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147 bekannte Reviere im Sternberger Seenland : Biber mit Hausnummer im Naturpark

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Der Bestand der Biber im Naturpark Sternberger Seenland hat sich offenbar eingepegelt. In diesem Jahr wurden 147 Reviere festgestellt. Gegenüber 2012 sind das 15 mehr, die Anzahl aufgegebener Quartiere stieg um acht.

svz.de von
erstellt am 22.Apr.2013 | 10:54 Uhr

Alt Necheln | Der Bestand der Biber im Naturpark Sternberger Seenland hat sich offenbar eingepegelt. In diesem Jahr wurden 147 Reviere festgestellt. Gegenüber 2012 sind das 15 mehr, gleichzeitig stieg die Anzahl aufgegebener Quartiere um acht auf 33. Darunter mehrere im Bereich der Gemeinde Kuhlen-Wendorf; indes kann hier die Agrargenossenschaft Gustävel Grünland stellenweise nicht nutzen kann, weil es durch Bauten des Bibers zu stark vernässt ist.

Neue Reviere entstanden vor allem in der Gegend um Warin, die von den Nagern besonders dicht besiedelt ist. Die Zahl der Biberreviere mit Reproduktion blieb unverändert bei 77. Laut dem durchschnittlichen Faktor von 3,5 pro Revier plus Einzeltieren - Biber gelten als ausgesprochen wählerisch bei der Partnerwahl - liegt die Gesamtzahl leicht über 300, ähnlich wie im Vorjahr. Diese Übersicht gab Naturparkranger Mario Krüger auf dem 14. Bibertag MV am Sonnabend in Alt Necheln. Die gemeinsame Veranstaltung von Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung), Naturpark Sternberger Seenland und Nabu-Regionalverband Parchim, Haus Biber & Co. beinhaltet jedes Jahr Vor träge und Exkursionen.

Krüger informierte auch über Eingriffe in die sensible Biberwelt. Von der zuständigen Naturschutzbehörde genehmigt, wurde im Frühjahr erneut der Damm in der Göwe nahe Wendorf abgerissen.

Dahinter befindet sich eine Biberburg.

Anscheinend gehe dem Nager dafür in der unmittelbaren Umgebung sein Baumaterial aus. Um das Gewässer zu verbreitern, errichte er den Damm. Angesichts der einsetzenden Vegetation komme der Biber zunächst ohne den abgerisenen Damm zurecht, doch bei nachlassendem Wachstum im Herbst baue er den jedes Mal wieder neu. "Vielleicht versuchen wir es an der Stelle mal mit einem Bibertäuscher", nannte der Naturpark ranger eine Überlegung. Ein Erweiterungsdamm bei Blankenberg wurde ebenfalls mit Genehmigung abgetragen - und "wird wohl wieder aufgebaut", so Krüger. Für Entsetzen sorgte die Zerstörung einer Biberburg etwa Ende Januar an den Karpfenteichen zwischen Klein Labenz und Mankmoos (wir berichteten). Sie wurde "völlig abgeräumt", das war im Sternberger Seenland die bislang schwerste Attacke gegen die streng geschützten Tiere. Die Familie habe zum Glück in der Nähe Unterschlupf gefunden und baue nach Beobachtungen der Natur park ranger die Burg neu auf.

Hoch erfreut über die erfolgreiche Wiederansiedlung im Bereich der Warnow zeigt sich Dr. Robert Sommer, einer der Referenten auf dem Bibertag. In Langen Brütz, am Rande des Naturparks, aufgewachsen, habe er 1992 bis 1995 als Zivildienstleistender die Ansiedlung und Ausbreitung des Bibers über Werksverträge mit dem Umweltministerium verfolgt und dokumentiert. Das sei für ihn der Einstieg gewesen, sich wissenschaftlich mit Zoologie und speziell Säugetieren zu befassen. Sommer lehrt heute am Institut für Natur- und Ressourcenschutz der Universität Kiel in der Abteilung Landschaftsökologie. Er beschäftige sich vorrangig mit Fledermäusen, treffe aber auf Schnittstellen zum Biber. Zudem sei sein Interesse aus der Zivizeit erhalten geblieben.

Bei der Ansiedlung des Bibers komme nicht schlechthin eine Tierart hinzu, er bahne "durch Auflichten der Vegetation" den Weg für weitaus mehr Vielfalt. Wo der Biber Bäume fälle und damit kleine Öffnungen in der Landschaft schaffe, würden mehr Fledermäuse und Libellen fliegen, andere Pflanzen gedeihen. "Der Biber ist ein Naturschützer", so Sommer im SVZ-Gespräch. Menschen würden den Schaden sehen, wenn die Nager Bäume fällen, doch das sei ein natürlicher Prozess und nütze der Natur. Es gäbe wissenschaft liche Belege, wie diese Tiere zur Artenvielfalt beitragen. Darüber schreibe eine Studentin an der Uni Kiel gegenwärtig ihre Abschlussarbeit.

Dass Bibermanagement nicht nur im Naturpark Sternberger Seenland groß geschrieben wird, sondern auch in Baden-Württemberg, erläuterte Rainer Allgöwer aus dem Regierungspräsidium in Stuttgart. Er ging auf Konflikte ein und wie sie gelöst werden können. Kuriose Begebenheiten garnierten den Vortrag, etwa Biber in Parkhaus und Schwimmbad oder an einer Gaststätte auf der Schwäbischen Alb, wo kein Gewässer vorkomme. Sein Credo zum Abschluss: Geben wir ihm - geben wir uns eine Chance!

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