Warin : Bewerber mit Berufsstolz gesucht

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Dem Wariner Handwerksmeister Gerd Ridder sind fachliches Interesse, Auftreten und Allgemeinwissen von Auszubildenden wichtig. Er bietet noch eine freie Lehrstelle als Elektroniker.

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27. August 2015, 20:45 Uhr

Die Baustelle in Hamburg geht dem Ende zu, die Elektroinstallation für zwei Neubauten mit über 80 Wohnungen. Weitere Aufträge hat die Ridder GmbH Elektro-Blitzschutz aus Warin unter anderem beim Ausbau im Casino Lüneburg sowie im Kloster Bardowick nördlich von Lüneburg. Dort ist gerade eine größere Lieferung von schicken Lampen eingetroffen, die nun installiert werden. Mit dem Architekten dort
arbeitet Gerd Ridder gern zusammen, auf ihn sei Verlass, was nicht bei allen zutreffe. Und stolz sei er bis heute, so Ridder, dass er vor ca. drei Jahren die elektronisch gesteuerte Beleuchtung in der Sternberger Stadtkirche installieren durfte. Bei dieser Bustechnik wird eine Ringleitung verlegt und nach entsprechender Programmierung an bestimmten Stationen, etwa wie an Haltestellen eines Busses, der Befehl zum Ein- oder Ausschalten gegeben. Bustechnik lasse sich ebenso bei Heizung, Lüftung oder Jalousien verwenden, bei allem, was schaltbar ist.


Guter Handwerksbetrieb bildet auch aus


Die Firma hat derzeit sieben Mitarbeiter, zwei speziell für Blitzschutz ausgebildet. Etwa drei Viertel der Arbeiten entfallen heute auf den Elektrobereich. In Spitzenzeiten, wenn es bei Aufträgen eng zu werden drohte, seien zeitweilig bis zu sechs Leiharbeiter hinzugekommen, sagt Ridder. Manchmal würden sich auch „befreundete Betriebe“ gegenseitig helfen, doch momentan hätten, so viel er wisse, alle in dem Gewerk reichlich zu tun.

Von den Facharbeitern hat einer schon in dem Betrieb gelernt. Insgesamt waren es nach der Wende ca. 15 Lehrlinge. Der jetzige Auszubildende als Elektroniker für Energie- und Gebäudewirtschaft geht in sein letztes Halbjahr. Die Lehrzeit beträgt dreieinhalb Jahre. Der Wariner möchte das gern fortsetzen. „Ein guter Handwerksbetrieb bildet aus und sorgt für Berufsnachwuchs“, so seine Devise. Doch es fehlt an Bewerbern. Zum bevorstehenden Ausbildungsstart habe es nicht einen gegeben, obwohl die Lehrstelle bei der Agentur für Arbeit und in der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Schwerin angeboten wird. Letztere umfasst mit Stand von gestern 222 freie Ausbildungsplätze aus den Landkreisen Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg, dem Altkreis Güstrow und Schwerin.

Schon im Vorjahr habe sich niemand für die Lehre zum Elektroniker gefunden. Das Interesse für Büroberufe sei wohl größer. Mit einem Kaufmann für Büromanagement habe es 2014 geklappt. Der junge Mann beginne in der nächsten Woche sein zweites Lehrjahr. Mit Anne-Christin Paschke, die kürzlich die Prokura erhielt, und Christin Westendorf, die schon in einer Wismarer Elektrofirma zusammenarbeiteten, funktioniere dieser Bereich der Firma tadellos. Sie würden ihm den „ganzen Schreibkram“ abnehmen und damit spürbar entlasten, ist der 64-Jährige erleichtert.

Er hat den Betrieb 1983 gegründet, war Anfang 30, Meister einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) und voller Tatendrang, Neues anzufangen. Mit Elektro sei es nichts geworden, zumal das Material meist knapp war. Er habe mehrere Kreise abgeklappert, aber so richtig aufgeschlossen für seine Idee sei niemand gewesen. Bis er nach Sternberg kam. Hier habe es keinen Betrieb für Blitzschutz gegeben und der Kreis deshalb Kapazitäten aus anderen Gewerken eintauschen müssen. „Also habe ich mit Blitzschutz als Ein-Mann-Betrieb angefangen“, erklärt Ridder. Doch erst mit der
Gewerbegenehmigung in der Tasche habe er bei der PGH in Meyenburg gekündigt und sei nach Warin gezogen. Hier werde er seitdem immer mal mit Frank Ridder, derzeit Vereinsvorsitzender der TSG, verwechselt. Doch beide seien nur Namensvetter und überhaupt nicht verwandt, klärt der Handwerksmeister auf.

Blitzschutz werde heute meist nur noch auf öffentlichen Gebäuden, bei der Bundeswehr oder bei Unternehmen mit entsprechenden Auflagen montiert, auch auf größeren Photovoltaikanlagen, kaum noch auf Privathäusern. Bei ihm gingen zwar Anfragen von Eigenheimbesitzern ein, ob sie Blitzschutz brauchten, doch dabei bliebe es meist. Das sei wie mit der Versicherung, antworte er. Die koste erstmal nur Geld, doch wer sie dann brauche, sei froh, sie zu haben. „Blitzschutz ist Besitzschutz“, bringt Ridder es auf den Punkt.

Die Hoffnung auf einen Auszubildenden hat er noch nicht aufgegeben. Bestimmte Kriterien müsse dieser freilich erfüllen: fachliches Interesse, ordentliches, selbstbewusstes Auftreten, Allgemeinwissen, sei er doch bei Kunden. Er müsse auch vom Charakter hineinpassen, denn er lerne bei ausgebildeten Monteuren auf den Baustellen. Und über allem stehe, sagt der Wariner Firmenchef, der Bewerber müsse den Beruf als Berufung sehen. Ohne gesunden Berufsstolz werde aus ihm kaum ein guter Handwerker.

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