Sternberg : Bei Vollverpflegung zieht Ruhe ein

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Nach einem holprigen Auftakt finden die Sternberger Kita „Sonnenschein“, die Eltern und der neue Essensanbieter zusammen. Im Vorfeld gab es heftige Kontroversen.

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02. Juli 2015, 20:54 Uhr

Wie läuft es nach einem Monat? Die Kita „Sonnenschein“ hat am 1. Juni als eine der letzten Kindertagesstätten die Vollverpflegung eingeführt. Hauptgrund für die mit dem Landkreis abgestimmte Verschiebung von Jahresbeginn – wie vom Gesetzgeber gefordert – war der noch nicht beschlossene Haushalt der Stadt. Sternberg ist als einzige Kommune im weiten Umkreis Träger einer solchen Einrichtung. 21 Erzieherinnen betreuen aktuell 52 Krippen- und 74 Kindergartenkinder.

Der Vollverpflegung war eine teils heftige Kontroverse vorausgegangen. Der Elternrat und die im November 2014 gebildete Essenskommission monierten fehlendes Mitspracherecht – obwohl viel Mühe für eine Elternbefragung aufgewandt worden sei. Die Kommission warf der Stadt einen Alleingang vor und trat in der ersten Maihälfte „aufgrund großer Vertrauensprobleme“ zurück. „Eine Konzeption, die die Anfertigung des Essens unseren Kindern überträgt bzw. unterstützend von den Erziehern verlangt, können wir nicht mittragen“, hieß es schon vorher.


Wegen Spitzabrechnung neuer Essensanbieter


Hinzu kam mit uwm aus Demen ein neuer Essenanbieter. Dieser erledigt die Spitzabrechnung, nach der Eltern nur die vom Kind eingenommenen Mahlzeiten bezahlen und nicht pauschal für den Monat. Das DRK, aus dessen Küche bislang das Mittagessen kam, konnte das nicht leisten.

Die Wogen haben sich im Verlaufe des Monats geglättet. „Der Auftakt war wirklich holprig“, räumt Kita-Leiterin Andrea Moschinski ein. „Wie fast überall.“ Sie sieht als Knackpunkt, dass der Gesetzgeber über den Kopf der Eltern entschieden habe. „Wir haben bei unserem Verpflegungskonzept schon Erfahrungen aus anderen Einrichtungen einfließen lassen, waren auch in der DRK-Kita Am Berge, die seit längerem Vollverpflegung anbietet“, erklärt Moschinski.

Natürlich würden die Kinder kein Essen zubereiten, wohl aber herangeführt, den Tisch mit zu decken und sich Brot selbst zu schmieren. „Das ist nichts anderes als zu Hause. Wie sollte man ihnen erklären, dass sie das, was sie dort machen, in der Kita nicht dürfen. Wir wollen ergänzend zur Familie wirken“, so Moschinski. Wer noch nicht so weit sei, bekomme Hilfe. Dafür seien Erzieherinnen da, das gehöre zum pädagogischen Auftrag. Und was Befindlichkeiten in Sachen Hygiene betreffe: „Die Einrichtung wird ständig vom Landkreis kontrolliert.“

Großer Wert werde auf ausgewogene und gesunde Kost gelegt, von Joghurt und Quark über Gemüse bis zu mehreren Sorten Brot, um auch sämtliche Geschmackssinne auszuprägen. Und nach Milchreis zu Mittag gäbe es zur Vesper herzhaftes – oder umgekehrt. Küchenfrau Marina Holzmann von uwm habe inzwischen ein System gefunden. Sie kenne die Kinder, und die Absprachen mit den Erzieherinnen, wie viel Wurst oder Käse zum Beispiel gebraucht werde, klappten auch.

Das sei „soweit okay“, meint Marcus Möller. Ihn und Frau Marlen drücke derzeit mehr, dass wegen des Poststreiks Teilhabebescheide und Rechnungen fürs Essen nicht ankommen. E-Mails sollen nun helfen. Leon geht in den Hort, Finn und Selina in die Kita. Der Neunjährige findet das Essen jedenfalls „lecker“. Wie es Julian schmeckt, der jetzt drei wird, könne sie schlecht sagen, so Sabine Fleischer. „Aber beschwert hat er sich noch nicht. Sein großes Ding ist, selbst die Stullen zu schmieren. Das klappt gut und machen wir jetzt auch zu Hause.“ Salami und „Schoki“ liebe der Kleine. Lars Unterberg ist von dem, was uwm liefert, „nicht begeistert“. Er kenne das vom DRK besser. Selbst was zu schmieren, funktioniere bei Conner, auch fast drei, noch nicht so, „aber er lernt den Umgang mit dem Essen“, findet der Papa Morris Rehfeldt-Gutjahr gut.

Wir hoffen, dass jetzt alles so läuft wie letztlich gedacht und es keinen Anlass für Beschwerden gibt, sagt Elternratsvorsitzender Oliver Borat. „Doch wir haben jederzeit ein offenes Ohr und kümmern uns dann.“ Leider liege ihm noch kein vollständiges Konzept zur Vollverpflegung vor. Das sei in der Elternversammlung erläutert worden, doch schriftlich habe er bislang nichts in der Hand.

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