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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 04:47 Uhr

Gustävel/Wendorf : Bei Tieren gibt es keine Feiertage

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

In der Agrargenossenschaft Gustävel arbeiten Tierpfleger und Pflanzenbauer den Winter über gemeinsam im Stall. Die Rinder werden zweimal täglich versorgt.

svz.de von
erstellt am 27.Dez.2015 | 16:50 Uhr

Mähdrusch, Bodenbearbeitung, Grasmahd oder was noch auf und rund um Acker und Grünland der Agrargenossenschaft Gustävel anfällt, gehört zur Arbeit von Maik Kornalewski aus Müsselmow. Doch meist im November bis April, so lange bei den Mutterkühen und Färsen die Abkalbung andauert, wechselt er vom Feldbau in die Ställe. Schon seit 13 Jahren, wie er sagt; ebenso lange sind Weihnachten, Silvester und Neujahr Arbeitstage für ihn.

Cousin Fred Kornalewski, der in Demen wohnt, kennt das gar nicht anders. Er ist Meister für Rinderzucht und fürs Abkalben verantwortlich. Alle Tiere in den beiden Wendorfer Ställen, rund 430 hochtragende Mutterkühe sowie 70 Färsen, die ab März erstmals Kälber zur Welt bringen, sind durchseine Hände gegangen, mindestens einmal bei ihrer Geburt, viele öfter bei der weiteren Betreuung.

Fred und Maik Kornalewski versorgen die Rinder zweimal täglich mit Grassilage und Stroh. Letzteres enthält die für Wiederkäuer nötigen Rohfasern. Die Färsen bekommen tagsüber ein bisschen Kraftfutter dazu. Nach dem Abkalben gibt es zudem Maissilage. Die Mutterkühe verwöhne er gern mal, gesteht der 53-jährige Tierpfleger lächelnd. „Die Kälber kriegen dann über die Milch das Kraftfutter“, fügt er hinzu. Kuh und Nachwuchs bleiben drei Tage für sich, bis genug Mutterkontakt besteht und die Beiden sich in der Herde nicht verlieren. Nach zehn Tagen bedienen sich die Kälbchen auch am Futterautomaten, der nur für sie bestimmt ist. Die Tiere werden gleich nach Rasse und Geschlecht aufgeteilt. Der Agrarbetrieb hält mit Fleckvieh, Uckermärker und Charolais aus Frankreich drei Herdbuchrassen, dazu Hybriden. Bis zu 17 Herden entstehen, im nächsten Jahr wahrscheinlich noch eine mehr. In der werden die Tiere zusammengefasst, die aus gesundheitlichen Gründen für die Zucht ungeeignet sind und nicht mehr bedeckt werden. Das besorgen bei allen anderen Mutterkühen und Färsen 21 Zuchtbullen ab Mitte/Ende März. Die Tragezeit bei Rindern dauert etwa so lange wie die Schwangerschaft einer Frau. Die Abkalbung reicht von Mitte Januar bis Ende April, im zu Ende gehenden Jahr wegen einiger Nachzügler sogar bis Ende Mai. In der Regel bleiben gut 80 weibliche Kälber für die eigene Reproduktion im Betrieb, vereinzelt werden einige an Züchter verkauft und alle anderen zur Mast.

Was die Anzahl der Rinder betrifft, blickt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Ralf Toparkus sorgenvoll. Die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG), Immobilien-Dienstleister des Bundes, wolle nun auch verpachtete Niedermoorflächen verkaufen. Die Agrargenossenschaft bewirtschaftet mehrere; deshalb kämen die Mutterkühe Anfang November in den Stall und erst Ende April, „wenn wir Glück haben, eher Mitte Mai“, so Toparkus, wieder nach draußen. Die Niedermoorflächen seien in der Zeit einfach zu nass, und mineralische Böden gäbe es in dem Bereich zu wenig. Nur auf der Frühweide sei reiner Sand.

Von den rund 1800 Hektar, die die Genossenschaft bewirtschaftet, sei ein Drittel gepachtet. „Ein ganz schönes Paket“, sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Gehe durch die Privatisierung der BVVG davon etwas verloren, lasse sich der Rinderbestand nicht vollständig halten. Er erfordere Fläche „in einem ordentlichen Verhältnis“. Landwirte dürften im Interesse der Umwelt Effektivität auf den Feldern „nicht überdrehen“ und nicht nach dem Prinzip „reiche Väter, arme Söhne“ wirtschaften. Wie weit die Genossenschaft das Spiel der BVVG mitmachen könne, sei ungewiss. „Wir sind darauf angewiesen, was wir auf den Feldern und in den Ställen erwirtschaften.“ Dagegen würden Industrielle und andere außerhalb der Landwirtschaft steuerbegünstigt Agrarflächen zu immens gestiegenen Preisen kaufen können und angesichts der niedrigen Zinsen bei Geldanlagen reichlich davon Gebrauch machen. „Und die Politik unternimmt nichts dagegen“, ärgert sich Toparkus.

Zurück zum 1. Weihnachtstag: Als Fred und Maik Kornalewski früh die Tiere versorgen, bemerkt der Rinderzuchtmeister bei einer Kuh Vorzeichen einer Geburt. „Das könnte heute noch losgehen, ich werde am Nachmittag und Abend nachsehen.“ Doch erst einmal ist er zum Brunch ganz in Familie eingeladen. Maik Kornalewski freut sich schon auf die Ente zum Mittag, die wie immer die Mutter zubereitet. Und am Abend fährt die ganze Familie wie jedes Jahr zum Bowling nach Schwerin, und vorher wird gemeinsam schön gegessen.

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