Bloodhounds trainieren Fährtensuche

<fettakgl>Henry nimmt die Fährte auf. </fettakgl> Er schnüffelt an einem Kleidungsstück des Gesuchten, um dessen individuellen Geruch aufzunehmen, der hauptsächlich von verlorenen Hautschuppen herrührt.
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Henry nimmt die Fährte auf. Er schnüffelt an einem Kleidungsstück des Gesuchten, um dessen individuellen Geruch aufzunehmen, der hauptsächlich von verlorenen Hautschuppen herrührt.

svz.de von
12. Juni 2012, 07:52 Uhr

Dabel | Tief steckt Henry seine Nase in eine Plastiktüte, die auf dem Waldboden bei Dabel liegt. In der Tüte befindet sich ein Kleidungsstück. Aufgeregt schnüffelt der Bloodhound-Rüde da ran. Dabei zieht er so energisch an der Leine, dass ihn sein Herrchen Polizeihauptmeister Bingfried Bublitz mit aller Kraft festhalten muss. Dann hebt der 18 Monate alte Hund mit den Schlappohren den Kopf und läuft los. Er hat die Fährte aufgenommen.

Henry ist ein Personenspürhund in der Ausbildung. Sein Herrchen und er trainieren regelmäßig den Ernstfall. So auch in der vergangenen Woche in Dabel gemeinsam mit seinen Artgenossen Spike und Kalle. Die jungen Rüden sind drei von fünf Bloodhounds, die gegenwärtig in der Diensthundegruppe der Ludwigsluster Polizeiinspektion, die für den gesamten Landkreis zuständig ist, zu Personenspürhunden, den so genannten Maintrailer, abgerichtet werden.

Bislang waren Schäferhunde prädestiniert für diesen Job. Doch deren zuchtbedingte Erkrankungen veranlassten dazu, die Hunderasse zu wechseln. "Bloodhounds wurden über Jahrhunderte speziell zur Menschensuche gezüchtet. Wir hoffen, dass wir deren genetische Veranlagungen für unsere Zwecke nutzen können", erklärt Polizeihauptmeister und Diensthundeführer Ralf Gründler. Der Vorteil sei, dass sie alles um sich herum vergessen, wenn sie auf Fährte sind, fügt Reinmund Kube, Polizeihauptkommissar und Leiter der Diensthundegruppe Ludwigslust hinzu. Zudem ist diese Rasse für ihre Sanftmütigkeit bekannt.

Noch befinden sich die Bloodhounds am Anfang ihrer Ausbildung - der Anbahnungsphase. "Zu diesem Zeitpunkt geht es darum, den Tieren zu verstehen zu geben, was ihre Hundeführer von ihnen wollen, nämlich eine Spur zu finden und dieser zu folgen", erklärt Kube. Der Wald ist dafür der ideale Übungsplatz. Hier gibt es nur wenige Gerüche von Menschen. Dadurch ist es für die Hunde leichter, der gesuchten Fährte zu folgen. Später wird der Schwierigkeitsgrad nach und nach erhöht: Erst müssen sie im Gewerbegebiet, dann in der Stadt und danach in Wohnhäusern ihr Können beweisen, wo sie mit unterschiedlichen Böden konfrontiert und die Ablenkungen beispielsweise durch Fahrzeuge und Menschen stärker sind. Bis zum Ende der auf zwei Jahre anvisierten Ausbildung soll es möglich sein, mit Hilfe der Hunde nicht nur Personen zu finden, sondern auch sogenannte Bewegungsbilder von Tätern im Zuge von Ermittlungen zu erstellen, die darüber Aufschluss geben, wie sich diese an einem Tatort oder auf der Flucht bewegt haben.

Henry arbeitet sich derweil weiter durch das Gestrüpp. Dabei schnuppert er mit seiner Nase mal in der Luft, mal am Boden entlang. Er ist auf der Suche nach Schwebeteilchen, genauer gesagt nach Hautschuppen. Mehr als 50 000 davon verlieren Menschen pro Tag. Bakterien zersetzen diese, wodurch Gase entstehen. Alles zusammen ergibt einen für jede Person in dividuellen Geruch. Henry folgt dieser Spur. Dabei kann es passieren, dass er die Strecke, die der Gesuchte gegangen ist, nicht exakt nachläuft. Der Grund: Der Wind verweht die Schwebeteilchen, die dann an in der Nähe befindlichen Gegenständen wie Sträucher hängen bleiben. Wie lange die Spur für die Hunde erkennbar bleibt, ist abhängig von der Witterung. "Wenn gute Bedingungen herrschen, können die Hunde bis zu 50 Stunden lang danach suchen. Nicht zu heiß Temperaturen und leichter Regen sind optimal", berichtet Kube.

Henry hat mittlerweile den Gesuchten, Hundeführer Gründler, hinter einem Baum entdeckt. Voller Freude wedelt Henry mit dem Schwanz und kann es kaum erwarten zu Gründler zu stürmen. Denn als Belohnung für das Triebspiel gibt es Futter und Streicheleinheiten. "Damit versuchen wir bei den Hunden die Opferbeziehung zu prägen", sagt Kube. Die Hunde sollen für zukünftige Einsätze lernen, die Gesuchten grundsätzlich als freundliche Menschen wahrzunehmen, von denen keine Gefahr ausgeht. Nach der Futtergabe und dem Spielen nimmt Polizeihauptmeister Bingfried Bublitz Henry das Geschirr ab, was dem Hund signalisiert, dass er jetzt Freizeit hat.

Als nächstes gehen der einjährige Kalle und sein Herrchen Polizeihauptkommissar Kube auf Spurensuche. Auch sie führen das gleiche Triebspiel durch: Einer der Beamten versteckt sich im Wald, ohne dass Kalle in seiner Box im Auto davon etwas mitbekommt. Danach bekommt Kalle das Geschirr übergezogen. Die Arbeit als Personenspürhund beginnt. Kube gibt ihm ein wenig Futter und rauft mit ihm. Das soll die Motivation des Hundes zum Suchen steigern. Dann schnuppert der Bloodhound-Rüde an dem Kleidungsstück und die Fährtensuche kann starten.

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