Sternberg : Beste Freunde trotz Handicap

<fettakgl>Gelungene Integration: </fettakgl>Der körper- und  geistig behinderte Aaron Jannik von Berg   (l.) sitzt einträchtig mit seinem liebsten Spielkameraden, dem gesunden Danilo    Laasch (r.), am Brunnen neben dem Rathaus in Sternberg. <foto>Stefanie Milius</foto>
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Gelungene Integration: Der körper- und geistig behinderte Aaron Jannik von Berg (l.) sitzt einträchtig mit seinem liebsten Spielkameraden, dem gesunden Danilo Laasch (r.), am Brunnen neben dem Rathaus in Sternberg. Stefanie Milius

Aaron und Danilo haben Spaß. Sie sind beste Freunde. Nichts Besonderes? Doch! Der Grund: Die Jungen sind ein Beispiel für gelungene Integration. Aaron ist körperlich und teilweise geistig beeinträchtigt, Danilo gesund.

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04. Juli 2012, 04:50 Uhr

Sternberg | Karl-Marx-Straße. Wendeschleife. Wie an vielen Nachmittagen verwandeln auch heute die Kinder der Nachbarschaft den Ort zu einem Spielplatz. Fast täglich treffen sie sich hier, um gemeinsam zu toben, Fußball zu spielen, Roller oder Skateboard zu fahren oder die Straße mit bunter Kreide zu verzieren. Unter ihnen ist Aaron Jannik von Berg. Mit seinem roten Bobbycar flitzt der Fünfjährige über den Asphalt. Direkt hinter ihm läuft Danilo Laasch (6), der ihn kräftig anschiebt. Beide sind sichtlich vergnügt. Sie sind beste Freunde. Nichts Besonderes? Doch! Der Grund: Die Jungen sind ein Beispiel für eine gelungene Integration.

Aaron ist körperlich und teilweise geistig beeinträchtigt, Danilo indessen gesund. Trotzdem ist für sie der gemeinschaftliche Zeitvertreib normal. "Danilo zeigt keine Berührungsängste. Und wenn man beide so sieht, denkt man gar nicht mehr daran, dass Aaron krank ist", erzählt Aarons Mutter Clivia von Berg.

Ihr Sohn kam 2007 mit multiplen Zysten im Gehirn auf die Welt. Dabei handelt es sich Geschwülste, in denen sich Flüssigkeit ansammelt, wodurch sie die Gehirntätigkeit beeinflussen.

Im Alter von sechs Wochen musste sich Aaron deswegen einer Operation unterziehen. Weitere folgten, ebenso wie zahlreiche Therapien und physiotherapeutische Maßnahmen. Gegenwärtig muss er zweimal die Woche therapeutisch betreut werden. Denn neben den Zysten leidet Aaron unter Muskelschwäche. Zudem hat er Probleme mit dem Gleichgewicht. Im Alltag ist er auf einen Rollstuhl oder einen Gehwagen angewiesen. Nur beim Spielen tauscht er diese gegen sein geliebtes Bobbycar. Darüber hinaus weist der Fünfjährige autistische Züge auf. Diese Entwicklungsstörung erschwert Aaron den sozialen Umgang mit seinen Mitmenschen. Er braucht viel Zeit, um sich an neue Gegebenheiten und fremde Menschen zu gewöhnen. In den ersten Monate im integrativen Kindergarten in Sternberg hatte er sogar Angst davor, sich den anderen Mädchen und Jungen zu nähern. Doch das ist Vergangenheit. Mittlerweile genieße Aaron die Zeit in der Kindertagesstätte - auch dank der behutsame Betreuung der Erzieherinnen, berichtet von Berg. "Ich bin sehr zufrieden, wie es momentan in der Kita läuft", sagt sie.

Noch mehr freut sich die Mutter über die gute Beziehung ihres Sohnes zu dem sechsjährigen Danilo. "Er verhält sich führsorglich gegenüber Aaron, ist liebevoll, tröstet ihn, wenn er mal nicht so gut drauf ist, und nimmt ihn auch mal in den Arm. Er stellt sich ganz auf die Bedürfnisse von Aaron ein", erzählt sie. "Sie sind echte Freunde", so von Berg weiter.

Was so selbstverständlich scheint, bedarf viel Gefühl und Geduld. Denn Integration ist kein Selbstläufer. "Ein am Gehirn erkranktes Kind mit gesunden Kindern zusammenzubringen, ist nicht einfach. Man muss immer vermitteln. Das ist eine Herausforderung, aber auch eine Bereicherung", erklärt von Berg. So sucht sie bei Spiele-Nachmittagen den Kontakt zu anderen Mädchen und Jungen, erklärt ihnen Aarons Krankheit und wie sich diese auf ihn auswirkt. Damit räumt sie Bedenken aus und fördert gegenseitiges Vertrauen. Auf diese Weise sind nach und nach kleine Kinder-Freundschaften entstanden. Oder auch große, so wie zwischen Aaron und Danilo. "Ich glaube, Aaron ist ein glücklicher Junge. Er fühlt sich wohl, weil soziale Bindungen entstanden sind. Dafür bin ich dankbar", sagt sie, während sie dabei zusieht, wie ihr Sohn gemeinsam mit seinem liebsten Spielkameraden auf dem roten Bobbycar seine Runden auf der Wendeschleife in der Karl-Marx-Straße zieht.

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