zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

26. September 2017 | 11:01 Uhr

Sternberg : Bienenstudie als Geheimsache?

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Ein großflächiges Monitoring auf Feldern rund um Sternberg soll die Auswirkungen von Beizmitteln bei der Rapsaussaat untersuchen.

svz.de von
erstellt am 14.Mai.2014 | 17:18 Uhr

Sind Besorgnis und Misstrauen begründet? Imker aus der Region haben zumindest ein ungutes Gefühl. Seit gut fünf Wochen läuft in der Umgebung von Sternberg eine großflächige Studie zum Monitoring von Honigbienen. Auftraggeber für die vor Ort beteiligten 25 Wissenschaftler, technischen Mitarbeiter und Studenten ist das zum Chemie-Riesen Bayer gehörende Unternehmen Bayer CropScience. Die Imker der Region wurden vorab informiert, die Öffentlichkeit nicht. Das hat ihr Unbehagen verstärkt und die Frage aufgeworfen, ob die Bienenstudie als Geheimsache gilt.

Auf zwei nebeneinander liegenden Arealen mit einer Gesamtfläche von 130 Quadratkilometern wurden 96 Bienen- und 108 Hummelvölker platziert sowie 18 000 Kokons von Mauerbienen ausgelegt. Letztere züchtet ein Mitarbeiter der Universität Greifswald zur Bestäubung von Nutzpflanzen. Felder von neun Landwirten sind in die Studie einbezogen. Es gibt jeweils sechs Standorte im und am Raps sowie 400 Meter entfernt, in jedem Fall abseits von Konkurrenzkulturen, wie etwa Obstplantagen. Die einheimischen Imker wurden eindringlich ersucht, ihre Völker von den Versuchsflächen fernzuhalten.


Untersuchungen bis Ende der Rapsblüte


Auf einem der beiden Areale haben die Landwirte bei der Rapsbestellung im Spätsommer mit Clothianidin gebeiztes Saatgut verwendet, auf dem anderen nicht, sondern nach dem Auflaufen ein anderes Insektizid gegen Schädlinge gespritzt. Doch bei dem Beizmittel scheiden sich die Geister, kommt es zum Konflikt. Das räumt auch Dr. Fred Heimbach von der tier3 solutions GmbH in Leverkusen ein. Der Biologe und Ökologe ist Gesamtkoordinator des Projektes. Das Insektizid gehört zur Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide, deren Zulassung in Saatgutbeizmitteln einer EU-Anordnung zufolge seit dem 1. Dezember 2013 für zwei Jahre ruht. Die deutschen Imkerverbände begrüßen das „Verbot der Neonicotinoide“, heißt es in einer Stellungnahme, die Willfried Klammer, Vorsitzender des Imkervereins Sternberg und Umgebung, auf SVZ-Anfrage übermittelte. An diesem Beispiel zeige sich, „dass nun auch endlich von den zuständigen Behörden erkannt wurde, dass die Biene einer der wichtigsten Umweltindikatoren ist“.

Die Studien rund um Sternberg, die bis nächste Woche, dem Ende der Rapsblüte, dauern, sollen Klarheit über Auswirkungen des Beizmittels auf die Bestäuber bringen. Bei der wöchentlichen Bonitur wird Wabe für Wabe herausgeholt, der Bienenbesatz geschätzt und danach die Größe des Volkes ermittelt, ebenso die Menge des Honigs. Eine Waage für jeweils zwei Völker nimmt automatisch stündlich deren Gewicht. Begleitet wird diese Datenerfassung von Klimamessungen. Es sei neu, so der Projektkoordinator, mit den Untersuchungen „hinein in die Landschaft zu gehen“, dorthin, wo die Kulturen „ganz normal“ angebaut werden. Die Landwirte würden so arbeiten, wie sie es für richtig halten. „Wir stellen lediglich unsere Bienen dazu“, so Heimbach. Es gäbe etwa keine Ausfallentschädigung bei Mindererträgen auf den einbezogenen Feldern. Die Bienenvölker kommen im Anschluss in ein „großes, aufgelassenes Gebiet mit wenig Landwirtschaft“ in der Nähe von Oberursel und werden bis nächstes Frühjahr weiter beobachtet, um auch Langzeitwirkungen festzustellen.

Ronny Markwardt, Landwirt aus Zölkow, sieht die Untersuchungen „positiv“. Bestimmte Beizmittel würden helfen, dass die Pflanzen gesund durch den Winter kommen und Einbußen durch Schädlinge verhindert werden. Wenn sie sich negativ auf Bienen auswirken, dürften sie aber nicht eingesetzt werden. „Wir arbeiten doch nicht gegen die Imker“, so Markwardt. Bei sachgerechter Anwendung seien noch keine negativen Auswirkungen aufgetreten, das würden „jede Menge Untersuchungen“ belegen, die notwendig seien, um die Registrierung zu erlangen, sagt Projektkoordinator Heimbach.

Das Anliegen der Studie, dass auf diesem brisanten Terrain weiter geforscht wird, hält auch Jan Lippke, stellvertretender Leiter des Naturparks Sternberger Seenland, für gut. Der Naturpark sehe sich aber lediglich in der Rolle des Beobachters. „Wir verfolgen das Projekt interessiert.“

Unsere gestrige Anfrage an Bayer CropScience zum Thema blieb bis gestern Abend unbeantwortet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen