Dabeler Künstler Eckardt Erbguth : Bleibt auch mit 90 im Unruhestand

<fettakgl>Eckhardt Erbguth</fettakgl> in seiner Dabeler Atelier-Galerie inmitten einiger seiner Bilder und Bronzearbeiten. <foto>Roswitha Spöhr</foto>
Eckhardt Erbguth in seiner Dabeler Atelier-Galerie inmitten einiger seiner Bilder und Bronzearbeiten. Roswitha Spöhr

Der Maler und Bildhauer Eckardt Erbguth feiert morgen in Dabel seinen 90. Geburtstag. Einen Wunsch hat er sich selbst erfüllt: Im 89. Lebensjahr hat Eckardt Erbguth sein Leben zu Papier gebracht.

svz.de von
06. März 2013, 12:29 Uhr

Dabel | Der Maler und Bildhauer Eckardt Erbguth feiert morgen in Dabel seinen 90. Geburtstag. Einen Wunsch hat er sich selbst erfüllt: Im 89. Lebensjahr hat Eckardt Erbguth sein Leben zu Papier gebracht. Seine "Erinnerungen an 90 Jahre des 20. und 21. Jahrhundert" sind aber nicht nur Darstellung, sie sind auch Analyse, "damit die, die nach mir kommen oder in den entsprechenden Zeitabschnitten noch zu jung waren, um das Geschehene schon zu begreifen, erfahren, was sich in all den Jahren zugetragen hat und wie ich diese Zeiten aus meiner Sicht erlebt und verarbeitet habe", so der Autor.

Eckardt Erbguth wird am 7. März 1923 in Züsow bei Neukloster geboren, als Zweitältester von vier Geschwistern. Noch im gleichen Jahr zieht die Familie nach Wendisch-Waren bei Goldberg, wo der Vater eine Försterei übernimmt. Anfang 1933 müssen wieder Koffer gepackt werden. Der Vater wird Revierförster in Turloff bei Dabel. Eckardt Erbguth genießt seine unbeschwerte Kinder- und Jugendzeit. Gern erinnert er sich noch heute an die vielen Stunden im Wald und am See - zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter. In seinen "Erinnerungen" schreibt er von einer "absoluten Freiheit unseres Kindseins". Die Freude an der Natur hat sich der Jubilar bis heute erhalten.

Dass er seinen Wunschberuf Forstbeamter dann nicht erlernen kann, ist ein Schlag für ihn. Über Bekannte in der Landesregierung erfährt er später, dass die wenigen Ausbildungsplätze in erster Linie an Söhne der dortigen Bediensteten vergeben werden. Erbguth nimmt eine Laufbahn in der Zollverwaltung, was einem Zufall geschuldet ist - er liest darüber in einer Annonce in der Zeitung. Ausbildung und Arbeit, aber auch die Soldatenzeit führen ihn in den Folgejahren quer durch Europa, von Österreich bis Russland.

1953 flieht er aus der DDR. Er scheut sich nicht davor, immer wieder dazu zu lernen und sich Neuem zu stellen. Wie 1968, als er gefragt wird, ob er in den Lehrerberuf einsteigen wolle, um Finanzanwärter des gehobenen Dienstes fachtheoretisch zu begleiten. Eckardt Erbguth sagt zu und "Ich hatte die Tätigkeit gefunden, die mich ganz mit Freude ausfüllte". Mit seiner Beförderung 1980 zum Zolloberamtsrat hat er dann auch die Endstufe seiner Laufbahn erreicht.

Etwa in diese Zeit fällt auch der Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit, die den Dabeler Maler und Bildhauer auch heute noch weit über die Grenzen seines Wohnortes bekannt macht. Wobei es auch hier wieder ein Zufall ist, der Erbguth seine künstlerische Ader entdecken ließ: Für seine damalige Frau soll er eine Bronzeplastik für fast dreitausend Mark kaufen. Das ist ihm zu teuer. Sie habe von der Formgebung nichts Besonderes dargestellt, begründet er. Seine Antwort: "Das mache ich selber!" Es sei quasi die Geburtsstunde seiner Bildhauerei gewesen, sagt Eckardt Erbguth. Von da an gibt es kein Halten mehr. Immer wieder besucht er Lehrgänge und Internationale Ferienakademien für bildende Künste, in Italien und in Deutschland.

