Warin : Bauvorhaben drohen hohe Hürden

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Nach neuem Landesraumentwicklungsprogramm Flächen ab 50 Bodenpunkte tabu / Glammsee soll Vorranggebiet für Naturschutz werden

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16. September 2015, 07:00 Uhr

Bei dem denkbaren Szenario bekommt Hans-Peter Gossel tiefe Sorgenfalten. Der Stadtvertreter und Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses war Anfang September im Schloss Bothmer auf einer Informationsveranstaltung zur Fortschreibung des Landesraumentwicklungsprogramms (LEP) und hat das Papier danach eingehend durchgearbeitet. „Je öfter man sich damit beschäftigt, umso mehr Kanten findet man“, so Gossel in der Sitzung der Stadtvertretung. Er wolle nicht auf denen herumhacken, doch bei einer Stellungnahme der Verwaltung sollte schon darauf eingegangen werden. Bis zum 30. September können Bemerkungen eingesandt werden. In dem Verfahren wird die Öffentlichkeit zweimal beteiligt. Nach Überarbeitung des ersten Entwurfs läuft gegenwärtig die zweite Stufe.

Als problematisch sieht der Wariner, dass Land ab einer Bodenwertzahl von 50 nicht mehr bebaut werden dürfe. Diese sehr guten Böden sollten der Landwirtschaft vorbehalten bleiben. Dagegen sei eigentlich nichts einzuwenden. Allerdings gelte das im Landkreis Nordwestmecklenburg für 90 Prozent der ausgewiesenen Flächen. Versiegelung sei durchaus erlaubt, etwa zum Bau eines Silos, weil das der landwirtschaftlichen Nutzung diene. „Rund um Warin leben wir auf fliegendem Sand, haben um die 25 Bodenpunkte. Die 35 bei Allwardtshof sind schon viel“, so Gossel. Anders würde es jedoch entlang der Landesstraße nach Ventschow aussehen. Dort erreiche der Bodenwert die 50er-Marke. Das bedeute, dass der lange geforderte und dringend benötigte Radweg nicht gebaut werden könnte, selbst wenn er in der Rangfolge wieder weit nach vorn, wo er schon einmal war, rücken würde. Für einen Radweg am Feldrand müsste erst ein so genanntes Zielabweichungsverfahren eingeleitet werden. „Wenn das Programm so durchgeht, ist die Fahrrad-Demo am 3. Oktober für die Katz“, meint Gossel nachdenklich.

Große Sorge bereitet ihm ebenso, dass der Glammsee Vorranggebiet für den Naturschutz werden soll. Den Vorhaben auf dem einstigen Krankenhausgelände könnten hohe Hürden drohen. Möglich, dass der Bootsverkehr auf dem See oder das Surfen eingeschränkt werde, alles andere als dienlich für eine Ferienhaussiedlung. Es sei zumindest mit strengen Auflagen zu rechnen, denkt Gossel. „Das riecht man“, wenngleich bislang alles offen sei. Doch der Stadt, die das Gelände loswerden und diesen Schandfleck beseitigt sehen wolle, sowie den Interessenten werde es sicher nicht leichter gemacht. „Das ist eine Investition von einer Million Euro, die Warin gut tun würde“, sagt Gossel. Dass noch ein Wanderweg rund um den Glammsee entsteht, wenn der Naturschutz Vorrang habe, bezweifle er auch, denn fünf bis zehn Meter des Uferbereichs gehörten zum See.

Für die Bürger könne auf längere Sicht kritisch werden, dass für Warin keine unterirdischen Trinkwasserschutzzonen um die Brunnen herum ausgewiesen seien. Das könne dazu führen, dass das Trinkwasser irgendwann „von sonst wo heran gepumpt“ werden müsse. Eine Verteuerung wäre dann kaum vermeidbar, befürchtet der Wariner. Um Wismar und Schwerin herum gäbe es solche Brunneneinzugszonen in Größenordnungen, selbst in Neukloster seien welche vorhanden, in Warin, Brüel und Sternberg dagegen nicht.

Als „weniger dramatisch“ sieht Gossel die Absicht, das das Waldgebiet vom Glamm- bis zum Labenzer See und Qualitz den Status als Vorbehaltsfläche erhält. Der lasse eine Bewirtschaftung zu, unterstreiche lediglich, dass dieses Gebiet für den Naturschutz wichtig sei. Viele Wälder würden ohnehin FFH-Gebiet sein, spezielle europäische Schutzgebiete, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) ausgewiesen wurden und dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Habitaten (Lebensraumtypen) dienen.

Ein wunder Punkt sind für Gossel allerdings noch die ländlichen Gestaltungsräume. Das Land sähe hier besondere Chancen für strukturell schwache Regionen und die stärkere Förderung von Grundzentren. Warin hat diesen Status. Diese ländlichen Räume sollen über Gemeindegrenzen hinweg gestaltet werden. „Das hört sich erstmal gut an. Doch das wird erstmals in Deutschland versucht. Ich habe was dagegen, dass wir Versuchskaninchen sind. Und weiter gedacht, wird damit die kommunale Selbstverwaltung ausgehebelt. Woher soll außerdem die Kohle dafür kommen“, gibt Gossel zu bedenken.

Die letzte Informationsveranstaltung von Industrie- und Handelskammer (IHK) und Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung findet am morgigen Donnerstag, 17. September, um 17 Uhr im Sternberger Rathaus statt. Schwerpunktthema sind ländliche Gestaltungsräume. Einer der beiden Referenten ist der Wariner Bürgermeister Michael Ankermann.


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