ist da“, konnte Bürgermeister Uwe Schulz auch von dort berichten, „zu beiden Terminen war der Saal voll, alle Altersklassen waren vertreten.“ Zur ersten Einwohnerversammlung in Sternberg waren über 220 Menschen gekommen - sonst treffen in der Kleinstadt so viele Leute nur bei Volksfesten aufeinander.

„Insgesamt gibt es in MV 93 Cluster (Projektgebiete, Anm. d. Red.), die gefördert werden“, erklärte Thomas Murche, Mitglied des Wemag-Vorstands, der SVZ bei einem Gespräch. „Davon sind inzwischen elf vergeben, für drei davon haben wir den Zuschlag bekommen.“ Diese umfassen Zarrentin, Wittenburg und Stralendorf, die Sternberger Seenlandschaft sowie den Raum Eldenburg, Lübz und Plau am See. Insgesamt stellen Bund und Land knapp 60 Millionen Euro Fördermittel dafür zur Verfügung.

Seitdem die Bundesregierung 2015 die flächendeckende Breitbandversorgung mit mindestens 50 MBit/s bis 2018 beschlossen hatte, startete deutschlandweit ein heftiger Wettbewerb um die für die Förderung ausgewählten Gebiete. Entsprechend dem am Mittwoch vorgestellten Koalitionsvertrag der GroKo sollen alle Bürger in Deutschland nun bis 2025 schnelles Internet bekommen, der Bund will zusätzlich bis zu zwölf Milliarden Euro investieren.

Allein in in LUP gibt es noch 13 weitere Projektgebiete. „Dafür geben wir Mitte Februar Angebote ab“, erläuterte Martin Retzlaff, Geschäftsführer der 100-prozentigen Wemag-Tochter Wemacom, die für den Breitbandausbau zuständig ist, unserer Zeitung. „Im April oder Mai erwarten wir dazu eine Antwort.“ In Nordwestmecklenburg wurden für drei Projektgebiete Angebote gemacht, darüber laufen gerade Verhandlungsgespräche, für andere elf wurden erste Angebote abgegeben. „Wir wollen uns insgesamt für 40 Cluster in MV bewerben“, so Murche. Für die ersten drei Projektgebiete in LUP werden 650 Kilometer Glasfaserkabel verbaut. „Wir rechnen, dass wir damit 12 100 Einwohner erreichen.“ Und dabei würde das Unternehmen davon ausgehen, dass nur etwa 50 Prozent der Einwohner einen Vertrag mit der Wemag über das schnelle Internet abschließen, ergänzte Marketingchefin Diana Kuhrau. „Bisher ist das Feedback sehr gut und liegt über unseren Erwartungen.“

„Das Investitionsvolumen in diesem Bereich ist etwa das Doppelte von dem, was wir pro Jahr in die Stromnetze investieren“, erläuterte Thomas Murche. „Das macht man nicht mit links, weil es ja immer wieder Wettbewerbssituationen gibt oder Unwägbarkeiten durch Genehmigungen. Wir können vorher nicht in die Erde hineinschauen, ob da Kampfmittel sind oder alte Ruinen. Und wir können auch nicht die Kunden beeinflussen, Verträge mit uns abzuschließen.“ Da sei schon ein gewisser Anspannungsgrad bei den Mitarbeitern zu spüren. 21 Stellen hat das Unternehmen für das Breitbandprojekt geschaffen. Im Schweriner Firmensitz wird es langsam eng, es wird gebaut. Insgesamt arbeiten 580 Menschen für die Wemag/Wemacom.

Das Unternehmen befindet sich zu 100 Prozent im Besitz von Kommunen. 184 Gemeinden in MV und zehn in der Prignitz halten 74,76 Prozent des Kapitals, 0,14 Prozent hält die Stadt Grabow. Vorsteher ihres Verbandes ist Warins Bürgermeister Michael Ankermann. Die restlichen Aktien gehören der Beteiligungsgesellschaft Thüga.

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