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Diskussion zum Bienensterben : Bienenweide lockt Tiere in den Tod

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Landschaftspflegeverband Sternberger Endmoränengebiet lud Bienenzüchter und Landwirte zum Gespräch

svz.de von
erstellt am 06.Dez.2017 | 21:00 Uhr

Der Landschaftspflegeverband Sternberger Endmoränengebiet (LSE) rief und alle kamen. „Wir haben 20 Einladungen verschickt und 20 sind ihr gefolgt“, konnte LSE-Mitarbeiterin Marika Schuchardt berichten. Am Dienstag hatte sie zusammen mit Geschäftsführer Hans Diederichs und ihren Kollegen Hans-Joachim Hogrefe sowie Anja Hansen zum zweiten Gespräch zwischen Landwirten und Imkern eingeladen. Alle wichtigen Landwirte der Region wie Daniel Bohl vom Wariner Pflanzenbau, Eckhard Muckermann vom Gut Wamckow und Vertreter des Gutes Pastin waren dabei, Johannes Ulrich auf dem Agrarhof Brüel war Gastgeber dieses unrunden Tisches. Auch zehn Imker u.a. vom Imkerverein Warin und Umland sowie vom Imkerverein Sternberg und Umgebung nahmen teil.

„Es ist wichtig, dass die Leute miteinander ins Gespräch kommen. Und dass wir dieses Gespräch moderieren können“, kommentierte Hans Diederichs das Zusammentreffen. Durch solche gemeinsamen Runden könnten die Protagonisten auch feststellen, dass sie viele ähnliche Probleme haben, meinte Marika Schuchardt. Denn unter dem regnerischen und kalten Wetter des auslaufenden Jahres haben Landwirte wie Imker gleichermaßen gelitten.

Bienenweide in der Nähe von Loiz
Bienenweide in der Nähe von Loiz Foto: Anja Hausmann
 

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde konnte jeder der Anwesenden Themen benennen, die angesprochen werden sollten. Im Anschluss kam es zu einem Disput zwischen einem der Landwirte und einem Imker, der ein gravierendes Problem aufzeigte. Im Rahmen der Agrar-Umweltmaßnahmen der EU gefördert, bauen immer mehr Landwirte nach der Ernte im Herbst sogenannte Zwischenfrüchte wie Phacelia an. Diese sollen den Stickstoff im Boden binden, der im Herbst mit der Gülle noch einmal besonders stark auf die Felder kommt, da den Landwirten zwischen dem 1. November und dem 31. Januar das Ausbringen der Gülle komplett verboten ist. Außerdem wird durch die Art der Wurzeln der Boden aufgelockert und weil die Pflanzen nicht geerntet werden, sondern auf dem Feld bleiben, beugen sie der Bodenerosion vor. So werden Sandstürme wie der im April 2011 an der A19 vermieden, der zu einer dramatischen Massenkarambolage mit 40 Autos, acht Toten und zahlreichen Verletzten führte.

Obwohl nun gerade die Phacelia, auf Deutsch auch als Bienenweide bekannt, erweist sich dieser zunächst positiv erscheinende Zwischenfruchtanbau als tödlich für die Bienen - zumindest wenn die Pflanzen erst im Oktober oder November blühen. Denn die Winterbienen haben sich bis dahin schon längst auf die Winterruhe eingestellt. Wenn sie dann aber von den Blüten der Phacelia oder anderer spät blühender Pflanzen ins Freie gelockt werden, „fliegen sie sich zu Tode“, wie der Volksmund weiß. Auch wenn sich Landwirte und Imker nicht darüber einig waren, warum das späte Sammeln von Honig für die Bienen tödlich ist, der Fakt war unbestritten. Leider ist das Problem nicht so einfach zu lösen. Früher können die Pflanzen nicht zur Blüte gebracht werden, weil sie erst nach der Ernte im Herbst ausgesät werden. Abhilfe würde nur eine noch spätere Blüte oder Pflanzen bringen, die nicht blühen, aber denselben Effekt haben und nicht teurer sind.

Landwirte und Imker auf dem Agrarhof Brüel
Landwirte und Imker auf dem Agrarhof Brüel Foto: Anja Hausmann
 

Zweites wichtiges Thema dieses Vormittags war, dass die Anpflanzung von Blühstreifen zwar an sich eine gute Sache für die Bienen ist, aber nicht, wenn sie mit den Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmitteln kontaminiert werden, wie sie z. B. für Raps und Mais eingesetzt werden. Das ließe sich jedoch auf nur zehn Meter breiten Blühstreifen zwischen Feldern und Landstraßen, auf denen Lkws bis zu 100 km/h fahren dürfen, kaum verhindern, weiß Hans Diederichs. Deshalb warb der LSE bei den Landwirten darum, landwirtschaftliche Produktions- und Blühflächen für die Bienen zu trennen. Standorte, die durch eine schlechtere Bodenqualität nur geringe Erträge versprechen, könnten als größere Blühflächen angelegt werden, dafür gebe es ja auch eine Förderung durch die Agrar-Umweltmaßnahmen, so Marika Schuchardt.

Last but not least sprachen Landwirte und Imker ab, wo Bienenwagen aufgestellt werden können.

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