Keez : Bekommen jetzt auch Fürsorge

Niclas hält in der Fundhundestelle in Keez Nelli, eine Jack-Russel-Dackelmischlings-Dame, auf dem Arm.
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Niclas hält in der Fundhundestelle in Keez Nelli, eine Jack-Russel-Dackelmischlings-Dame, auf dem Arm.

Ausgesetzter Rüde und beschlagnahmte Hündin warten – in Keez wieder aufgepäppelt – auf ein neues Zuhause.

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09. Juli 2015, 22:33 Uhr

„Wer Fränzel vorher gesehen hat, erkennt ihn nicht wieder“, ist Kerstin Westhoff von der Fundhundestelle in Keez überzeugt. Die Polizei hatte die  Bordeauxdogge  zwischen Brahlstorf und Brüel entdeckt und die Fundhundestelle informiert.

„Das war an einem Samstagmorgen vor vier Wochen. Der  Rüde war in einem erbärmlichen Zustand“, sagt Westhoff. Aus den Ohren sei eine schwarze Suppe aus Milben, Pilzen und Bakterien gelaufen, das rechte Trommelfell   hätten  Bakterien völlig zerfressen  gehabt, und von den  Zähnen voller Zahnstein wären nur noch die Spitzen erkennbar gewesen.  „Auf der Haut waren alle möglichen Tiere. Was dort lebte, war

lebendiger als der Hund selbst“,  sagt sie.  Auch ans Laufen sei nicht zu denken gewesen, und  es habe eine

offene Wunde vom Kratzen sowie Liegebeulen gegeben, „als wenn er in einem Stall gehalten wurde“, beschreibt die Keezerin.

Mit den ihr zur Verfügung stehenden Medikamenten hat Kerstin Westhoff den Vierbeiner am Wochenende behandelt und am darauf folgenden Montag in der Tierklinik vorgestellt. Mit einem hochdosierten Antibiotikum und weiterer Arznei, unter anderem gegen Parasiten, aber auch mit guter Betreuung und Pflege  gelang es, Fränzel für die wegen der Ohren nicht zu umgehenden Operation fit zu machen.  Der Hund einmal in Narkose, hat sich der Tierarzt auch dessen Zähne angenommen, zwei mussten gezogen werden, weil sie verfault waren.

„Fränzel  bekommt immer noch ein Antibiotikum  und Kortison. Er hat sich bei uns gut entwickelt. Durch Spaziergänge  hat er auch wieder Muskeln aufgebaut.“

Alles lief gut – bis der Fundhund  in der vergangenen Woche plötzlich zusammenbrach und hoch fieberte. In der Tierklinik  wurden Hodentumore festgestellt.  „Die Genesungsaussichten sind gut, wenn der Rüde kastriert wird“, sagt Westhoff. Diese Kosten müsste dann allerdings  der Verein Mecklenburger Fundhund übernehmen, so wie er schon  für die Zähne bezahlt hat, die zusätzlichen Fahrtkosten zur Tierklinik trägt oder für  das hochwertige Futter aufkommt, das Fränzel derzeit braucht. Doch ohne Spenden sei es fast unmöglich, dass der Verein das alles stemme.

„Mecklenburger Funhund“ hat sich im November 2011 gegründet, um den oft verwahrlosten oder kranken Hunden eine  optimale medizinische und  verhaltenstherapeutische Betreuung  zu ermöglichen. Nur mit dem Obolus, den die Fundhundestelle von Amts wegen pro Vierbeiner über eine begrenzte Zeit bekommt, wäre das nicht realisierbar. „Ich bin einfach nur bemüht, eine gute Lösung für den Hund zu finden“, begründet Westhoff.

Die Bordeauxdogge  ist ca. vier, fünf Jahre alt und könnte  jetzt schon vermittelt werden, weil die Kastration zeitnah erfolgen soll.  Die neuen Besitzer müssen wirkliche Liebhaber der Rasse sein,    stellt sie eine Bedingung.

Schon einmal vermittelt, nun aber wieder auf der Fundhundestelle ist die Jack-Russel-Dackelmischlings-Dame Nelli. Wie SVZ im März berichtet hatte, stammt Nelli aus einer Beschlagnahmung des kreislichen Veterinäramtes Ludwigslust-Parchim in der Gemeinde  Dobin am See. Ein neues Zuhause für Nelli fand sich  dann in Straßburg. Allerdings war die Hündin  nach nur einer Woche wieder in Keez. Die Eigentümer hatten sie – obwohl sie aus einem Telefonat wussten, dass Kerstin Westhoff an diesem Tag nicht in der Fundhundestelle war – entweder über den Zaun gesetzt oder dafür  das Schloss des Tores geöffnet.

 „Das ist für mich ein Aussetzen des Hundes, was ich beim Veterinäramt angezeigt habe“, sagt Kerstin Westhoff. Was, wenn der Vierbeiner  auf die Straße gelaufen wäre... So wartet auch Nelli „sie ist noch hübscher geworden“, jetzt wieder auf  Hundeliebhaber.

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