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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. November 2017 | 05:04 Uhr

Weberin : Bilder mit mehreren Materialien

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die letzte Ausstellung des Jahres im Weberiner Café Naschwerk zeigt bis Ende Oktober Arbeiten von Manfred Thrun aus Zittow.

von
erstellt am 06.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Er sieht sich nicht als Künstler, eher als kreativen Menschen, der was ausprobiert. Ergebnisse daraus sind bis Ende Oktober im Weberiner Café Naschwerk zu sehen. Manfred Thrun aus Zittow
bestreitet dort die letzte Ausstellung des Jahres, bevor das Café in die Winterpause geht und in der Zeit nur noch für Gruppen zum Frühstück oder für Backschulungen öffnet.

Thruns Arbeiten seien „so schön, liebevoll und fröhlich, sie haben eine Bedeutung und positive Wirkung zugleich“, findet Naschwerk-Inhaber Ed Schütze. Nach der Ausstellung vor einem Jahr hätten Leute danach gefragt. Er habe selbst ein Bild gekauft, seine Schwiegereltern sogar vier, andere seien auch mit mehreren Bildern herausgegangen. Deshalb habe er mit Thrun gesprochen, ob er wieder ausstellen würde.


Dekorativ und Themen zum Lächeln


Was er mache, habe meist dekorativen Charakter oder ein Thema, das beim Betrachter Lächeln auslöst. So wie das Bild mit einer Frau auf einer Wolke, die einen Mann im Spinnennetz hält. Dieser sei vielleicht ganz freiwillig darin, kann sich der Maler augenzwinkernd vorstellen. Wieder anders das Aquariumbild mit bunten Fischen. Oder Menschen in Bewegung, für seine Enkelkinder, sechs und acht Jahre alt, seien das Sportler. „Ein Künstler sagte mal zu mir, ,ich habe einen Vogel, und der heißt Fantasie’. Ich finde, dieser Satz passt“, so Thrun. Für dieses Hobby sei entscheidend, „mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, sich beeindrucken und aus dem, was man sieht, neue Bilder entstehen zu lassen.“ Manches sei anfangs unscheinbar. Etwa eine Frau in einem tollen Kleid. Das Bild von ihr drehe sich weiter, und was daraus entstehe, habe gar nichts mehr mit der Frau zu tun. Oder er finde ein Stück Holz im Wald, ohne zu wissen, was daraus werde. Manches liege nur einen Tag, anderes länger, bis er feststelle, das könnte eine Gestalt sein, erklärt der 69-Jährige aus Zittow. „Ich arbeite gern handwerklich, und dafür ist Holz sehr gutes Material.“ Es lasse sich mit anderen Materialien kombinieren, mit Metall, Glas, Textilien oder Keramik.

Die meisten der ausgestellten Arbeiten wirken daher sehr gegenständlich. „Ich habe aber auch gern gezeichnet, mehrere Techniken ausprobiert, Radierungen ebenso, und Kontakt zu Künstlern aufgenommen, um zu begreifen, wie funktioniert das überhaupt, wie wird es gemacht“, so Thrun.

Die jetzige Ausstellung sei „ein bisschen anders“ als die vor einem Jahr. Er könne nicht zweimal das Gleiche machen. Manche Arbeiten ließen sich, wie er aus Anfragen wisse, zehn Mal verkaufen. Aber er würde sich, sagt der 69-Jährige, schon beim zweiten Mal schwer tun und es deshalb lassen. Bilder zu verkaufen, sei ein erfreulicher Nebeneffekt, um das Hobby zu finanzieren, auch Maschinen zur Holzbearbeitung anzuschaffen, doch bei ihm stehe im Unterschied zu denen, die davon leben müssten, kein Zwang dahinter. Umso mehr habe er „riesige Hochachtung vor den Künstlern, die sich treu bleiben“.


Ehefrau als große Hilfe und starke Kritikerin


Seine Frau schaue häufig „skeptisch“, sie sei „eine sehr große Hilfe, aber auch starke Kritikerin“. Und das sei gut so, manchmal müsse er das wegstecken. Dann überlege er, warum sie das so kritisch sehe. Ein anderes Mal bleibe er stur und seine Arbeit so, wie sie ist.

Was jetzt sein Hobby ist, habe früh angefangen, erzählt der gebürtige Güstrower, der nach Zwischenstation in Schwerin seit 1997 in dem kleinen Dorf nahe der Landeshauptstadt lebt. „Ich bin froh, dass ich in Mecklenburg geblieben bin.“ Mit dem Abitur am John-Brinckman-Gymnasium erwarb Thrun den Facharbeiterabschluss als Landmaschinen- und Traktorenschlosser. Er sei „ganz froh“, den Beruf erlernt, wenngleich nie ausgeübt zu haben. Bis zur Wende war Thrun Berufssoldat, „die letzten zehn Jahre im Kulturbereich“, unter anderem verantwortlich für die Arbeitsgemeinschaften Bildnerisches Schaffen und Schreibende Soldaten. Er habe von sich aus den Dienst quittiert, dann in einem Geschäft für Kunstartikel gearbeitet, im Vertrieb der Einrichtungsbranche sowie zuletzt in Süddeutschland im Vertrieb für Porzellan und Keramik. Eine von drei Firmen, ein altes Familienunternehmen, stellte Gebrauchskeramik her. Aus dem Ausschuss, der dort anfiel, habe er sich Scherben herausgesucht, damit ein wenig gespielt und versucht, was daraus zu machen, erzählt Thrun. Auch dieses Material findet sich in der Weberiner Ausstellung wieder.

An diesem Sonnabend begibt sich der Zittower noch auf anderes Terrain. In der Sport- und Mehrzweckhalle Leezen findet von 10 bis 17 Uhr die erste Kreativmesse des Amtes Crivitz statt. „Ich habe die Organisation übernommen und zeige dort natürlich auch Arbeiten von mir.“ Insgesamt seien es 40 Aussteller, „eine beachtliche Zahl“, wie Thrun meint. In Weberin sind seine Bilder bis zum 29. Oktober zu den Öffnungszeiten des Cafés freitags von 14 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

Manfred Thrun bleibt dabei, er mache keine Kunst, füge aber gern den Satz eines Kollegen hinzu, der ihm gefallen habe: Kunst ist, Unsichtbares sichtbar zu machen.

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