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Sternberger Seenland : Blühflächen für mehr Artenvielfalt

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Der Agrarhof Brüel hat auf fünf Feldern spezielle Mischungen ausgesät. Über den Landschaftspflegeverband ist Saatgut für insgesamt 105 Hektar an zwölf Agrarbetriebe gegangen.

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erstellt am 18.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Die Phacelia blüht derzeit sehr schön violett. Dazu gesellt sich Rot vom Inkarnatklee. Das Gelb der Sonnenblumen, die sich die Mitarbeiter der Zahnarztpraxis im Haus gegenüber am Feld gewünscht haben, braucht noch etwas Zeit. Kamille, Wicken, Ölrettich oder Buchweizen wachsen ebenfalls auf dem kleinen Ackerstück. Letzterer blüht weiß und hat gar nichts mit der Getreideart zu tun, sondern gehört zur Familie der Knöterichgewächse.

Am Golchener Weg hat der Agrarhof Brüel eine von fünf Blühflächen, „insgesamt 15 bis 20 Hektar“, sagt Betriebsleiter Johannes Ullrich. „Wir haben das Angebot vom Landschaftspflegeverband, kostenlos Saatgut zu erhalten, gern angenommen und zusätzlich eigene Mischungen verwendet.“ Die seien in der Zusammensetzung ähnlich, aber später ausgesät worden, um über längere Zeit Blühendes auf dem Acker zu haben. Die Rapsblüte ist lange vorbei, die der Linde jetzt auch und damit eine schwere Zeit für Honig- und Wildbienen, Hummeln und andere Insekten. Dieses Feld liegt direkt an der Bienenstraße, die vom Freilichtmuseum in Schwerin-Mueß durch die Naturparke Sternberger Seenland und Nossentiner/Schwinzer Heide bis zur Schauimkerei in Plau-Quetzin führt.

Der Landschaftspflegeverband Sternberger Endmoränengebiet (LSE) mit Sitz in Kobrow II hat in diesem Jahr Saatgut für 105 Hektar Blühflächen in zwölf Landwirtschaftsbetrieben des Altkreises Sternberg bis in den früheren Kreis Lübz und Liessow am Ostufer des Schweriner Sees vermittelt, gibt Hans-Joachim Hogrefe einen Überblick. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 55 Hektar in fünf Agrarbetrieben. Die speziellen Mischungen stellt Syngenta zur Verfügung. Das Unternehmen, weltweit Marktführer beim Pflanzenschutz und auf Platz drei bei kommerziellem Saatgut, hat vor vier Jahren ein Projekt gestartet, von dem die Unterstützung der Artenvielfalt auf Ackerland durch Blühflächen ein Teil sei, so Andrea Duda, Verkaufsberaterin für die Region. „Moderne Landwirtschaft und angewandter Umweltschutz schließen sich nicht aus.“ Zunächst seien zwei Mischungen für bessere bzw. schlechtere Böden ausgegeben worden. Aufgrund der Nachfrage von Landwirten
würden die nun durch ein drittes Saatgut ergänzt, das frei von Kreuzblütlern sei.

Erst einmal komme es darauf an, sich überhaupt mit der Thematik zu befassen, sagt der Betriebsleiter vom Agrarhof. Dann seien die Zusammensetzung der Mischung wichtig, damit keine unerwünschten Arten auf die Felder kommen und die Blühpflanzen „nicht im Gras untergehen“, der Termin der Aussaat sowie Sorgfalt bei Bodenbearbeitung und Bestellung. Früher habe es mit Blühflächen nicht richtig funktioniert, sei dort anderes besser gewachsen, weil die Arbeiten nicht mit der gebotenen Sorgfalt erfolgt seien. „Aber wenn man das will, bekommt man es hin“, sagt Johannes Ullrich. Auch Absprachen mit den
Imkern über die Tracht zur richtigen Zeit und dass sie dann mit ihren Bienen dort seien, hätten voran gebracht. „Es fängt auch an Spaß zu
machen, wenn es blüht und der Erfolg zu sehen ist“, meint Ullrich. „Wir verdienen nicht daran, aber es gehört dazu, wenn du Bauer bist. Die Landwirtschaft hat auch Aufgaben zur Gestaltung der Kulturlandschaft, trägt Verantwortung gegenüber Mensch, Tier und Landschaft.“ Daher bleibe dies „keine Eintagsfliege“, betont der Brüeler Agrarchef.

Während sich die Fläche am Golchener Weg noch in mehreren Farben zeigt, sind andere abgeblüht, bieten aber Vögeln und anderem Kleingetier Nahrung. Es geht wie bei allen Projekten des LSE – Bienenstraße, Streuobstwiese, Rotmilan – um Artenvielfalt in der Landschaft, sie zu erhalten und den teils Besorgnis erregenden Rückgang möglichst wieder umzukehren. Bienen und andere bestäubende Insekten hätten eine besondere Funktion im Ökosystem, meint Marika Schuchardt vom Landschaftspflegeverband.

Das Zusammenwirken der an dem Projekt Beteiligten sei enger und unkomplizierter geworden, sind sich alle einig. Das stimme zuversichtlich für eine Fortsetzung im nächsten Jahr.

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