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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

24. November 2017 | 14:11 Uhr

Sternberg : Biodiesel für die gesamte Republik

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

ecoMotion Sternberg hat das Auf und Ab politischer Entscheidungen gemeistert und sich im harten Wettbewerb behauptet.

svz.de von
erstellt am 17.Aug.2014 | 15:55 Uhr

Wer Diesel tankt, sieht an der Zapfsäule diesen Hinweis: bis zu sieben Prozent Bioanteil. Der ist gesetzlich verankert, damit der Kohlendioxid-Ausstoß auf den Straßen sinkt. Die Beimischung in dem Kraftstoff  könnte von ecoMotion in Sternberg sein. Das Unternehmen, das 2006 die Produktion aufnahm und rund 50 Mitarbeiter hat,  füllt jede Woche zwei Tankzüge, die  mit 1125 Tonnen Biodiesel  Richtung Hamburg, Schwedt oder bis nach Bayern rollen. Der wird   in Mineralölbetrieben für Tankstellen überall in  Deutschland beigemischt.

Reinen Biodiesel gibt es an den Zapfsäulen schon Jahre nicht mehr.  So lange liegt auch die beste Zeit dieser Branche zurück. Wegen niedrigerer Kohlendioxid- und Schadstoffbelastung sowie Unabhängigkeit von Rohöl  gefeiert, sogar von  der Mineralölsteuer befreit, hatte  es einen regelrechten Boom gegeben.

Absatzkrise mit Exporten aufgefangen

Dann die Kehrtwende der  Bundesregierung: Die Mineralölsteuer stieg von null auf 18,6 Cent 2011. Bis dahin erreichte ecoMotion noch eine volle Auslastung der Umesterungsanlage,  die aus Rapsöl Biodiesel macht, produzierte pro Jahr rund 100 000 Liter. Die Branche  aber schwächelte schon zu der Zeit, kam insgesamt nur noch auf 50 Prozent Auslastung, ein Teil der Unternehmen ereilte das Aus. Bei Spediteuren war der Anreiz  verloren gegangen, den umweltfreundlichen Kraftstoff zu tanken. Der müsste etwa zehn Cent weniger kosten, damit er sich rechnet. Denn bei Biodiesel ist der Verbrauch höher, und das Intervall für Ölwechsel halbiert sich. Die Lkw-Flotten wurden wieder umgerüstet. Sternberg retteten Exporte, bis benachbarte Länder über eigene Produktionskapazitäten verfügten. Inzwischen wird Bio- wie  Normaldiesel mit rund 45 Cent besteuert.  

Nach Kurzarbeit von April bis August 2012 ging es bei ecoMotion wieder aufwärts. Der harte Wettbewerb hat zumindest für die Unternehmen, die die Absatzkrise durchgestanden haben, etwas Gutes: Was der Markt aufnimmt, müssen sich nur noch wenige teilen.

Eine neue Belastungsprobe wurde durch EU-Zölle entschärft. Argentiniens Regierung hatte den Preis für Biodiesel so gestützt, dass dieser billiger  wurde als das Sojaöl, aus dem er produziert wird, und so den Wettbewerb  verzerrt.  

Die Sternberger Ölmühle läuft seit Jahresbeginn ohne Pause, und auch bei  der Produktion von Biodiesel rechnet Geschäftsführer  Axel Becker mit voller Auslastung.   Mitte Juli, als die Rapsernte 2013 verarbeitet war, erfolgte  eine Woche lang die jährliche Wartung.  Die Separatoren wurden auseinander genommen, Lager und Dichtungen gewechselt. „Wir dachten, dass es  der richtige Zeitpunkt ist, wenn wir am 23. Juli fertig sind. Die Wartung hat bestens geklappt.

30 Fremdmonteure und Handwerker waren hier. Doch dieses Jahr kam der erste  Raps  aus dem nördlichen Brandenburg schon am 17. Juli“, erzählt Becker. Für 15 000 Tonnen, die Verarbeitungsmenge eines  Monats, hat der Betrieb eigene Lagerkapazitäten. Täglich werden 750 Tonnen angenommen. „Als die Ernte voll lief, ging das bis zu 1300 Tonnen, teils  auch am Wochenende, damit die  Lagerflächen   draußen frei werden“, so Becker. Die Rapssaat werde  bei umliegenden Händlern geordert, die bei Landwirten direkt gekaufte Menge liege lediglich bei 5000 Tonnen. Läuft die Biodieselanlage voll durch,  kauft ecoMotion  etwa ein Viertel Rapsöl zu, weil die eigene Mühle nicht mehr schafft. Aus einer Tonne Rapssaat kommen 400 Kilogramm Biodiesel – und 600 Kilogramm  Rapskuchen, hochwertiges,  eiweißhaltiges Futter, erklärt Becker. Letzteres werde in der Raps-Diskussion um Teller oder Tank  meist vergessen. 

Eine neue Herausforderung wartet 2015. Nach der so genannten Nachhaltigkeitsverordnung müssen die Hersteller von Biodiesel eine Einsparung von 50 Prozent Kohlendioxid (CO2) gegenüber konventionellem Diesel nachweisen. Jetzt sind es 35 Prozent. Über die „völlig unsinnige Begründung“, warum die Verordnung verschärft wird, schüttelt  Becker verärgert den Kopf. Weil hier  Felder zur Produktion von Kraftstoffen genutzt werden, müssten woanders auf der Welt mehr Nahrungsmittel erzeugt und dafür Flächen gerodet werden.

Aufwand zur Produktion von Biodiesel zählt

Der geforderte Wert errechnet sich aus dem Energieaufwand, der zur Produktion des Biodiesels nötig ist. Dieser selbst verändert sich in keiner Weise. Daher gilt schon länger  ein durchdachtes Energiemanagement. Auch Transportwege spielen eine Rolle. Bei Rapssaat aus MV erreiche ecoMotion eine CO2-Einspa- rung von 58 bis 60 Prozent.  „Es gibt einen Wettbewerb um höchste CO2-Vermeidung, und der ist gewollt“, sagt Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes in Berlin. „Wer sehr

guten Biodiesel liefert, verdient auch besser, denn künftig wird  nach der CO2-Leis- tung bezahlt. Zudem wird, denke ich, die benötigte Menge an Biodiesel ebenfalls zunehmen.

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