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Sternberg: Immer mehr Rentner auf Tafel angewiesen : "Bedürftige Senioren sind still"

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20 Prozent der Kunden der Sternberger Tafel sind Rentner. Der Anteil steigt. Gestern trafen sich in Sternberg erstmalig die Mitglieder der Landesarmutskonferenz.

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erstellt am 09.Okt.2012 | 10:15 Uhr

Sternberg | "Wir haben in jüngster Zeit deutlich mehr Senioren, die bei uns Lebensmittel abholen. Es ist schon traurig zu sehen, wie sie - meist in Begleitung von Bekannten - bescheiden in der Reihe stehen und dann still ihre Beutel in Empfang nehmen. Und das oftmals nach einem langen und schweren Arbeitsleben. Sieht man dann aber auf ihre Rentenbescheide, so muss man sich bei ca. 400 Euro im Monat über ihre Bedürftigkeit nicht mehr wundern", sagte gestern Rita Ziercke, Leiterin der Ausgabestelle in der Sternberger Tafel. Ihre Worte richtete sie an die Teilnehmer einer Mitgliederversammlung der Landesarmutskonferenz Mecklenburg-Vorpommern, die gestern erstmalig in Sternberg, in den Räumen der Tafel, zusammen kam.

Etwa 20 Prozent der Kunden der Sternberger Tafel seien derzeit Alters- oder Erwerbsminderungsrentner. Und die Tendenz sei steigend, schätzte Rita Ziercke ein.

Neben den Räumen der Sternberger Tafel besichtigten die Gäste auch die Räume der anderen Vereine im Bahnhof, der von einer Sternberger Firma saniert und 2008 den Vereinen zur kostenfreien Nutzung für 20 Jahre übergeben worden war.

Die Tagung in Sternberg diente der Vorbereitung der am 27. Oktober im Bützower Rathaus geplanten Beratung der Landesarmutskonferenz zum diesjährigen Jahres-Schwerpunktthema "Altersarmut". Dazu wurde in Sternberg u. a. ein Positionspapier diskutiert. Zu Beginn der Beratung begrüßte der Chef der Sternberger Tafel, Bruno Pischel, Mitglieder der Konferenz herzlich in den Räumen des Bahnhofs. Mit besonderem Interesse verfolgte Willi Grabow, Bundesvorstandsmitglied der Tafeln, den Ausführungen des Sternbergers, der u. a. von der Beschäftigung von vier Menschen im Bundesfreiwilligen-Dienst berichtete.

Irina Rimkus, Sprecherin der Landesarmutskonferenz MV, findet es bedenklich, wenn derzeit bereits zwei Prozent der mehr als 20 Millionen Rentner auf Grundsicherung angewiesen sind. Doch die Zahl der bedürftigen Rentner werde schrittweise weiter steigen, so ihre Befürchtung. Somit hätten sie dann zusammen mit Geringverdienern, Langzeitarbeitslosen, Teilzeitkräften, Minijobbern und Dauerpraktikanten am Ende ihres Berufslebens ein gemeinsames Schicksal zu teilen: Sie verbringen ihr Alter in Armut.

Zu den Teilnehmern der Mitgliederversammlung in Sternberg gehörten u. a. Vertreter des Landesseniorenbeirates, des Landesarbeitslosenverbandes, des Landesmieterbundes und der Selbsthilfe MV, des Dachverbandes zahlreicher Behindertenvereine.

Die Landesarmutskonferenz MV ist ein Forum von Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege, Gewerkschaften, Vereinen, Personen und Initiativen, die mit ihrer Arbeit dazu beitragen, Armut vorzubeugen, sie zu überwinden sowie von Armut betroffene und bedrohte Menschen zu unterstützen.

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