Mustin/Ventschow : Bei der Wahl ist auch Sprechtag

Die Gemeindevertretung Mustin komplett als Wahlvorstand: Bürgermeister Berthold Löbel, Michael Kunst, Reinhard Kasten (hinten v.l.). Petra Löbel, Henry Barczewski und Britta Angeli (vorn v.l.).  Fotos: Rüdiger Rump
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Die Gemeindevertretung Mustin komplett als Wahlvorstand: Bürgermeister Berthold Löbel, Michael Kunst, Reinhard Kasten (hinten v.l.). Petra Löbel, Henry Barczewski und Britta Angeli (vorn v.l.). Fotos: Rüdiger Rump

In Mustin stellt die Gemeindevertretung komplett den Wahlvorstand und nimmt sich dabei auch der Anliegen von Bürgern an. Andrea Lange arbeitet sogar an ihrem Geburtstag im Ventschower Wahlvorstand mit.

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24. September 2017, 21:00 Uhr

Um die Mittagszeit kehrt das erste Mal etwas länger Ruhe ein. Bis dahin war im Mustiner Wahllokal immer Bewegung. Eine Frau aus Bolz habe Punkt 8 Uhr vor der Tür gestanden. Bürgermeister Berthold Löbel ist zufrieden. Bis 13 Uhr haben hier 133 Bürger ihre Stimme abgegeben. „Zusammen mit den Briefwählern sind wir jetzt schon über 50 Prozent. Die waren mein Mindestziel für die Bundestagswahl. Dafür brauchten wir 129 Wähler, das hatte ich vorher ausgerechnet. Und am Nachmittag kommen sicher noch einige dazu.“ Die Gemeinde, die aus fünf Dörfern mit sieben bis zu 120 Einwohnern besteht, hat insgesamt 343 Wahlberechtigte.

Seitdem Löbel im Jahre 2000 Bürgermeister wurde, genau am 28. Mai („Das Datum vergesse ich nie, das ist der Geburtstag meiner Frau.“), stellen die Gemeindevertreter und der Bürgermeister jedes Mal den kompletten Wahlvorstand; freilich mit Ausnahme der Kommunalwahlen, wenn sie selbst kandidieren. „Wir haben darüber gesprochen und geben den Bürgern am Wahltag auch die Gelegenheit, Fragen zu stellen oder Anliegen loszuwerden“, so Löbel. Das gehöre zu ehrenamtlicher Tätigkeit nun mal dazu, meint Britta Angeli. „Manches wird gleich diskutiert und so die Zeit am Wahlsonntag gut genutzt“, fügt der Bürgermeister an. In den Sitzungen der Gemeindevertretung gebe es kaum Resonanz durch Gäste. Nun wären die Gemeindevertreter auch alle anzutreffen. „Drei von uns sind im fliegenden Wechsel immer hier, manchmal auch vier, und zum Auszählen dann wieder alle“, sagt Löbel und muss auch erst einmal weg, weil „Leute von mir draußen arbeiten“.

Wobei die Gemeindevertretung diesmal nicht ganz vollzählig sei. Eines der Mitglieder liege im Krankenhaus. Doch dessen Frau hole ihn von dort kurz ab, damit der Mann seine Stimme abgeben könne.

Zeit für den „Sprechtag“ bleibe zwischendurch. Denn mit Zunahme der Briefwahl – Tendenz weiter steigend – würden weniger Bürger ihre Stimme im Wahllokal abgeben. In Mustin kämen die Briefwähler inzwischen auf einen Anteil von 12,5 Prozent, 43 hätten davon Gebrauch
gemacht.

Dass die Gemeindevertretung den Wahlvorstand bilde, liege auch daran, dass es immer schwieriger sei, Bürger als Wahlhelfer zu gewinnen. Das habe sich mit den Jahren noch verschärft, hat Löbel festgestellt. „Zur Kommunalwahl erklären sich noch paar Leute dazu bereit, aber die sind
immer schwerer zu finden.“


Am eigenen Geburtstag als Wahlhelferin


Im Ventschower Wahllokal, das sich in der ehemaligen Schule befindet, sei es zu Beginn „relativ schleppend“ gewesen, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Wahlvorstands Karla Giese. „Das war noch nicht so prickelnd“, könne sich aber ändern. Zum wievielten Mal sie im Wahlvorstand mitarbeite, wisse sie beim besten Willen nicht. „Ich habe nicht gezählt, war die letzten Jahre aber immer dabei. Wenn man in der
Gemeinde ehrenamtlich tätig ist, warum dann nicht auch hier?!“ Sie sei stellvertretende Vorsitzende des Ventschower Sportvereins und Sektionsleiterin Reiten, fügt die Frau aus dem Ortsteil Kleekamp hinzu. Jetzt im Wahllokal treffe sie auch viele, sagt Giese, die sie sonst kaum zu Gesicht bekomme, denn sie arbeite beim Zweckverband in Wismar,
fahre morgens los und sei den ganzen Tag über weg.

Viele Leute zu treffen, findet auch Andrea Lange „richtig gut“. Sie hat Geburtstag und arbeitet dennoch im Wahlvorstand mit, nun zum zweiten Mal. Geburtstag habe sie jedes Jahr, sagt die jetzt 39-Jährige lächelnd. Im Wahlvorstand habe das vorher aber niemand gewusst.

„Diesmal nicht einer der Ersten?“, wird Herbert Siggelkow empfangen. „Sonst ist um 8 Uhr meine Zeit, doch diesmal musste ich vorher woanders hin. Hauptsache, ich habe gewählt, das ist wichtig“, meint der 82-Jährige. Und Blumen für die ersten Wähler gebe es ohnehin nicht mehr.

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