Groß Raden : Begegnung mit den Vorfahren

Ein Wikinger-Zeltlager entstand über Nacht in Groß Raden und gab Einblicke in deren Alltagsleben. Fotos: Traudel Leske
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Ein Wikinger-Zeltlager entstand über Nacht in Groß Raden und gab Einblicke in deren Alltagsleben. Fotos: Traudel Leske

Mittelalterliches Lager zu Saisonbeginn / Ganzes Bundesgebiet vertreten / Hunderte Besucher wagten einen Blick in die Vergangenheit.

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08. April 2015, 17:07 Uhr

Groß Raden Rund 80 Neu-Wikinger und -Slawen aus dem gesamten Bundesgebiet  –  die Jüngsten unter ihnen waren Mila, 3, und Baby Tara 1,6 Jahre, deren Papa eigens einen Bollerwagen, quasi als Kinderwagen, gebaut hatte –  ließen in ihren Trachten über die Osterfeiertage auf dem Museumsgelände in Groß Raden ein mittelalterliches Lager entstehen.  Und gewährten so Hunderten von Besuchern eine Begegnung mit ihren Vorfahren bzw. einen Blick in die Vergangenheit. Damit wurde das Freilichtmuseum wieder einmal zum mittelalterlichen Handwerks- und Handelsplatz. Mit diesem viertägigen Spektakel eröffnete das Archäologische Freilichtmuseum in Groß Raden die Museums-Saison 2015. Die Besucher erlebten hier aber  nicht nur alte Handwerker-Techniken wie Schmieden, Färben, Filzen und Weben.

Angereist waren auch diesmal wieder Daniel Rosenfeld und Ben Schreiner aus Luxemburg. Die beiden Schmiede zeigten zum Beispiel das Schmieden eines Meißels. „Bei unserer Arbeit haben wir uns an  archäologische Funde angelehnt“, so Daniel Rosenfeld. Und Ben Schreiner kam ins Schwärmen. „Hier ist es wirklich sehr schön“, meinte er. „Wir kommen schon mehrere Jahre hierher. Es ist eine angenehme Location. Ein tolles Feedback. Man trifft Bekannte aus der Wikingerszene, Leute aus dem Norden.“ Und weiter: „Wir wollen unser Handwerk auf optische Art den Leuten näher bringen. Und die Kinder dürfen selber mitmachen.“  Ebenfalls aus Luxemburg kam Misch Meurin, der vor allem die Bearbeitung von Holz zeigte. Dabei waren diesmal aber auch Wikinger aus Bayern, Berlin und Holland.

An anderer Stelle luden die Museumspädagogen zum  Körbeflechten, Fladenbrotbacken, Nadelfilzen, Tonklapper-Eier-Formen nach slawischem Vorbild aus der Schatzkammer des Museums und anderem ein. Zudem konnten Eier mit Naturmaterialien gefärbt und mit Wachstechnik verziert werden. Beim Weidenkörbe-flechten trafen wir Christiane Groß und Tochter Paula aus Hamburg an. „Wir waren schon öfters hier“, erzählten beide, „und uns gefällt es jedes Mal sehr gut.“

Riccarda Schmidt war aus Erlangen angereist, „und das auch nicht zum ersten Mal. Uns gefällt vor allem, dass man alles selber ausprobieren kann. Und die Naturmaterialien finden wir besonders schön.“

Anja Wollner aus Wismar erzählte, dass sie schon als Kind viel hier war. „Es macht einfach Spaß“, schwärmte sie. Lea aus Schwerin übte mit Caro Schulze die Speck-steinbearbeitung. Und ruckzuck hatte sie kleine Hasen geschnitzt.

Und noch einen Spaß erlebten am Ostersamstag vor allem die Kinder unter den Besuchern. Denn sie wurden am Eingang zum Museum von einem echten Kamel begrüßt. Es war Kamelhengst Mustafa, der sich im Nachbarort Sternberger Burg angesiedelt hat und sich jetzt vorstellte. Ihn wird man wohl künftig des öfteren zu sehen bekommen.

Und wer Groß Raden kennt, der weiß, dass hier auch kulinarische Spezialitäten  angeboten werden. Zum Beispiel heißer Würzwein nach mittelalterlichem  Rezept, selbstgebrauter Met oder Wildschwein am Spieß. Zu haben waren auch frisch gebackenes Fladenbrot aus dem Lehmbackofen, das mit Schmalz und Wildkräutern vom Gelände bestrichen wurde.

Der große Kochkessel indes wurde von Manuela Huth und Andrea Beutin angeschmissen. In ihm bruzzelten zwei Hasen, die Imkerin Astrid Grigull gesponsert hatte. Hasengulasch sozusagen.

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