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Dankeschön-Veranstaltung für Helfer : "Blauröcke" feiern in Witzin

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Als Dankeschön für die Einsätze zur Deichsicherung beim Elbhochwasser in Dömitz und Heiddorf, feierten die Kameraden der freiwilligen Wehren aus dem Amtsbereich Sternberger Seenlandschaft am Freitagabend in Witzin.

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erstellt am 01.Jul.2013 | 12:03 Uhr

Witzin | "Ihr wisst, ein Feuerwehrmann schläft nie, ist immer einsatzbereit", sagt Amtswehrführer Olaf Schröder aus Kobrow. Aber die "Blauröcke" verstehen bekanntlich auch zu feiern. So wie am Freitagabend in Witzin. Und die Kameraden der freiwilligen Wehren aus dem Amtsbereich Sternberger Seenlandschaft hatten es sich wahrlich verdient: Auf einer selbst organisierten Dankeschön-Veranstaltung für diejenigen, die beim Elbhochwasser zur Deichsicherung in Dömitz bzw in Heiddorf im Einsatz waren.

Im 1. Zug waren am 9. Juni, einem Sonntag, unter Leitung des Brüelers Mathias Ohms insgesamt 23 Mann von den Wehren aus Brüel, Dabel, Borkow, Hohen Pritz, Mustin und Wendorf ins Katastrophengebiet ausgerückt. Tags darauf schickte Eckardt Meyer, Leiter des Bürgeramtes im Amt Sternberger Seenlandschaft, einen zweiten Zug auf die Reise, diesmal mit 27 Ffw-Freiwilligen aus Sternberg, Gustävel, Mustin, Zahrensdorf, Hohen Pritz, Witzin und Dabel. Hier hatte der in Langen Jarchow wohnende Horst Rausch von der Zahrensdorfer Wehr das Kommando.

Sie alle schufteten im wahrsten Sinn des Wortes. "Am ersten Tag war ich in Dömitz im dortigen Hafen bis zur Brücke zur Deichstabilisierung, tags darauf wurden in Heiddorf nur so die Sandsäcke gefüllt", sagt der Hoher Pritzer Rüdiger Ger wien. Und zum guten Schluss ging es dann noch nach Groß Schmölen, "wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen", um dort Reserve-Sandsäcke zu füllen. "In zwei Stunden haben wir in Groß Schmölen insgesamt 13 000 Sandsäcke mit 29 Mann gefüllt", ergänzte am Freitag der mit in der kleinen Runde stehende Jörg Scheefe (Witzin).

"Es war eine neue Erfahrung, anstregend, sehr anstrengend. Erst war ich in Dömitz auf der Sandplatz und in der zweiten Schicht auf’m Deich. Beides war hart", berichtet der Wendorfer An dreas Wolter. Zugleich war es für ihn "interessant zu erleben, wie viele freiwillige Helfer, ganz normale Zivilisten, mit uns gemeinsam anpackten. Das schweißt zusammen."

Auch weil Zigtausende, ob von Feuerwehr, THW, Bundeswehr oder Zivilisten ihr Bestes und mehr gaben, blieb zum Glück die Katastrophe am Mecklenburger Elbe-Abschnitt aus. Freilich auch, weil zuvor in Fischbeck (Sachsen-Anhalt) ein Deich gebrochen war. Mit verheerenden Folgen, wie wir alle wissen. Gerwien: "Ich kenne den Lauf der Elbe. Als ich im Dömitzer Hafen den Wasserstand von vielleicht 40 Zentimetern unterhalb der Deichkrone sah, da wurde einem schon Angst und Bange. Beim Deichbruch nämlich wäre ganz Dömitz untergegangen!"

Bei der von der Witziner Wehr toll ausgerichteten kurzfristigen Feier fehlte übrigens Zugführer Mathias Ohms. Aus einem ganz besonderen Grund - wegen seiner eigenen Hochzeit tags darauf. Herzlichen Glückwunsch!

Zugleich machten am Freitag aber auch Pannen durch den Stab des Landkreises Ludwigslust-Parchim die Runde, die sich teils skurril anhören. So mussten sich die Sternberger "Blauröcke" das Toilettenpapier selbst besorgen. Und ein Feuerwehrmann aus der Crivitzer Ecke kannte einen, der wieder einen vom Entsorger Remondis kannte. So wurde man die Abfälle von der Gulaschkanone los. Dies nur am Rande, obwohl es - was die Koordination betrifft (man hatte schließlich Erfahrungen vom Hochwasser 2002) - keine Randnotizen für künftige Einsätze seien sollten…

Doch ein Hochwasser soll bitte nicht so schnell wiederkommen. "Nun reicht es, die Sandsäcke sind gerade entsorgt", so Rüdiger Gerwien, der flachsend in der Nähe der appetitlich duftenden Bratwürste und Steaks hinzufügte: "Ich grille nicht mehr: Erst werde ich vom heimischen Grill zum Hochwassereinsatz weggeholt. Und das Wochenende darauf durch den ,Pieper zu einem Sturmschaden auf dem Campingplatz in Kukuk. Jetzt mache ich es nur noch in der Pfanne!"

Die "Blauröcke" waren auch sonst gut drauf. Dazu passten auch die Worte Olaf Schröders: "Ich bin Stolz, dass ich Amtswehrführer von solch tollen Feuerwehr-Kameraden sein kann!"

Auch der Kreisverbandsführer des Altkreises Parchim, Dietmar Ahrendt (Zölkow), hatte es sich nicht nehmen lassen, nach Witzin zu kommen, um persönlich Dankeschön zu sagen. "In Spitzenzeiten waren 1040 Feuerwehrleute an der Elbe". Ahrendt (laut Olaf Schröder "sehr streitbar, aber ein guter Mann!") goss aber auch Wasser ins Feier-Bier. "Die Einsätze werden nicht vergütet, sondern es gibt nur eine Lohnfortzahlung. Das heißt für diejenige, die sonst üblich nicht am Wochenende arbeiten - für Samstag und Sonntag gibt es wie immer nur einen warmen Händedruck und ein Dankeschön. Letzteres machen wir hier heute."

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