Doch erst nach seiner Pensionierung 1988 kann er sich der Kunst intensiv widmen. Auch der Malerei, wobei die Bildhauerei bis heute einen größeren Platz in seinem Herzen zu haben scheint.

Die Wende in Deutschland ist auch für ihn ein Neubeginn. Seine Frau und er haben sich längst auseinander gelebt, so dass Erbguth, 70-jährig, mit seinem Wohnwagen nach Mecklenburg fährt. "...um auszuloten, ob eine Rückkehr nach dort möglich sei". Im gleichen Jahr unterschreibt er den Kaufvertrag für ein Haus in Dabel, ein Jahr später beginnt die aufwändige und ebenso langjährige Sanierung. In einem SVZ-Beitrag sagt er 1995: "Meine starken Erinnerungen an eine glückliche Kindheit haben den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben." Im Mai des gleichen Jahres eröffnet er seine Atelier-Galerie.

An die 220 Bronzeplastiken und um die 200 Gemälde hat Eckhard Erbguth geschaffen. Vor der Dabeler Kirche steht die Handglockenspielerin, im Wamckower Gutspark die aus sechs lebensgroßen Kranichen bestehende Plastik "Zugvögel" oder in der Woseriner Hubertuskirche die von ihm gesponserte Kleinplastik "Der heilige Hubertus". Er beteiligt sich auch an Ausschreibungen, so 2009 für das Einheitsdenkmal in Berlin. Als DDR-Flüchtling habe ihn das Thema sehr gereizt. Erbguth scheidet im zweiten Durchgang aus. Im Nachhinein sei er froh darüber, sagt er, in seinem Alter wäre das wohl doch eine Nummer zu groß gewesen. Ein bisschen stolz aber mache ihn, dass durch sein Zutun die anfangs gesetzte inhaltliche Zielsetzung für das Denkmal - den Freiheitswillen des deutschen Volkes insgesamt im Laufe der Geschichte darzustellen, fallen gelassen wurde und sich nur noch auf den Freiheitswillen der Bevölkerung in Ostdeutschland 1989 bezogen werden sollte.

"Meine künstlerische Arbeit ist quasi mein zweiter Beruf geworden", sagt der 89-Jährige. Dazu gehören für ihn auch die seit 1995 stetig durchgeführten Kurse an der Volkshochschule und private Malkurse in seiner Galerie. Viele Schüler sind ihm über die Jahre treu geblieben. Das treibt auch ihn an. Es sind aber ebenso die Fortschritt beim Malen, ist die Akzeptanz der Schüler ihm gegenüber und das Interesse von ihnen, das er spürt. Von seinen Schülern wird er, der Autodidakt, so auch liebevoll "der Meister" genannt. So lange es seine Schüler wünschen, gibt er weiterhin Malunterricht. Gern würde er noch einmal einen Kurs unter freiem Himmel durchführen und ebenso einen Bildhauerkurs. Eine Figur zu modellieren, sie wachsen zu lassen, sei auch etwas Besonderes, schwärmt er in einem früheren SVZ-Gespräch.

Seinen Geburtstag am morgigen Donnerstag feiert der Jubilar, der seit 2007 zum zweiten Mal verheiratet ist, mit einem Haus der offenen Tür. Die eigentliche Feier wird später nachgeholt, mit 60 bis 70 Gästen, weiß er. Auch der Sohn (63), der als Professor an der Juristischen Fakultät der Uni Rostock arbeitet, wird kommen.

Auf die Frage welchen Traum er sich noch erfüllen möchte, antwortet Erbguth unlängst in der SVZ, mit fast 90 nicht mehr so sehr zu träumen, sondern von den Hoffnungen zu leben. Solange die Gesundheit mitspielt - vier Verwundungen, davon eine schwere im Krieg und eine weitere Schussverletzung im Mai 1945 in Turloff bei einem nächtlichen russischen Überfall, machen ihm doch manches Mal zu schaffen - will er seinen Unruhestand fortführen, um sich immer wieder auch eine Auszeit zu nehmen inmitten seiner Familie und inmitten der Natur.

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