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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

24. November 2017 | 01:15 Uhr

Sternberger Seenland : Blühendes lange nach dem Raps

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Der Sternberger Landschaftspflegeverband gewann fünf Agrarbetriebe und eine Imkerei für Bienenweiden. Jetzt erfolgt eine Bestandsaufnahme, um Anregungen für 2017 zu bekommen.

von
erstellt am 02.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Sonnenblumen blühen nur noch vereinzelt, doch in ihrem „Unterholz“, wie es im Wald heißen würde, zeigen sich noch mehrere Farben: Gelb bis Orange der Ringelblume, Weiß vom Buchweizen, Rot vom Inkarnatklee oder Blau der Kornblume. „So eine Fläche muss man mit Insektenaugen sehen“, sagt Hans Diederichs, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Sternberger Endmoränengebiet (LSE) mit Sitz in Kobrow II, und lacht.

Selbst für den erfahrenen Landwirt ist das hier neu. Der LSE hat fünf Agrarbetriebe und eine Imkerei zwischen Wamckow und Warin für das Bienenweiden-Projekt gewonnen. Die Firma Syngenta stellte Saatgut in einer speziellen Mischung kostenlos zur Verfügung. So wurden insgesamt 55 Hektar zu Blühflächen, von denen die Bauern nichts ernten, wo aber Kleingetier und Insekten Lebensraum finden, in dem sie sich beinahe wie im Paradies fühlen können.


Mehr Artenvielfalt bis zu Wachtel und Rebhuhn


Bekanntlich fehlt Honig- und Wildbienen, Hummeln und anderen Insekten vor allem nach der Rapsblüte Nahrung. Bei zahlreichen Arten ist bereits ein bedrohlicher Rückgang zu beobachten. Dem will der LSE gemeinsam mit Agrarbetrieben und anderen Landnutzern entgegen steuern, das heißt, Blühendes lange nach dem Raps wachsen lassen. Wie das gelungen ist, wird nun festgestellt, um zu wissen, was im nächsten Jahr verbessert werden muss.

Bienen und andere bestäubende Insekten hätten eine besondere Funktion im Ökosystem. Marika Schuchardt, die beim LSE unter anderem das Rotmilan-Projekt betreut, sieht die Blühflächen auch als großen Gewinn für die Bienenstraße in der Region, will den Bogen aber noch weiter spannen. „Wir wollen insgesamt mehr Vielfalt in der Acker- und Kulturlandschaft erreichen.“ Finden selten gewordene Arten wieder Lebensraum, würden ihnen sicher andere folgen, die sich von Ersteren ernähren. Schuchardt denkt selbst an Wachtel, Rebhuhn und natürlich Kleinnager, wodurch sich dann das Nahrungsangebot für den gefährdeten Rotmilan verbessern würde.

Bei den Landwirten sei sie ausnahmslos auf offene Ohren gestoßen, freut sich Schuchardt. Die Blühflächen sollten dem Standort angepasst mit geringstem Aufwand entstehen. Für die Wariner Pflanzenbau eG ist das alles keineswegs neu. „Wir haben schon vor Jahren mit dem Wariner Imkerverein abgestimmte Mischungen ausgesät“, so Vorstandsvorsitzender Wolf-Dietmar Vetter. „Es ist schon interessant, welche Vielfalt das bringt, welche Insekten dort zu entdecken sind.“

An der Aktion „Syngenta Bienenweide“ beteiligten sich bundesweit fast 1700 Landwirte, sagt Firmenvertreter Peter Hefner. Am meisten würden stillgelegte Ackerflächen und -ränder genutzt.

In den jetzigen Gesprächen hätten Landwirte schon manche Anregung für das nächste Jahr gegeben, erklärt Marika Schuchardt. So sollte das Saatgut künftig so gemischt werden, dass es auf den Flächen „noch länger nach hinten heraus blüht“. Dadurch dienten sie nicht nur der Artenvielfalt, sie seien auch attraktiver für die Menschen. Denn dass sich Radfahrer oder Wanderer daran erfreuen, sei ein durchaus wünschenswerter Nebeneffekt. Was auf diesen Flächen wächst, sollte aber auch für Niederwild noch vielfältiger sein, etwa durch Getreide, fügt Schuchardt an. „Es müssen nicht nur Blütenpflanzen sein, es könnten durchaus auch grasartige Pflanzen dabei sein.“

Das Projekt Bienenweide soll 2017 möglichst auch im Umfang erweitert werden, hofft Schuchardt. Dazu führt der Landschaftspflegeverband Gespräche mit dem Landesjagdverband. Hier soll es darum gehen, ausschließlich auf Ackerbrachen, die sonst stark verkrauten würden, Blühflächen zu schaffen.

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