Warin/Trams : Bauern treten für Dialog ein

Daniel Bohl gehört zu den Rednern in Berlin nach dem Motto „Wir machen Euch satt!“
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Daniel Bohl gehört zu den Rednern in Berlin nach dem Motto „Wir machen Euch satt!“

Daniel Bohl vom Wariner Pflanzenbau spricht auf dem Treffen von Landwirten aus ganz Deutschland am Sonnabend in Berlin: Wir gehen sorgsam mit dem Boden um. Das Motto lautet „Wir machen Euch satt – redet mit uns statt über uns“.

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14. Januar 2016, 21:24 Uhr

Felder werden überdüngt, so dass Grundwasser, Flüsse und Seen belastet werden, Monokultur und hier vor allem Mais richtet den Boden zugrunde, Rinder, Schweine und Geflügel müssen meist in viel zu großen Ställen ihr Dasein fristen – die Bauern bekommen von allen Seiten Schelte. Viele Klischees und Vorwürfe seien jedoch unberechtigt, findet Daniel Bohl aus Büschow, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Wariner Pflanzenbau eG mit Sitz in Trams. „In der Landwirtschaft ist sicher nicht alles gut, es ist aber auch nicht alles schlecht; in den vergangenen Jahren hat sich vieles zum Besseren getan.“ Darüber möchten die Landwirte mit Verbrauchern und Kritikern in einen offenen Dialog treten, wie es zu einem Treffen am Sonnabend um 9.15 Uhr auf dem Washington-Platz am Berliner Hauptbahnhof heißt.


Seit Jahren unter zulässigen Grenzwerten


Bohl gehört zu den Teilnehmern aus ganz Deutschland und wird dort als Vertreter eines großen Landwirtschaftsbetriebes in den neuen Bundesländern sprechen ebenso wie eine Biobäuerin aus dem Allgäu oder ein Produzent von Schweinefleisch. Bei der Premiere vor einem Jahr, die auf Initiative von drei Landwirten aus Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen zu Stande kam, seien es rund 1000 Teilnehmer gewesen. Diesmal rechnet der Büschower mit „deutlich mehr“.

Wer nicht von sich aus Wert auf nachhaltige Landwirtschaft lege, werde durch strengere Auflagen dahin gelenkt. Kritikern gehen die nicht weit genug, doch chemische und biologische Prozesse brauchten Zeit. Stichwort Stickstoff, von dem Nitrat eine Form ist. Der zulässige Nährstoffüberschuss sei innerhalb eines Jahrzehnts von 90 Kilogramm pro Hektar fast halbiert worden. Derzeit gelten 60 Kilogramm, in der neuen Düngeverordnung, die voraussichtlich zum Jahresende in Kraft trete, nur noch 50 Kilogramm. Bei der Nährstoffbilanz, die jeder Betrieb jährlich erstellen müsse, werde gegengerechnet, wie viel mineralischer und organischer Dünger auf den Acker gekommen und wie viel geerntet worden sei. Bei Stickstoff gelte ein dreijähriger Durchschnitt, weil die Erträge schwankten. Eine Bilanz um Null sei nicht möglich, weil Stickstoff nicht nur die Pflanzen benötigen, sondern auch die Organismen im Boden, etwa Bakterien, wenn sie eingearbeitetes Stroh zersetzen. Der Wariner Pflanzenbau liege seit Jahren unter den zulässigen Grenzwerten, betont Bohl, 2014 mit lediglich 28 Kilogramm Nährstoffüberschuss pro Hektar, im dreijährigen Mittel mit 48 Kilogramm. „Wir haben schon erreicht, was in Zukunft gefordert wird“, sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende. „Natürlich muss man sich ständig Gedanken machen, die Nährstoffe sinnvoll einzusetzen. Zumal Dünger Geld kostet, ein Kilogramm Stickstoff derzeit knapp ein Euro.“

Dieser sei zur Humusbildung und bei Brotweizen für den Eiweißgehalt notwendig. Wenn der nicht stimme, sei es kein Brotweizen mehr, sondern lediglich Futtergetreide. Ihre Humusbilanz, die 1963 ein Minus von 120 Kilogramm pro Hektar auswies, konnten die Wariner in den 1980er-Jahren ausgleichen und dann deutlich ins Plus bringen (1995: 125 kg, 2014: 152 kg).

Das Ausbringen des Düngers werde zielgenau über GPS gesteuert. Gegebenenfalls verringere der Bordcomputer die Streubreite sogar stufenweise, um Überlappungen zu vermeiden. Als Vorlage dienten Streukarten mit Düngeempfehlungen, die auf Bodenuntersuchungen beruhten. Diese erledige ein Dienstleister anhand der Fruchtfolge für die nächsten fünf Jahre und des voraussichtlichen Nährstoffentzugs.

Die Bilanz von Phosphat, das in Gülle enthalten sei, pendele seit Jahren um Null herum, erklärt Bohl. „Ich kann voll verantworten, was wir ausbringen. Das belastet das Grundwasser nicht.“ Andere mit hohem Tierbestand hätten wohl eher Probleme. Der Pflanzenbaubetrieb verwertet Gülle der Wariner Schweinemastanlage in seiner Biogasanlage, für die er jährlich 450 bis 500 Hektar Mais anbaut. Dem stünden 600 bis 700 Hektar Weizen und 500 Hektar Raps gegenüber. „Wir gehen sorgsam mit dem Boden um“, so Bohl. „Wenn Vorwürfe angebracht sind, möchten wir gern darüber sprechen.“ Bei manchen Kritikern entstehe allerdings der Eindruck, dass sie auf sachliche Gegenargumente keinerlei Wert legten. Umso mehr wollen die Bauern am Sonnabend in Berlin Zeichen setzen unter dem Motto „Wir machen Euch satt – redet mit uns statt über uns“.

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