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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

19. November 2017 | 22:52 Uhr

Naturparkzentrum Warin : Blaumeisen wie im Fernsehen

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Im Wariner Naturparkzentrum können Besucher ein Vogelpaar derzeit beim Nestbau und später beim Füttern der Kleinen beobachten.

von
erstellt am 06.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Ein helles, schnarrendes Geräusch, das sich kaum näher beschreiben lässt, kündigt einen der beiden Bewohner an. Für einen winzigen Moment schaut nur der Kopf hinein, und schwupp, sitzt die Blaumeise in dem Nistkasten, den Schnabel voller Naturmaterial für das Nest. Das wiederholt sich in unregelmäßigen Abständen. „Gestern war es meist trockenes Moos aus dem Rasen an der Kirche. Wir konnten sehen, wie die Meisen dorthin flogen“, erzählt Jan Lippke, stellvertretender Leiter des Naturparks Sternberger Seenland. „Dies ist jetzt trockenes Gras, das müssen sie von weiter her holen.“ Deshalb dauert es länger, bis Nachschub zum Nestbau herangeschafft ist. Auf einem Bildschirm neben der Information im Wariner Naturparkzentrum können Besucher das Geschehen verfolgen.


Anschaffungskosten mit Kamera 100 Euro


Am späten Freitagnachmittag sei es damit losgegangen, so Lippke. Am Montag hätten die Blaumeisen sogar zu zweit in dem Nistkasten gesessen, aber selbst da seien Männchen und Weibchen kaum zu unterscheiden gewesen. Das Nest müsste in Kürze fertig sein, bevor das Weibchen die Eier legt und brütet, während das Männchen den Platz behauptet. Die Brutzeit beträgt um die zwei Wochen. Das Füttern der Kleinen teilt sich das Paar wie jetzt den Nestbau. „Dann kommt richtig Leben in die Bude und wird es für Beobachter wieder spannend“, freut sich Lippke selbst. Die Nestlingszeit liegt in der Regel zwischen 16 und 22 Tagen.

Der Meisenkasten wurde im vorigen Jahr am Giebel angebracht. Die Anschaffungskosten hielten sich mit 100 Euro inklusive Kamera sowie Kabel zu dem Monitor im Gebäude in Grenzen, meint der stellvertretende Naturparkchef. „Und es ist schon erstaunlich, wie gut die Kamera das Leben in dem Kasten aufnimmt.“

Ursprünglich habe es die Idee gegeben, auf dem Kirchturm, wo ein Turmfalke brüte, eine Kamera zu installieren. Doch der technische Aufwand mit Funkübertragung sei als zu hoch eingeschätzt worden, so dass die kleinere Variante mit dem Nistkasten direkt am Naturparkzentrum verwirklicht wurde.


Im ersten Jahr von Kohlmeise vertrieben


2015 habe auch gleich eine Blaumeise zu bauen begonnen, sei aber durch eine Kohlmeise vertrieben worden. Der Stärkere setze sich auch in der Natur gnadenlos durch. Für Blaumeisen müsse das Einflugsloch einen Durchmesser von 28 bis 30 Millimetern haben, 32 seien es aber gewesen, so dass die größere Kohlmeise hindurch passte. „Die haben sich tüchtig gekloppt“, erzählt Lippke. Die Kamera habe das eingefangen. Blaumeisen verfügen im Verhältnis zu ihrer Größe zwar über ein großes Aggressionspotenzial, müssen sich ihren stärkeren Artverwandten aber meist beugen.

In diesem Frühjahr sei nach dem Reinigen des Nistkastens ein neues Brett mit kleinerem Einflugsloch eingesetzt worden, erklärt Lippke. Anfangs habe erneut eine Kohlmeise den Kasten beziehen wollen, habe aber nur den Kopf hinein gezwängt bekommen. Einer riesigen Hummel, die hier ebenfalls ihr Quartier beziehen wollte, habe sich die Blaumeise heftig erwehrt.

Gespannt ist Lippke auf die Zahl der Eier. Bei der Kohlmeise im vorigen Jahr seien es fünf gewesen. Ein Junges habe aber nicht überlebt, so dass vier ausgeflogen seien. Bei Blaumeisen wird in der Literatur von sechs bis zwölf Eiern gesprochen mit 82 bis 92 Prozent Bruterfolg.

Die Blaumeisen sind derzeit die Hauptattraktion im Naturparkzentrum. Eine Dauerausstellung macht mit Flora und Fauna im Seenland bekannt. Ab Mai werden in einer Sonderausstellung die Arten des Jahres zu sehen sein. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr, ab Mai bis 17 Uhr und dann auch am Sonnabend. Für tägliche Öffnungszeiten wie in den Vorjahren reiche das Personal einfach nicht mehr, bedauert Jan Lippke.

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