Entenbrut durch Feuerwerke verdorben : Böller ärgern Bürger in Hasenwinkel

Raketen am Nachthimmel sind für die einen Romantik pur, für die anderen ein großes Ärgernis.  Tiere können durch die Knalleffekte oft in Panik geraten. dpa
Raketen am Nachthimmel sind für die einen Romantik pur, für die anderen ein großes Ärgernis. Tiere können durch die Knalleffekte oft in Panik geraten. dpa

In der Sommersaison finden auf Schloss Hasenwinkel öfters Feiern mit Feuerwerken statt. Zum Ärgernis der Bewohner des kleinen Ortes.

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16. September 2012, 07:03 Uhr

Hasenwinkel | Ein lautes Zischen durchreißt die nächtliche Stille von Hasenwinkel. Es folgt ein Knall, dröhnend wie ein Donnerschlag. Blitze zucken am dunklen Nachthimmel. So ein Szenario ist den Bewohnern des kleinen Ortes der Gemeinde Bibow mittlerweile vertraut. Denn: In der Zeit von Mai bis Ende August finden im nahe gelegenen Hotel Schloss Hasenwinkel viele Hochzeitsfeiern inklusive Feuerwerk statt. Zum Ärgernis der Bewohner. Zumal - laut Aussage der Ortsansässigen - in diesem Jahr sowohl die Anzahl der Feuerwerke als auch deren Intensität zugenommen habe.

"Einmal war es besonders laut, das war erschreckend", erinnert sich Heino Kalkschies aus Hasenwinkel. Er vermutet auch, dass diese lauten Böller die Ursache für eine Entdeckung sind, die er wenig später macht: "Nach dem Feuerwerk sind bei zwei meiner Enten die Eier gestockt. Sie wurden erst dunkelblau, dann schwarz", erinnert sich der Hobbyzüchter. Er sei nicht der einzige, der faule Brut zu beklagen habe. Seine Nachbarn hätten das gleiche beobachtet. Mario Schomber, Hoteldirektor von Schloss Hasenwinkel, räumt ein, dass in der Saison von Mai bis August dieses Jahres in etwa zehn Feuerwerke abgebrannt wurden. Weiter möchte er sich nicht zu den Vorfällen äußern.

Dass ein Zusammenhang zwischen dem Feuerwerkslärm und der faulen Brut besteht, kann Christof Herrmann vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie nicht bestätigen. Seiner Ansicht nach sei das biologisch nicht möglich. "Ich habe noch nie gehört, dass sich Lärm derart auswirken kann, dass die Brut schlecht wird", sagt er. Dennoch gibt Herrmann zu bedenken, dass Feuerwerke, sowohl eine Belastung für Menschen als auch Tiere darstellen: "Besonders Tiere können in Panik geraten." Die Folge: Aufgescheuchte Vögel verlassen womöglich ihre Brut und die Eier verderben.

Heino Kalkschies konnte nicht beobachten, dass seine Enten ihre Eier zu lange allein gelassen haben. Seine Sorge gilt neben seiner eigenen Brut vor allem auch den brütenden Vögeln in seiner Umgebung: "Schließlich leben wir in einem Naturpark", gibt der Hasenwinkler zu bedenken. Er frage sich, ob die Böller und Raketen nicht auch die wilden Wasservögel stören. Der Leitung des Naturparks Sternberger Seenland sind keine negative Auswirkungen der nächtlichen Feuerwerke auf die Vögel vor Ort bekannt. Auch "schwarze" Brut wie bei Kalkschies sei in diesem Jahr nicht vermehrt aufgefallen. "Wir haben das bis jetzt noch nicht beobachten können. Allerdings haben wir die Brut auch nicht explizit darauf hin untersucht", sagt Volker Brandt, Chef des Naturparks.

Brandt bestätigt allerdings auch, dass Lärm die Brutzeit beeinflussen könne. Deshalb seien zum Beispiel Goa-Parties im Bereich Bibow-Hasenwinkel verboten wurden, weil Kraniche durch die laute Musik ihre Nester verlassen haben. Solange keine ähnliche Auswirkungen durch den Feuerwerk-Lärm zu beobachten sind, habe er allerdings keine rechtlichen Möglichkeiten: "Ein Naturpark genießt keinen so hohen Schutzbereich, wie ein Naturschutzgebiet. Deshalb können wir nichts machen, solange die Genehmigung vom Ordnungsamt vorliegt", so der Naturpark-Chef.

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