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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. September 2017 | 04:47 Uhr

Brüel : Baumhaus wie ein Bienenstock

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Am Roten See ist der zweite Abschnitt des Natur-Erlebnis-Spielplatzes fertig gestellt. An diesem Mittwoch soll er bei der Kindertagsfeier der Grundschule eingeweiht werden.

svz.de von
erstellt am 25.Mai.2014 | 19:04 Uhr

Das wird eine Gaudi – und lehrreich zugleich. Am
Roten See bei Brüel ist der zweite Abschnitt des Natur-Erlebnis-Spielplatzes „Bei den Bienen“ am Wochenende fertig gestellt worden. Es ist ein Baumhaus, finanziert durch die Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF). Sie hatte zu ihrem 50-jährigen Bestehen deutschlandweit einen Wettbewerb ausgelobt und fördert nun 50 Naturschutzprojekte. Der Imkerverein Sternberg und Umgebung erhält 2014 und 2015 insgesamt 4999 Euro für den Spielplatz.

Der erste Abschnitt ist Ende November vorigen Jahres eingeweiht worden. Dort wird das Kletternetz zur Wabengasse oder die Seilbrücke zur Bienenleiter. Die Nesthocker-Schaukel ist hier eine Bienenwiege. Und mit der Robinie, dem Bauholz für die Spielgeräte, kommt ein Bienenbaum zum Einsatz.


Bei einem Schotten in die Schule gegangen


Das Baumhaus ist Freitag und Sonnabend fachmännisch durch die Firma Baumleben aus Hameln entstanden, eine von drei, „die das in Deutschland machen“, wie Uwe Vöckener sagt. Seinen Ein-Mann-
Betrieb gäbe es seit 2004. Er habe keine fest angestellten Mitarbeiter, weil er die zum Winter entlassen müsste. In acht, neun Metern Höhe könne niemand bei Frost arbeiten oder wenn der Baumstamm glitschig sei. Er beschäftigt zeitweilig freie Mitarbeiter, die in anderen Firmen angestellt seien oder selbst eine hätten. Antony Smith, den er jetzt in Brüel an seiner Seite hatte, sei sein „längster dauerhafter Mitarbeiter“, schon seit 2008. Er studiert Bauingenieurwesen. Den Sommer über lasse sich beides gut vereinbaren, meint der junge Mann, der einen englischen Vater hat.

Wie bei so mancher Firmengründung ging auch der von Uwe Vöckener ein Zufall voraus. Seine älteste Tochter, seinerzeit sechs Jahre, wünschte sich ein Baumhaus. Wenn, dann schon richtig, habe er sich gesagt. „Doch zu der Zeit gab es in ganz Europa nur eine professionelle Firma auf diesem Gebiet. Und die gehörte Richard Harris, einem Schotten. Inzwischen ist er im Ruhestand, hat zuletzt aber noch ein großes Projekt für das britische Königshaus gemacht.“

Vöckener, der aus der Holzverarbeitung kam, arbeitete vier Wochen „umsonst“ bei dem Fachmann in Schottland und schaute sich ab, was er brauchte. Ein Kernpunkt sei, das Haus am Baum zu befestigen, ohne ihn zu schädigen. Und der zweite, das Dach dicht zu bekommen, wenn Stämme hindurchgehen. Dafür sei eine Schürze entwickelt worden, die am Baum befestigt ist und bei dessen Bewegungen mitgeht. Über diese Schürze laufe Wasser von oben ab.


Zum Anfang dreimal das Dach gedeckt


„Zwei Jahre habe ich für das erste Baumhaus gebraucht, das Dach dreimal gedeckt. Als es 2004 fertig war, dachte ich auch noch nicht an Firmengründung. Doch dann kam der Postbote und sagte, dass er
sowas auch gern hätte“, erzählt der Hamelner. Er habe das Baumhaus dann ins Internet gestellt und – als reihenweise Aufträge kamen – mit einem Tischlermeister die Firma gegründet. Die Tochter, die damals „die Initiatorin“ gewesen und dieser Tage 18 geworden sei, arbeite zuweilen auch mit.

Zwei Jahre später habe ein Bremer Architekt die nächste Firma in Deutschland gegründet. „Er baut moderne, exklusive Baumhäuser und ist weltberühmt geworden. Wir kommen uns überhaupt nicht ins Gehege“, so Vöckener. Er baue „im figürlichen, formenhaften Stil, wie sich Kinder ein Hexenhaus vorstellen oder in dem eine Prinzessin wohnt“. Auf einem Schulhof in Hamburg habe er eine Art Baumhaus aufgestellt. Eine Platane gehe mittendurch, aber es stehe auf Stahlstützen. Der nächste Auftrag sei ein Baumhaus an der Mosel, das in einen Hang hinein aufgeständert und Alterswohnsitz für ein Seniorenpaar werde. „Ältere Leute, von denen einige ihre Enkel vorgeben, erfüllen sich damit einen archaischen Traum, ihren Kindertraum“, so Vöckener.


Wie bei Einflugschneise durch eine Luke


Das am Roten See sei kein klassisches Baumhaus, denn es hänge weder in den Bäumen noch gehe ein Stamm hindurch. Doch die Bauweise passe. Es steht auf Ständern am Hang und soll einen Bienenstock simulieren. Wie Insekten bei ihrer Einflugschneise kriechen die Kinder durch eine Luke hinein. „Das soll alles schön spannend sein“, sagt der Bauchef. Drinnen gibt es eine Plattform, die den Raum zwischen Arbeitsbienen und Königin abtrennt. Durch die kleine Öffnung dort können sich auch nur Kinder zwängen. Alles besteht aus unbehandeltem Fichtenholz. „Da es nicht ständig mit Feuchtigkeit in Berührung kommt, hält das mindestens 30 Jahre. Das Holz wird nur mit der Zeit grau“,
erklärt der Fachmann.

Am Mittwoch wird das Baumhaus eingeweiht. Besser könnte es kaum passen: Der 28. Mai ist der internationale Weltspieltag.

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