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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

16. Dezember 2017 | 08:25 Uhr

Böse Erfahrung mit Telefonanbieter

vom

Von einer "grausame Art" vieler Telefonanbieter sprechen Verbraucherschützer. Wenn Kunden einem Vertrag widersprechen, reagieren die Firmen überhaupt nicht. Diese böse Erfahrung machte jetzt auch Frau W. aus Dabel.

svz.de von
erstellt am 28.Apr.2009 | 11:23 Uhr

Dabel | "Das ist dreist", ärgert sich Frau W. aus Dabel über die Art ihres Telefonanbieters Primacall. Sie soll für einen Tarif bezahlen, den sie überhaupt nicht haben wollte.

Unzähligen vertröstenden Telefonaten mit der Firma in Berlin folgte jetzt eine Mahnung. "Ich bin ganz verzweifelt", wandte sie sich gestern an die SVZ. Ihren Namen möchte sie aus Scham vor dem Vorfall nicht öffentlich nennen.

Schon seit 2006 ist Frau W. Kundin bei Primacall. Mitte Januar erhielt sie von dem Unternehmen einen Anruf. Die Mitarbeiterin riet ihr zu einem anderen Tarif. Für 19,95 Euro, die sie zusätzlich im Monat zu ihrer Telefonrechnung bezahlen soll, kann sie damit so viel wie sie will ins deutsche Festnetz telefonieren. Frau W. stimmte der Tarifumstellung nur angesichts der Zusicherung der Mitarbeiterin am Telefon zu, dass sie den Vertrag widerrufen kann.

Wenige Tage später hatte die Dabelerin Post von Primacall. Ihr Vertrag werde zum 15. Februar umgestellt. Frau W. rechnete das Angebot noch einmal durch. Sie stellte dabei fest: Das erwies sich in ihrem Fall keinesfalls als Vorteil. Sie würde jeden Monat höhere Telefonkosten als bisher zahlen - und das gleich für zwei volle Jahre so festschreiben.

Kein Problem, dachte sich Frau W. Sie rief Primacall an und teilte mit, dass sie dem Vertrag widerspricht. Außerdem sandte sie nach eigenen Worten fristgemäß den Widerruf mit Einschreiben und Rückschein schriftlich an die Firma. Damit begann die Odyssee.

Denn der am 22. Januar abgeschickte Brief kam am 6. Februar zurück mit dem Vermerk: Empfänger verzogen. Dabei hatte Frau W. genau die Adresse verwandt, die auf dem Brief mit der Vertragsumstellung stand. Eine Schwägerin fand im Internet noch eine andere Adresse von Primacall. Erneut schickte Frau W. die Kündigung auf die Reise. Zwischenzeitlich führte die Dabelerin viele Telefonate mit immer neuen Mitarbeitern von Primacall. Alle versprachen, ihr zu helfen und zurückzurufen. Das tat aber keiner. Als sie immer noch keine Antwort hatte, schickte ihr Sohn Anfang März ein Fax mit dem gesamten Vorgang ab. Wieder keine Antwort.

Frau W. reichte es. Sie hatte mittlerweile auch über die Servicehotline von Primacall viel Geld vertelefoniert. Sie entzog der Firma die Einzugsermächtigung. Jetzt hat sich das Telefonunternehmen das erste Mal bei ihr gemeldet: Es schickte eine Mahnung. Angeblich habe man den Widerruf nie erhalten.

Wenn alles so abgelaufen ist, habe die Dabelerin nichts falsch gemacht, erklärt Cornelia Nagel, Juristin bei der Neuen Verbraucherzentrale in Schwerin. Um sicher zu gehen, sollten in solchen Fällen ein Rechtsanwalt oder die Verbraucherzentrale zu Rate gezogen werden, die sich die Unterlagen genau anschauen.

"Es ist nicht mal ein bedauernswerter Einzelfall, sondern Methode", beobachtet indes die Juristin. Sehr viele Telefonanbieter würden auf solche "grausame Art" vorgehen, indem sie versuchen, auf Schriftwechsel nicht zu reagieren. Kunden, die sich nicht ganz genau in Rechtsfragen genau auskennen, würden eher resignieren. Erst nach einem von den Verbraucherzentrale verfassten Brief würden die Telefonanbieter einlenken, so Nagel. Dabei sei es in einem solchen Fall wie bei dem der Frau aus Dabel unter Umständen sogar möglich, den Vertrag mit den Telefonanbietern ganz aufzulösen. Nämlich dann, wenn nachgewiesen wird, dass Primacall seinen alten Vertrag nicht erfüllt hat.

SVZ versuchte, einen Verantwortlichen des Unternehmens zur Rede zu stellen und landete in einem Call-Center. Der Mitarbeiter versprach, dass jemand zurück ruft. Der Anruf blieb aus.

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