Feuer in Dabel : Brandopfer war Obdachloser

Der Brand in Dabel am 13. Oktober 2017.
Der Brand in Dabel am 13. Oktober 2017.

Der Tote bei dem Feuer in Dabel am 13. Oktober letzten Jahres war wie vermutet ein obdachloser 46-Jähriger. Nun liegt ein Brandgutachten vor

svz.de von
09. Januar 2018, 21:00 Uhr

Um 5.30 Uhr wurde an diesem Freitag, dem 13. die Sirene in Dabel ausgelöst. In einem ehemaligen Garagenkomplex war ein Feuer entdeckt worden. Teil der Alarmierung war der Verdacht, dass sich ein Mensch in den Gebäuden aufhält. Die Feuerwehrleute unter der Einsatzleitung von Christian Elm von der Wehr aus Dabel waren sehr schnell zur Stelle, trotzdem stand die Garage schon in Vollbrand. Die Feuerwehrmänner wussten, dass nun nicht mehr viel zu retten ist. Sie hofften, dass anders als bei der Alarmierung angedeutet, sich doch niemand mehr im Inneren befindet. Mit Hilfe der Drehleiter der Sternberger Freiwilligen Feuerwehr konnte die Brandbekämpfung auch von oben erfolgen. Wegen der starken Rauchentwicklung mussten die Feuerwehrmänner mit Atemschutzgeräten vorgehen. Als das Feuer bereits gelöscht war und die Kameraden die Brandstelle nach weiteren Glutnestern absuchten, mussten sie einen grausigen Fund machen: Sie entdeckten eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche. Vermutet wurde, dass es sich bei dem Toten um einen 46-jährigen Obdachlosen handelt. Wie sich heraus stellte, hatte dieser und eine weitere Person bereits seit 2012 immer wieder in dem Garagenkomplex gelebt. Geheizt wurde mit kleinen Öfen, einen Stromanschluss gab es auch auf dem Gelände.

„Wir haben uns seit längerem darum bemüht, diese Personen aus diesen Gebäuden zu bekommen, doch das ist uns aus den unterschiedlichsten Gründen bislang nicht gelungen“, sagte der Dabeler Bürgermeister Herbert Rohde unmittelbar nach dem Brand der SVZ. Die Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen auf.

Nun haben sich die Vermutungen bestätigt. Durch die Untersuchung des Toten konnte geklärt werden, dass es sich tatsächlich wie vermutet um den 46-jährigen Obdachlosen Lutz F. handelt. Inzwischen gibt es auch ein Brandgutachten. „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war demnach ein technischer Defekt Ursache des Brandes“, so Klaus Wiechmann, Pressesprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust „Offenbar wurde das Feuer durch eines der technischen Geräte wie Heizkörper, die da auf engstem Raum betrieben wurden, ausgelöst.“ In welcher Form auch immer, sei es, dass ein Gerät oder ein Stecker defekt war. „Es gibt keine Anhaltspunkte für Brandstiftung“, betonte der Polizeisprecher. Auch für einen Suizid lägen keine Hinweise vor. „Es ist ja davon auszugehen, dass die Elektroanlage, die sich der Mann dort zusammen gebaut hat, nicht den Standards entspricht.“ Die größte Gefahr sei bei einem Brandausbruch die Entstehung von Kohlenmonoxid. Wahrscheinlich habe der Mann geschlafen, als das Feuer ausbrach und sei durch dieses giftige Gas erstickt.

Der Vorfall liegt nun zu einer weiteren Bewertung bei der Staatsanwaltschaft Schwerin.

Bürgermeister Herbert Rohde zeigte sich gestern erstaunt über die Erkenntnisse der Polizei. „Ich wäre glücklich gewesen, wenn ich informiert worden wäre“, sagte er unserer Redaktion. Denn die Garage sei am Nachmittag des 13. Oktober zunächst von der Gemeinde gesperrt und die Sicherungen für die Elektroanlage entfernt worden. Doch inzwischen habe der betreffende Pächter sie wieder in Betrieb genommen. „Ich werde noch heute dafür sorgen, dass die Elektroanlage außer Betrieb gesetzt wird“, so Rohde am gestrigen Dienstag. Der Vorfall sei ihm sehr nahe gegangen. „Ich habe mich gefragt, wie es soweit kommen konnte.“ Immer wieder habe er zusammen mit den Zuständigen im Bau- und Ordnungsamt vom Amt Sternberger Seenlandschaft versucht, Lutz F., der zwei von drei zusammenhängenden Garagen gepachtet hatte, eine Kündigung zuzustellen. Doch bei jedem Versuch sei Lutz F. nicht angetroffen worden, das letzte Mal im Sommer 2017. Auch weil er nicht ständig in den Garagen lebte. „Wir konnten nicht beweisen, dass er dort zeitweise wohnte. Obwohl dort regelmäßig drei andere Garagenpächter vor Ort sind und sich dort weitere Personen regelmäßig treffen, um ihren Feierabend gemeinsam zu verbringen. Ich sehe nicht, dass wir oder das Amt mehr hätten machen können, um den Brand zu verhindern“, zieht der Bürgermeister Bilanz. „Wir haben alle Maßnahmen ergriffen.“

Die Garage, in der Lutz F. verbrannte, hat allerdings ein anderer Pächter an ihn unterverpachtet. Doch mit solchen unerlaubten Unterverpachtungen soll nun Schluss sein: Auf Anregung des Bürgermeisters wurden durch den Bauausschuss der Gemeindevertretung Dabel drei Arbeitsgruppen gebildet, die am 27. Januar zusammen mit der Feuerwehr alle 63 Garagen in Verwaltung der Gemeinde auf Brandschutz und Unterverpachtung kontrollieren werden.

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