Neperstorf : Biomilchpreis besser kalkulierbar

Ein neugeborenes Kälbchen will bei einer Ammenmutter säugen. In den ersten Tagen findet es nicht gleich seine richtige „Mama“.
1 von 2
Ein neugeborenes Kälbchen will bei einer Ammenmutter säugen. In den ersten Tagen findet es nicht gleich seine richtige „Mama“.

Landwirt Arne Jöhnk hat die Umstellung vor knapp zwei Jahren nicht bereut / Erstmals baut er auf 18 Hektar auch Bioroggen an

von
20. März 2018, 21:00 Uhr

„Am 1. April bin ich voll Bio“, verkündet Landwirt Arne Jöhnk aus Neperstorf. Nach 19 Jahren als konventioneller Landwirt mit seinen 150 Milchkühen plus 150 Hektar Grün- und 200 Hektar Ackerland stieg er um. Die Karrenzzeit bei Grün-/Ackerland beträgt zwei Jahre. Die Milch in Bio-Qualität, „zur Zeit sind es 2900 Liter am Tag“, darf der 49-Jährige bereits seit vergangenem März zu Arla in Upahl liefern.

Zudem baut der Landwirt in diesem Jahr auf 40 Hektar Weizen und auf 18 Hektar Roggen an. „Den Roggen nimmt erstmalig Stefan Effenberger ab“, so Jöhnk. Der Hamburger Vollkorn-Bäcker – übrigens der erste seinerzeit in Deutschland – hat mittlerweile in Nordwestmecklenburg ein zweites Standbein. Er hält in der Gemeinde Bibow seit 2014 Dexter-Rinder.

Von Dirk Saggau aus Langen Jarchow, der seinen Hof nach den „Bioland“-Richtlinien bewirtschaftet und eine sechsjährige Fruchtfolge einhält, kauft Effenberger Hafer sowie Dinkel im Spelz. Und auch Saggau und Jöhnk arbeiten zusammen: „Er baut Kleegras an, das nutzen wir für die Milchkuhfütterung. Saggau bekommt von uns Mist zurück.“ Ein Kreislauf unter Bioleuten, zu denen für den Neperstorfer auch der Bio-Rindfleischerzeuger Heiko Gluth aus Schimm gehört.

Arne Jöhnk hatte schon immer ein Faible für Bio. Als die im Dezember 1997 aus dem holsteinischen Preetz übersiedelten Jöhnks Stallanlagen sowie Felder der einstigen LPG „Neues Deutschland“ in Neperstorf übernahmen, führte erst einmal kein Weg in die Biorichtung. Es gab seinerzeit keine Molkerei, die Biomilch abgenommen hätte und außerdem hatte Arne Jöhnk dafür auch nicht genug Land.

Der Stall wurde aber schon biogerecht umgebaut mit sechs Quadratmetern pro Kuh. Dieses kam dem Landwirt bei der Umstellung zupass. Den letztlichen Anstoß gab 2016 die damalige Milchkrise. Bei 20 Cent und weniger je Liter funktioniere das Konzept „Milch aus Gras“ einfach nicht mehr. Dem ruinösen Wettbewerb wollte sich Bauer Jöhnk, der seit 2004 ehrenamtlicher Bürgermeister in der Gemeinde Jesendorf ist, „auch gar nicht stellen. Ich will nicht irgendwie billig produzieren. Das gilt für die Tiere ebenso wie für meine vier Arbeiter. Alle wollen und sollen vernünftige Arbeitsplätze haben. Doch das geht bei 20 Cent der Liter eben nicht mehr!“, sagte er seinerzeit gegenüber SVZ.

Den Weg zum Biolandwirt hat der Neperstorfer nicht bereut. „Es kann gerne mehr sein. Aber seit der Umstellung ist der Literpreis von 44 bis 46 Cent ein guter Schnitt. Im Dezember betrug der Grundpreis 46 Cent. Jetzt ist er um einen Cent runtergegangen“, so Jöhnk, der bei der Gelegenheit auf den Milchpreis aus konventioneller Produktion verweist. „Da tendiert er in Richtung 30 Cent, im Dezember gab es da noch 40 Cent. Das ist unkalkulierbar. Da bringt man Geld mit, dass man arbeiten darf!“, so Jöhnk.

Er ist froh, nicht mehr Teil dieser Fieberkurve zu sein. Dass der Biomilchpreis in den Keller geht, glaubt es nicht. Die Nachfrage der Molkereien ist größer als die gelieferte Menge. Auch wenn der Anstieg von Biomilch 2017 deutschlandweit satte 17,2 Prozent betrug, bei der Gesamtmilchmenge macht Bio aktuell gerade etwas mehr als drei Prozent aus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen