Rothen : „Betrachter gehört mit zum Kunstwerk“

Dieses Winterbild neben der Eingangstür begrüßt den „Sommerfrische“-Besucher bei 30 Grad Celsius in Rothen.
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Dieses Winterbild neben der Eingangstür begrüßt den „Sommerfrische“-Besucher bei 30 Grad Celsius in Rothen.

Noch bis Montag lädt Reinhard Risch zur „Sommerfrische“ nach Rothen ein.

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08. August 2015, 10:34 Uhr

Was soll uns das sagen? Neben der Eingangstür empfängt ein Winterbild den Besucher bei der Zweitauflage der „Sommerfrische“. Unter diesem Titel lädt der aus Potsdam stammende Künstler Reinhard Risch noch bis kommenden Montag, jeweils in der Zeit von 13 bis 17 Uhr, in sein Rothener Atelier zum „Handtuch 1“ ein.

Zurück zum Winterbild. Risch will den Kunstinteressierten nachdenken lassen. Darum tragen viele seine Werke auch keine Namen. Vielleicht freut er sich aber auch nur auf die kommende kalte Jahreszeit. Denn auf die Frage, wann er am liebsten male, antwortet Risch: „Am liebsten am späten Abend bis in die Nacht rein. Und im Winter lieber als im Sommer; wenn es hier ganz einsam ist. Wenn’s mich packt, zählt keine Zeit. Dann wird das Bild gut!“ Und wenn doch nicht, dann wird die Sache eben wieder verworfen. Künstlerleben wie -schicksal.

Nach der Vorjahrespremiere entschied sich Risch erneut für den 1. bis 10. August für seine „Sommerfrische“. Mitten in den Ferien sei dies eine gute (Datums-)Nische bei all den Kulturangeboten ringsherum. Dabei hat er sein 60-Seelen-Örtchen Rothen, in der Region längst darüber hinaus für seine hier wohnenden bzw. noch mehr arbeitenden Künstler und Handwerker bekannt, ebenso im Blick, wie das, was etwa in Mestlin geschieht.

Die Rechnung mit dem August-Termin scheint aufzugehen. Dabei hat es Reinhard Risch mit der Quantität nicht so. Auf die Frage, wie viele Werke er diesmal in und außerhalb seines Ateliers im Bungalowstil für die 2015er „Sommerfrische“ aufgehängt habe, kommt sogleich die Gegenfrage: „Quantität, ist das so wichtig?!“ Es seien ca. 20 Bilder, Zeichnungen, Skulpturen…

So gesehen ist es nur folgerichtig, dass sich der freischaffende Künstler – anders als bei den großen MV-Kunsteinrichtungen – nicht über Besucherzahlen definiert. Risch sieht es bewusst anders. Seit 1. August hatte er „schöne Begegnungen, anregende Gespräche mit Leuten, die hier in MV Urlaub machen“. Darunter war etwa ein holländisches Ehepaar, welches per Fahrrad vorbeischaute. Andere interessierten sich ganz speziell, kamen extra zur „Sommerfrische“ nach Rothen.

Reinhard Risch freut sich über Gäste in seinem Atelier, die die eigene Fantasie beim Betrachten eines seiner abstrakten Bilder spielen lassen. Zugleich habe er festgestellt, dass viele „sich gar keine Zeit nehmen, hektisch fragen: ,Wo hängen die Bilder?‘ Die Leute sind alle Getriebene.“ Husch, husch; schnell durch und wieder weg… Jetzt versteht man, warum der Wahl-Rothener kein Freund der „Masse“ ist.

Im Urlaub, das gehe ihm genauso, wolle man „was entdecken; eine schöne Kneipe, Galerie; ein hübsches Lädchen, eine wunderbare Gärtnerei. Mecklenburg ist zunehmend ein Ort, wo man so was entdecken kann.“ Nicht wenige Gäste der zurückliegenden Tage seien denn auch von den Zeltplätzen wie dem in Kukuk gekommen. „Das ist ein Potenzial, das ich bisher gar nicht so gesehen habe“, gesteht Risch.

Bei seinem Schaffen spiele Abstraktion die Hauptrolle – und die Leute mit reinholen. „Der Betrachter gehört mit zum Kunstwerk“, lautet denn auch eine der Prämissen.

Neben in den vergangenen zwölf Monaten entstandenen Bildern, wie „Himmelsfenster“ oder „Lach ab?“ sind auch ältere Zeichnungen oder ein Bild der 2012er-Serie „Sölle+Seen“ zu sehen. Er spiele „ganz stark mit der Fläche, aber auch mit dem Strich auf der anderen Seite“. Zwei Dinge, die eigentlich im Grunde nicht zueinander passen.

Abschließend bekannte Reinhard Risch, dass er sich „immer mehr mit dem Himmel beschäftigt“. Ganz besonders habe es ihm dabei der Sonnenuntergangshimmel vorm Fenster in der Landschaft angetan.

Warum freilich ausgerechnet das Winterbild die „Sommerfrische“-Gäste begrüßt, verriet der Gastgeber nicht. Kunst lässt eben immer was offen; der Künstler auch!

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