zur Navigation springen

Gemeinde Bibow kein Einzelfall : Brandschutz auf dem Dorf – heikel

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Neuklosters Bürgermeister: „Im gesamten ländlichen Raum in MV haben wir die gleichen Probleme“

svz.de von
erstellt am 21.Dez.2015 | 16:44 Uhr

Früher hatte (fast) jedes Dorf seinen Löschteich. Doch deren Unterhaltung überfordert seit Jahren vielerorts die kommunalen Kassen; Gemeindearbeiter sind häufig nur auf Stundenbasis beschäftigt. Die Folge: Die Pflege der Löschteiche wie der im Ortsteil Neuhof der Gemeinde Bibow fällt hinten runter. Dabei gehört der Brandschutz zu den originären Aufgaben der Kommunen.

Und so gibt es in Bibow und Umgebung aktuell ein Löschwasserproblem beim Löschteich, aber auch mit Hydranten und Zisternen. Der Wasserversorgungs- und Abwasserzweckverband (WAZ) Güstrow-Bützow-Sternberg, zu dem im Amt Neukloster-Warin neben Warin nur noch die Gemeinde Bibow gehört, hat bei Letzterer die Hydranten von rot auf blau gesetzt. Damit sind diese für die Feuerwehren nicht mehr zugelassen. Wenn es brennt, fragt natürlich keiner… Der WAZ hat sich jedoch rechtlich abgesichert wegen möglicher Schadensersatzforderungen; sollte ein Haus abbrennen, weil nicht genügend Löschwasser aus den Hydranten bzw. Zisternen kam.

Das Grundproblem auf dem platten Land löst dieser rechtliche Kniff freilich nicht. „Unsere Region ist kein Einzelfall. Im gesamten ländlichen Raum in MV haben wir die gleichen Probleme“, so Neuklosters Bürgermeister Frank Meier, zugleich der Leitende Verwaltungsbeamte im Amt Neukloster-Warin, gegenüber SVZ.

Dabei ist die mangelhafte Wartung der Hydranten durch die Kommunen das eine, die Wasserversorgung das andere. Bibow wird vom Wasserwerk Warin mitttels Rohrleitung von 80-100er Nennweite versorgt. In der Stadt Warin sind „alle Hydranten mit Anschlüssen, die kleiner als einen 100er-Durchmesser haben, keine Feuerlösch-Hydranten mehr“, erklärt der Wariner SPD-Fraktionschef Torsten Ries, zugleich Löschmeister bei der örtlichen Wehr.


Rohrleitungen reichen vielerorts nicht aus


In Bibow hingegen hat man keine Wahl. Für die Löschwasserbereitstellung sind mindestens 24 m3/h für eine Löschzeit von zwei Stunden vorzuhalten. WAZ-Kontrollen bei zwei Betriebshydranten am Bibower Kirchplatz ergaben jedoch nur Werte von 8,3 m3/h bzw. 14,0 m3/h, wie aus einem WAZ-Schreiben an Bürgermeister Dettlef Lukat hervorgeht. Und wird die Löschwasserentnahme am Hydranten erhöht, kann dieser nicht nur kaputt gehen; es bricht die Grundlast der Trinkwasserversorgung zusammen. Zudem lösen sich bei zu starker Wasserentnahme durch die Wehr in den teilweise bis zu 40 Jahren alten Rohren die an der Wand festsitzenden Rostpartikel, die dann das Trinkwasser in den Haushalten verunreinigen.

Neue größere Rohrleitungen zu verlegen, ist auch keine Lösung. Das würde nicht nur immense Kosten verursachen, die keiner aufbringt. So viel Wasser, wie dann durchflösse, nehmen die Gemeinden gar nicht ab. „Damit gebe es wiederum das Problem“, so Meier, „die Rohrleitung hygienefrei zu halten.“ Warnendes Beispiel für überdimensionierte Projekte sind die nach der Wende von West-Experten aufgeschwatzten teils viel zu großen Klärwerke im Osten.

Ferner fällt in die vielschichtige Brandschutzproblematik auch ein Urteil des Bundesgerichtshofes rein, wonach Löschwasser aus dem Trinkwassernetz der Versorger nicht so einfach entnommen werden darf. Hintergrund: Bürger könnten ihre Wasserrechnung anfechten, weil sie auch das Löschwasser mitbezahlten. Und so bietet man neuerdings etwa beim Zweckverband Wismar mit Sitz in Lübow den Vertragspartnern wie der Stadt Neukloster oder den Gemeinden Jesendorf und Ventschow einen Vertrag für spezielle Feuerlösch-Hydranten an, die dann in Rechnung gestellt werden. Neuklosters Bürgermeister will den Vertrag unterschreiben. „Die Sache ist noch nicht 100-prozentig ausgereift, aber die Sicherheit steht ganz oben an. Notfalls muss nachgebessert werden“, so Meier.


Feuerwehren haben massiv Wasser auf Achse


Im Bereich des Amtes Sternberger Seenlandschaft geht man das Löschwasser-Problem in den Dörfern zusätzlich damit an, dass, laut Amtswehrführer Olaf Schröder (Kobrow), die Wehren „mittlerweile alle außer die in Gustävel massiv Wasser auf Achse haben. In Dabel, Kobrow, Sternberg und Brüel sind es insgesamt 15 000 Liter, damit wir für den 1. Angriff genügend Wasser haben.“ Diese Löschfahrzeuge sind nicht gerade billig. Doch billig, billig funktioniert bei der Thematik sowieso nicht!  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen