Weitendorf : Blitzeis bringt Brummi in den Graben

An zwei Bauchbinden hängend wird der Unfall-Lkw mittels Kran und Seilwinde aus dem Graben geholt.  Fotos:  Roland Güttler
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An zwei Bauchbinden hängend wird der Unfall-Lkw mittels Kran und Seilwinde aus dem Graben geholt.

Die durch Weitendorf fließende Warnow sorgt immer wieder für besondere Verhältnisse. Bundesstraße 104 war für zweieinhalb Stunden voll gesperrt.

svz.de von
05. Dezember 2013, 17:44 Uhr

Und wieder Weitendorf! Keine drei Wochen nach einem schweren Lkw-Unfall mit einem verletzten Fahrer auf der B 104 rutschte gestern morgen ein Brummi in den Graben. Diesmal war es Blitzeis und in dem Fall ging es für den Fahrer glimpflich ab.

Matthias Scheel, der seit 1996 genau gegenüber der gestrigen Unfallstelle im Haus Nr. 6 wohnt, hielt die Lkw-Bergung per Kamera fest. „Als Andenken gewissermaßen. Hier ist immer was los! Den Reifenabdruck oben an der Hauswand, als hier mal ein Pkw landete, ist noch zu sehen. Die Mehrkorns, meine Nachbarn im Doppelhaus, hatten auch schon mal einen Lkw im Vorgarten. Bei meiner Schwägerin Raphaela Scheel wurde schon zweimal in den Zaun reingefahren“, sagt Matthias Scheel und zeigt schräge rüber gleich hinter die Warnow-Brücke.

Weitere Schaulustige beobachten derweil die Bergung des Brummis, so auch Wolfgang Kähler. „Ich bin selbst mal für diese Firma mit Sitz in Lalendorf gefahren“, erzählt der 64-Jährige, der vor drei Jahren mit seiner Mutter die Brüeler Neubauwohnung mit dem elterlichen Haus in Weitendorf tauschte. Seit März ist Kähler nun Rentner. „Die Warnow sorgt hier vom Berg an bis runter zur Kreuzung öfter für glatte Straßen. Davor und danach ist alles wieder in Ordnung“, sagt er.

Das Phänomen im Weitendorfer Warnow-Tal kennt auch Ralf Straßburg, der seit 19 Jahren für die Schweriner Bergungsfirma „Hoffmann & Berger“ Lkw und Busse aus Gräben zieht oder abschleppt. „Hier ist eine Wetterscheide, es gibt oft Glätteunfälle. Für Pkw bin ich nicht zuständig. Mal habe ich hier im Jahr zwei Lkw, mal einen und manch Jahr auch keinen. Tückisch ist vor allem die Warnow-Brücke.“ Und in der Tat, auf dem Brücken-Gehweg lagen gegen 9.30 Uhr noch Eisreste.

Der gestern verunglückte Fahrer einer deutschlandweit agierenden Spedition wurde denn auch von der Glätte völlig überrascht. „Die Straßen waren top. Klar waren sie feucht, aber sonst war nichts. Ich bin um 23.30 Uhr in Bremen losgefahren, habe in Hamburg gegen 1.50 Uhr noch abgeladen. Übers Radio kamen die Nacht keinerlei Warnhinweise“, so der Mann, der weder seinen Namen noch den Firmenstandort nennen wollte und darf, da dies ein Kündigungsgrund sei. Sein herbeigeeilter Chef bestätigt den Fakt mehrfach nachdrücklich und erklärte zudem total erbost: „Warum wurde hier nicht gestreut? Die zuständige Straßenmeisterei darf sich auf ein Verfahren einstellen.“

Das Außenthermometer im Lkw zeigte „ständig vier bis fünf Grad an – plus“, so der Brummi-Mann. Doch im Warnow-Tal von Weitendorf herrschten zum Unfallzeitpunkt um 4.30 Uhr laut Matthias Scheel „null Grad“.

Der Lkw-Fahrer, auf der B 104 aus Richtung Schwerin kommend, merkte oben am Berg vor der Linkskurve: „Oh, hier ist es spiegelglatt. Ich habe vorm 60er-Schild leicht gebremst. Doch dann ließ ich den Truck rollen. Hier sind schon manche ins Haus oder in den Vorgarten gekracht. Und ich wollte nicht dazugehören.“ Dann habe er nur noch einmal ganz kurz gebremst. Dies war schon zu viel. „Der Trailer hat mich weggedrückt.“ So drehte sich der Lkw in den Graben, musste mit schwerem Gerät (Kran sowie Straßburgs Abschleppwagen) geborgen werden.

Das zog sich hin. „Erst muss das Okay vom ADAC kommen, dass die Kostenübernahme klar ist“, betonte Straßburg, dessen Arbeitskluft verriet: Der Mann von der Schweriner Bergungsfirma ist für den „ADAC TruckService“ im Einsatz. „Alles klar, hier liegt der entsprechende Schutzbrief vor“, so Straßburg später, der um 10.30 Uhr dann endlich verkündete: „Wir fangen an.“

Nach der Vollsperrung durch die Polizei bekam der Brummi erst einmal zwei Bauchbinden verpasst, damit der Kran den Lkw leicht anheben konnte und beim Rausziehen mittels Seilwinde nicht etwa noch der Tank aufgerissen wird. Gegen 11.15 Uhr hatte der Unfall-Brummi wieder festen Boden unter den Rädern, um Punkt 12 Uhr wurde die Vollsperrung aufgehoben.

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