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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 19:50 Uhr

Kuhlen : Betonsteinwerk produziert wieder

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Nach der Stilllegung der Anlagen im Dezember 2012 arbeitet der Kuhlener Betrieb mit einem neuem Konzept. Statt Masse und Bevorratung wird auftragsbezogen gefertigt.

svz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 17:09 Uhr

Die Stapel aus Betonsteinen und -platten sind um einiges niedriger als vor zwei Jahren. Dafür hat das, was heute auf dem Lagerplatz zum Abholen bereit steht, sichtlich mehr Vielfalt. Das Heuchert-Betonsteinwerk an der B 104 bei Kuhlen hat in diesem Jahr die Fertigung wieder aufgenommen – nach einem neuen Konzept. Es produziert nun auftragsbezogen in kleineren Mengen, den unterschiedlichen Wünschen der Kunden folgend. „Wenn jemand grüne Steine möchte, bekommt er die. Wir machen keine Masse mehr“, bringt es Geschäftsführer Fred Heuchert auf den Punkt. Grün sei natürlich nicht der Renner , vielmehr ein tiefes Schwarz bei Pflastersteinen, meist sechs oder acht Zentimeter stark, auf Wunsch aber auch zehn Zentimeter.


Zuspruch von Kunden und veränderter Markt


Die Anlagen wurden im Dezember 2012 stillgelegt
und konserviert, die insgesamt 17 Mitarbeiter entlassen (SVZ berichtete). Hohe Kostensteigerungen bei Energie und Rohstoffen sowie der Preisdruck größerer Unternehmen mit mehreren Produktionsstätten hätten ihn, so Heuchert seinerzeit, zu diesem Schritt gezwungen. Er betonte jedoch, dass das Werk nicht in Insolvenz gegangen sei, sondern als Handelsbetrieb weitergeführt und das Sortiment, ob selbst hergestellt oder zugekauft, wie bisher verkauft werde. Heuchert hoffte auf einen Käufer, der das Werk mit dem Betonknoten als Wahrzeichen direkt an der Bundesstraße weiterführt, an einen eigenen Neustart glaubte er angesichts des „sehr hart umkämpften Marktes“ für Betonwaren kaum.

Es kam anders. „2013 war wirklich ein hartes Jahr. Auch für mich persönlich, ich hänge an dem Betrieb. Keiner wusste, wie es weitergeht“, blickt der Geschäftsführer zurück. „Doch beim Lagerabkauf erhielten wir von Kunden viel Zuspruch. Händler ermutigten uns, macht wieder eure Qualitätssteine. Und der Markt änderte sich, es wurden bessere Preise möglich.“

Als die Produktion still stand, sei im Familienunternehmen, das in vier verschiedenen Bereichen tätig ist, überlegt worden. „Und dann haben wir drei Brüder uns entschlossen, im März unsere Produktion wieder anzufahren“, so der Geschäftsführer in Kuhlen. Doch seien früher alle fünf Maschinen gleichzeitig gelaufen, zwei für Pflastersteine und drei für Betonplatten, wäre heute nur jeweils eine in Betrieb, manchmal auch eine zweite, immer für das, was gerade bestellt sei. „Wir wollen die Lagerhaltung nicht ausschweifen lassen“, sagt Heuchert. Neben dem, was auftragsgemäß hergestelllt werde, würden lediglich Lagerartikel vorgehalten, die häufig von Händlern nachgefragt würden und sich gut verkaufen ließen.

Sechs Mitarbeiter, die schon vorher hier beschäftigt waren, bedienen die Maschinen. „Ich bin froh, dass sie zurück sind“, so Heuchert. „Leider reicht es nicht für alle.“ Die Aufgabenverteilung sei heute anders
geregelt. Der Meister zum Beispiel, der vorher nur mit Organisation beschäftigt gewesen sei, entwickle Produkte mit und fahre die Anlage für Pflastersteine.

So konnte das Sortiment ausgeweitet werden: weniger Standard, mehr Sonderfertigung, unterschiedlich in Format und Oberfläche. „Wir haben mit Muschelkalk und Vulkangrau zwei neue Farbzusammensetzungen. Es gab Anfragen. Wir haben dann was ausprobiert, das gut ankam“, sagt Ilja Heidemann, für Verkauf und Außendienst zuständig, seit Sommer der Dritte im Büro neben dem Chef und dessen Ehefrau Ursel, die die Buchhaltung erledigt.

Neu entwickelt habe das Werk in Kuhlen auch einen Pflasterstein, der wegen seiner Wasserdurchlässigkeit und Beständigkeit gegenüber Frosttausalz als Ökostein eingesetzt werde. „Der ist zwar nicht ganz neu, hier in der Region haben wir damit aber wohl ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Heuchert. „Andere Steine lassen entweder zu viel Wasser durch oder zu wenig.“ Es sei ein langer Prozess gewesen. „Wir haben immer wieder probiert und nicht aufgegeben.“ Viele hätten gemeint, dass so ein Stein kaputt friere, wenn er Feuchtigkeit aufnehme und dann Frost komme. „Wir können das Gegenteil
belegen, haben ein Produkt-Zertifikat“ freut sich Heuchert. Vorausgegangen sei ein Test, bei dem der Stein 28 Tage lang immer wieder Feuchtigkeit aufnahm und dann Frost simuliert worden sei.

In Sternberg zum Beispiel sei damit eine Fläche gepflastert worden. Und die Entwicklung neuer Produkte gehe weiter. Heute blickt der Kuhlener Geschäftsführer optimistisch in die Zukunft.

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