Sternberg : Breitband für Fuchs und Hase

Die Adresse „In den Peeschen“ gibt es noch und darum soll auch bis hierhin der Breitbandanschluss verlegt werden. An der Stelle wohnt freilich seit 20 Jahren kein Mensch mehr.
Die Adresse „In den Peeschen“ gibt es noch und darum soll auch bis hierhin der Breitbandanschluss verlegt werden. An der Stelle wohnt freilich seit 20 Jahren kein Mensch mehr.

Beim Ausbau für schnelles Internet wird in der Region kräftig gebuddelt – sogar an Stellen, an denen niemand mehr wohnt

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20. Mai 2018, 05:00 Uhr

Die Bundesregierung gibt zig Milliarden fürs schnelle Internet aus. Die Wemacom Breitband erhielt vom Landkreis Ludwigslust-Parchim im November 2017 den Zuschlag zum Ausbau in drei Gebieten. Neben Gemeinden bei Zarrentin, Wittenburg und Stralendorf sowie im Raum Eldenburg, Lübz und Plau betrifft das auch die Sternberger Seenlandschaft. Allerdings ist nicht das komplette Sternberger Amt im ersten Aufruf dabei. Die Gemeinde Dabel fehlt.

Dennoch sind auch hier die Kabelverleger unterwegs. Die Gemarkungsgrenzen wollen es, dass ein Haus an der B 192 zu Sternberg gehört, die gegenüberliegende Straßenseite aber nicht. Und so wird auf Dabeler Seite gebuddelt, um besagtes Sternberger Haus mit Glasfaserkabel zu versorgen. Auf der anderen Straßenseite passiert nichts, denn Dabel und seine Ortsteile sollen erst beim zweiten Aufruf im kommenden Jahr dran sein. Eine Ausschreibung gibt es dafür noch nicht. Sauer über die Verfahrensweise ist Hans-Joachim Fohsack von „Fohsack Getränke“. Denn seine Firma bekommt keinen Zufahrt zur Datenautobahn. Für Mathias Esch, Zimmermeister aus Holzendorf, ist das alles „Steuerverschwendung hoch drei und unlogisch für normalsterbliche Menschen. Warum geht man nicht Straße für Straße? Wenn beim zweiten Aufruf dann die Telekom den Zuschlag erhält, wird alles noch einmal aufgebuddelt…“ Vor allem ärgert Esch, dass auch „ein Leerrohr zu den Peeschen gelegt wurde, wo seit 20 Jahren kein Mensch mehr wohnt“. Die Stelle für einen Verteilerkasten am Waldesrand ist bereits markiert. Dazu erklärte Kreissprecher Andreas Bonin auf Nachfrage: Ziel sei die Beseitigung der ,weißen Flecken‘. „Dementsprechend werden auch Streusiedlungen, kleine Ortslagen und Einzelgehöfte angeschlossen oder ggf. vorbereitet.“ Dabei könne zunächst nicht die aktuelle Nutzung eines jeden Adresspunktes durch den Eigentümer „ermittelt und berücksichtigt werden, ebenso wenig wie künftige Absichten“, so Pressesprecher Bonin.

Kommentar: Digitalisierung vom Schreibtisch aus

Wer kann den Unmut von Holzendorfer Bürgern, darunter  Unternehmern, nicht verstehen? Da wird der Gehweg vor ihren Grundstücken für den Breitbandausbau aufgebuddelt – doch einen Anschluss fürs schnelle Internet erhalten sie trotzdem erst einmal nicht.  Denn im   ersten  Aufruf des   Landkreises ist zwar  die Stadt Sternberg dabei, aber nicht die Gemeinde Dabel, zu der Holzendorf gehört.  Dies führt zu kuriosen Fällen. Ein allein stehendes Haus an der B 192  in Holzendorf gehört zur Gemarkung Sternberg, die Gebäude via-à-vis der Bundesstraße nicht. Ferner wurde ein Leerrohr auch zu den Peeschen bis an die Waldgrenze gelegt. In den Peeschen gibt es zwar noch eine Adresse, seit zwei  Jahrzehnten wohnt aber kein Mensch mehr da. Der Breitbandausbau erfolgt strikt nach Gemarkungsgrenzen und klammert  sinnvolle praktische Lösungen vor Ort strikt aus. So will es der Gesetzgeber. Der Bürger freilich muss das alles nicht verstehen!
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