zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. Oktober 2017 | 21:05 Uhr

Tempzin : Biogas für virtuelles Kraftwerk

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Das Projekt an der Tempziner Milchviehanlage wird in eine kombinierte Stromerzeugung eingebunden. Die Güllebehälter werden künftig für Gärreste genutzt.

svz.de von
erstellt am 18.Jun.2014 | 17:04 Uhr

Die beiden Gärbehälter ducken sich förmlich hinter den Ställen ab. Anfang Juni wurde mit ihrem Bau begonnen, jetzt stehen sie im Rohbau, bis etwa einen halben Meter hoch mit Wasser gefüllt, um die Dichtheit zu prüfen. Die Landwirtschaftsgesellschaft (LWG) Zahrensdorf
betreibt am Kuhstall in Tempzin künftig eine Biogasanlage. Dazu wurde mit einem externen Investor, der das 2,5 Millionen Euro teure Projekt
finanziert, eine Unternehmergemeinschaft gebildet. Ein Weg, den viele Agrarbetriebe gehen, um sich nicht selbst zu belasten, wie Projektbetreuer Christoph Zädow weiß.

„Wir wollen unser verdientes Geld in den Boden stecken, Pachtland kaufen, weiter in vorhandene Gebäude und in Technik investieren“, sagt LWG-Geschäftsführer Torsten Schrein. Die Biogasanlage soll neben Pflanzenbau und Viehwirtschaft das dritte Standbein des Betriebes werden, hatten die Gesellschafter vor drei Jahren entschieden.


In einen Mix erneuerbarer Energien eingebunden


Die Tempziner Anlage wird in einen Mix erneuerbarer Energien eingebunden, in ein virtuelles Kraftwerk, das die Stadtwerke München betreiben. Weht kräftig Wind oder scheint die Sonne, so dass entsprechende Anlagen reichlich Strom liefern, wird das mit Biogas gespeiste Blockheizkraftwerk (BHKW) an der Tempziner Anlage, die übers Jahr rund 2000 Haushalte mit Strom versorgen kann, etwa auf halbe Kraft oder gar auf Null zurückgefahren. Steigt der Bedarf an der Strombörse, geht die Kapazität des hiesigen BHKW hoch. Biogas sei die einzige erneuerbare Energie, die sich speichern lasse, betont Zädow. Dazu erhalten die Gärbehälter Speicherdächer.

Der Fachmann räumt ein, dass beim Bau von Biogasanlagen mancherorts auch Fehler gemacht wurden, vor allem hinsichtlich der Dimensionen. Das begonnene Vorhaben in Tempzin sei jedoch ein Musterbeispiel, um darzustellen, „was Biogas bei der Energiewende leisten kann“. Es müsse Teil davon sein, entgegen von Kritiken, dass damit Monokultur auf den Feldern gefördert werde. Die neue Anlage nutze „das vorhandene Standortpotenzial“. Gülle, die in den benachbarten Ställen anfalle, mache zwei Drittel der Rohstoffe aus. 400 Milchkühe stehen hier in einer modernen, artengerecht sanierten Anlage sowie 300 Jungrinder. Das letzte Drittel der Rohstoffe liefert der Mais, der bislang nur für das eigene Milchvieh angebaut wurde. Nun wächst die Fläche von 150 Hektar auf mehr als das Doppelte. „Wir nehmen dafür überwiegend Grenzstandorte mit niedrigen Bodenwertzahlen, auf denen mit Wintergerste und Weizen kaum was zu verdienen ist. Um die Fruchtfolge einzuhalten, wechseln wir natürlich auch“, so Schrein. Die Anlage passe in die Betriebsgröße. „Darauf haben wir Wert gelegt, um in der Fruchtfolge zu bleiben.“

Die Gülle gelangt täglich in die Gärbehälter, die jetzigen Güllebecken mit insgesamt 12 000 Kubikmeter Fassungsvermögen werden künftig für die Gärreste genutzt, die zur richtigen Zeit auf den Feldern ausgebracht werden und den Einsatz von Kunstdünger verringern sollen. Nebeneffekt für die Einwohner: Die Geruchsbelästigung nimmt ab.

Es sei ein ständiger Kreislauf: In der Pflanzenmasse gespeicherte Energie werde von den Tieren aufgenommen und umgewandelt, bevor sie mit den Gärresten teils wieder auf den Acker gelange. So werde eine Biogasanlage auch scherzhaft als „Betonkuh“ bezeichnet, sagt der Projektbetreuer. Der Begriff sei für ihn zwar neu, doch „die Kuh macht im Prinzip nichts anderes“, bestätigt Schrein. Im August beginnt die technische Ausstattung der Anlage, im Oktober soll der erste Strom erzeugt werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen