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Sternberg und Umgebung : Beton bröckelt – Kur für Brücken

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Eisenbahnüberführungen zwischen Groß und Klein Görnow sowie bei Blankenberg werden im November instand gesetzt.

von
erstellt am 26.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Dass Hand angelegt werden muss, steht seit Monaten fest – und jetzt auch der Termin: Die baugleichen Eisenbahnbrücken zwischen Groß und Klein Görnow sowie an der so genannten Friedrichswalder Weiche in der Gemeinde Blankenberg werden in der 47. Kalenderwoche – vom 21. bis zum 26. November – instand gesetzt. Obligatorische Prüfungen hatten ergeben, dass zwar keine Einsturzgefahr besteht, wohl aber eine akute Gefährdung, so dass der Zugverkehr beeinträchtigt werden könnte (SVZ berichtete). Und es handelt sich um die Hauptstrecke Bad Kleinen-Rostock.

Bei der letzten Bewertung seien die Brücken „gerade so durchgegangen“, sagt der Sternberger Bürgermeister Armin Taubenheim und sieht die Stadt in der dringenden Pflicht zur Verkehrssicherung. Obwohl es sich um eine Eisenbahnbrücke handelt, muss laut Straßen- und Wegegesetz die Kommune als Baulastträger der Straße für Instandhaltung und gegebenenfalls Erneuerung aufkommen. Nachdem schon bei der Prüfung 2013 Mängel hinsichtlich Standsicherheit bzw. Dauerhaftigkeit festgestellt und daraufhin erste Sicherungsmaßnahmen durchgeführt wurden, hat eine Nachkontrolle Ende 2015 ergeben, dass sich der Zustand weiter verschlechtert hat. Wenn ein Zug in vollem Tempo durchfährt, erzeugt er eine enorme Druckwelle, sagt Jochen Gülker, Leiter des Sternberger Amtes für Stadt- und Gemeindeentwicklung. Hinzu kämen „Erschütterungen von oben“, selbst wenn hier nur Fahrzeuge bis 16 Tonnen erlaubt sind und die
Geschwindigkeit auf 50 km/h begrenzt ist.

Nach Vermutung Gülkers sind die Überführungen wahrscheinlich 1920 mit dem Bau der Eisenbahnlinie entstanden. Eine genaue Jahreszahl kenne er nicht. Es handelt sich, so Gülker, um Ein-Feld-Gewölbebrücken, als Dreigelenkbogen in Stahlbeton ausgeführt, die in den 1970er-Jahren mit Spritzbeton versehen wurden. Dieser bröckelt nun stellenweise und könnte in die Gleise fallen.

Die Spritzschale wird komplett abgeklopft, die Bahnstrecke in der Zeit gesperrt. Um Kosten zu sparen, die schon bei Antragstellung von Sperrzeiten fällig werden, wird an beiden Brücken zu gleicher Zeit gearbeitet. Die Kosten für Sicherung und Sanierung betragen für beide Bauwerke zusammen fast 92 000 Euro, die sich Sternberg und Blankenberg teilen. Hinzu kommen jeweils 13 700 Euro für die Planung. Wäre die einzeln erfolgt, wären es für jede Brücke knapp 20 000 Euro gewesen. Die Sternberger Stadtvertretung hat schon zeitig eine überplanmäßige Ausgabe beschlossen. Fördermittel gebe es dafür nicht, Instandhaltung müsse aus dem laufenden Haushalt beglichen werden, betont Gülker. Da Blankenberg so eine zusätzliche Ausgabe kaum schultern könnte, sei ein Antrag auf Sonderbedarf gestellt worden.

Selbst nach der Instandsetzung werde der marode Zustand des Baukörpers auf einen Neubau hinaus laufen, macht sich der Sternberger Bürgermeister keine Illusionen. Denn auch die Widerlager, die den Druck auf eine Brücke abfedern, seien „stark beschädigt“. Somit würde eine grundhafte Instandsetzung der Brücken viel Geld kosten, sich aber nicht lohnen. Erste Schätzungen für Abriss und Neubau gehen von etwa 1,9 Millionen Euro aus, wobei hier eine Förderung von ca. 1,1 Millionen Euro in Aussicht stünde. Der Sternberger Bürgermeister drückt schon auf Tempo, da die Deutsche Bahn bei derartigen Vorhaben mit einem Planungsvorlauf von mindestens drei Jahre arbeite, sagte er in der Sitzung der Stadtvertretung. Sollte sich der Zustand des Baukörpers weiter verschlechtern und kurzfristig eine Sperrung notwendig sein, ein Neubau aber noch in weiter Ferne liegen, wäre nicht nur eine Verkehrsader durchgetrennt, sondern auch der Ortsteil Klein Görnow von Sternberg abgeschnitten.

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