Schüler debattieren über Landwirtschaft : Billig essen – teuer produzieren?

Die Schüler aus den neunten und elften Klassen der Verbundenen Regionalen Schule und Gymnasium Sternberg sagten ungeschminkt ihre Meinung und hatten Fragen.
1 von 2
Die Schüler aus den neunten und elften Klassen der Verbundenen Regionalen Schule und Gymnasium Sternberg sagten ungeschminkt ihre Meinung und hatten Fragen.

Beim Projekttag an der Verbundenen Regionalen Schule und Gymnasium Sternberg diskutierten Schüler kontrovers mit Landwirten und Politikern.

von
14. Juli 2015, 08:00 Uhr

An der heutigen Landwirtschaft ließen die Schüler kaum ein gutes Haar. Den Tieren in großen Ställen gehe es schlecht. Das habe nichts mit natürlicher Haltung zu tun und könne auch nicht gut für die Verbraucher sein. Dennoch würden weitere solcher Anlagen gebaut, mit oder ohne Förderung, und auf den Feldern Monokulturen wachsen, die den Boden zerstören.

Gestern beim Projekttag hatten die Neunt- und Elftklässler von Verbundener Regionaler Schule und Gymnasium „David Franck“ in Sternberg Landwirte und Politiker als Gesprächspartner. Eingefädelt wurde die Runde nach einem Besuch der 9.1 dieses Jahr im Schweriner Landtag. Die Klasse konnte eine Sitzung verfolgen und diskutierte danach mit Barbara Borchardt aus der Fraktion Die Linke. Thema war die Uranbelastung in Trinkwasserbrunnen von Necheln. „Wir haben überlegt, das weiterzuführen, und in anderen Klassen nachgefragt, ob Interesse besteht“, so Klassenlehrerin Isabella Freund.

Wenn die Tierhaltung so schlecht sei, dürfte keiner Fleisch mehr essen, sagte Thomas Krüger, Mitglied des Landtags und agrarpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Er sei von Beruf kein Landwirt, sondern Zahntechniker, aber das könne von Vorteil sein, weil er eine andere Sichtweise einbringe. Krüger meinte, es müsse auch die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten gesehen werden. Den Tieren gehe es heute besser; ob gut, bleibe die Frage. Für ihn sei problematisch, dass überall, wo neue Ställe gebaut werden sollen, dagegen protestiert werde.

Der Politiker erntete prompt Widerspruch. Die Argumentation, nach der jene, die gegen die jetzige Tierhaltung seien, kein Fleisch essen sollten, sei perfide. Natürlich möchte fast jeder Fleisch essen, aber nicht das von Tieren, die mit Antibiotika vollgepumpt wurden. Sicher müssten auch viele Menschen ihre Gewohnheiten ändern, kam es zudem aus den Schülerreihen. Seit Jahrtausenden werde Fleisch gegessen, aber doch nicht jeden Tag.

Dirk Saggau, Biobauer aus Langen Jarchow, bewirtschaftet 400 Hektar und hält Mastrinder. Er arbeite im geschlossenen System, verzichte auf jegliche Chemie. Pflanzen versorgen den Boden mit Stickstoff. Er habe in konventioneller Landwirtschaft gelernt und damit begonnen, betreibe seit 16 Jahren jedoch ökologischen Anbau. Der sei schwierig, aber wenn er nicht wirtschaftlich arbeiten würde, gäbe es seinen Betrieb nicht mehr.

Er erkenne keinen Trend in diese Richtung, so Landwirtschaftsberater Horst Kersten. Die Nachfrage nach den teureren ökologischen Erzeugnissen sei eher rückläufig. Mancher Ökobauer überlege, zur konventionellen Produktion zurückzukehren. Die größte Rolle spiele der Preis. Der Verbraucher an der Ladentheke entscheide. Ein Beispiel: Der Handel habe sich nicht mal in der Lage gesehen, bei Hähnchenfleisch eine von der Tierwohl-Initiative geforderte Anhebung um drei Cent pro
Kilogramm durchzusetzen. Gleichwohl wünsche er er sich, so Kersten, dass die Biobranche mehr eigene Marken kreiere und im Markt etabliere.

Auch konventionelle Landwirtschaft könne nachhaltig sein, so Peter Rosien, Betriebsleiter in der Pastiner Landwirtschaftsgesellschaft. Das Futter werde selbst angebaut, was in der Tierproduktion anfalle, wieder verwertet, so dass auch im ökonomisch geführten Betrieb Kreisläufe bestehen. „Wir müssen jeden Tag darüber nachdenken, wie wir am besten mit den Tieren und dem Boden umgehen. Es wäre dumm, sich selbst die Lebensgrundlage zu entziehen.“

Überzeugt waren viele Schüler nicht. Doch einig war sich die von Barbara Borchardt moderierte Runde am Ende darin, dass sich in der Landwirtschaft einiges ändern müsse.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen