Loiz/Ankara : Botschafterin für ein besseres Leben

Johanna Seppmann etwas nachdenklich…
Johanna Seppmann etwas nachdenklich…

Mit viel Diplomatie hilft Johanna Seppmann aus Loiz Flüchtlingen in der Türkei.

svz.de von
29. September 2015, 12:00 Uhr

Johanna sitzt nachdenklich in ihrer Sofa-Ecke im Loizer Elternhaus und überlegt angestrengt, was sie auf die vielen Fragen antworten soll, die so plötzlich auf sie einstürmen. Sie ist nur kurz für einen Tag und eine Nacht nach Hause nach Loiz gekommen, da die Christliche Begegnungsstätte, die ihre Eltern Uwe und Susanne Seppmann aufgebaut haben, inzwischen ihr 20-jähriges Jubiläum seit der Gründung begeht. Zudem feiern ihre Eltern ihre Silberhochzeit nach.

Die 22-Jährige hat trotz ihrer Jugend schon viel Elend in ihrem Umfeld erlebt, seit sie konkret mit der Flüchtlingsproblematik konfrontiert wurde. Denn: Johanna Seppmann arbeitet bei der Deutschen Botschaft im türkischen Ankara im gehobenen Dienst. Konkret als Konsulatssekretärin. Seit August vergangenen Jahres ist sie dort für die Bearbeitung von syrischen und irakischen Visa-Anträgen verantwortlich. Ein recht ungewöhnlicher Weg für eine junge Frau, die in behüteten Verhältnissen in Deutschland aufgewachsen ist.

Geboren in Eutin in Schleswig-Holstein, verlebte Johanna ihre Kindheits- und späteren Jugendjahre in Mecklenburg, zumeist in Loiz bei Sternberg. Nachdem ihr Vater Uwe Seppmann im Jahre 1990 nach Mecklenburg als Pastor berufen wurde und im Jahre 1995 in Loiz sein Christliches Gästehaus „Beth Emmaus“ eröffnete. Hier in Sternberg besuchte das aufgeweckte und wissbegierige junge Mädchen das Sternberger Gymnasium und zählte schon bald zu den besten Schülern ihres Jahrgangs. Die Schule absolvierte sie zumeist mit Einser-Noten.

Ihr sehnlichster Wunsch war es von jeher gewesen, einmal im Ausland zu arbeiten. Doch die Chancen für diesen Berufsweg sind nun mal sehr gering. Doch ihr Einser-Abitur brachte die junge Frau ihrem Ziel ein Stück näher. So begann sie beim Auswärtigen Amt in Berlin in einem Dualen Studiengang zunächst ein Studium im Fach Auswärtige Angelegenheiten; es dauerte drei Jahre. In ihrer Berlin-Zeit arbeitete die 22-Jährige fünf Monate im Referat für Nothilfe für Deutsche im Ausland. Danach ging es für acht Monate an die deutsche Botschaft im marokkanischen Rabat.

Da die Botschaft in Damaskus – es sollte ihre nächste Arbeitsstelle werden – geschlossen wurde, die Menschen aber betreut werden mussten, ging sie in die Türkei, die offene Grenzen hat. Für Johanna Seppmann eine ganz neue Situation. „Hier in der Türkei werden die Menschen sehr freundlich aufgenommen und versorgt“, erzählt sie. „Man tut viel für die Flüchtlinge; und das sind in Zahlen rund zwei Millionen.“ Und dann weiter: „Man merkt aber auch, dass man in einem unsicheren Land ist. Es gibt viele Anschläge von Gruppen, seit die Türkei in den Kampf gegen IS und PKK einstieg.“ Das sei eine Riesen-Herausforderung für die Türkei.

In ihrem superschweren Job sei sie schon mit vielen Schicksalen in Berührung gekommen, erzählt die Loizerin. Mindestens einmal in der Woche haben die asylsuchenden Familien einen Termin bei ihr. „Doch oftmals fehlen Familienangehörige, da sie auf der Flucht erschossen wurden. „Es ist schön, wenn man den Leuten helfen soll und kann“, so die junge Diplomatin. „Aber es gibt halt auch viele, die falsche Tatsachen vortäuschen. Für mich ist das eine riesige Gratwanderung.“

Johanna Seppmann erinnert sich an traurige und gute Beispiele in ihrer Arbeit. So sei einmal ein Syrer im Land von IS-Leuten festgehalten worden, währenddessen seine Söhne die Flucht vorantrieben. „Zwei der Söhne haben es mit einem Schiff nach Deutschland geschafft; ein Dritter saß in einem Boot, das kenterte. Und er kam ums Leben.“

Aber auch gute, zu Herzen gehende Beispiele gebe es. So sagte ein kleines, siebenjähriges Mädchen einmal zu ihr: „Ich möchte euch was vorsingen, als Dankeschön.“ Und schon erklang „My heart will go on…“ Für sie ein berührendes Erlebnis.

Johanna Seppmann resümiert: „Es sind schon alles wertvolle Erfahrungen für mich. Man sieht die Welt mit ganz anderen Augen und nicht nur schön. Und ich wünschte mir, dass es auch in Deutschland bald eine solche Aufgeschlossenheit gegenüber dem Flüchtlingsproblem gibt.“

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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