Warin : Bauer räumt mit Vorurteilen auf

Mais in der Wariner Stadthalle: Wolf-Dietmar Vetter hat Anschauungsmaterial mitgebracht.
Mais in der Wariner Stadthalle: Wolf-Dietmar Vetter hat Anschauungsmaterial mitgebracht.

Maisanbau rund um Warin im Blickpunkt: Landwirt Wolf-Dietmar Vetter informierte über die Hintergründe.

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11. März 2018, 21:00 Uhr

Überall Mais? Zumindest auf den Feldern der Wariner Pflanzenbau-Genossenschaft täuscht dieser Eindruck. Wolf-Dietmar Vetter, der Vorsitzende des Landwirtschaftsbetriebes, setzte sich bei einem Vortrag in der Wariner Stadthalle mit Fragen nach Mais-Monokultur, Biogasanlagen, Überdüngung, Pestiziden, Glyphosat auseinander.

Mais ist nur die dritt- bis viertgrößte Kultur auf den Äckern um Warin, rechnete Vetter vor. Der Anteil liegt in seinem Betrieb bei 17 bis 18 Prozent. Doch woran liegt der Eindruck vieler Menschen, dass überall nur Mais angebaut werde? Möglicherweise an den im Vergleich zum Getreide riesigen Pflanzen, die wie eine hohe Wand wirken können? Und daran, dass der Mais noch dann auf den Feldern steht, wenn andere Kulturen bereits abgeerntet sind? Vetter: „Mais ist optisch dominant.“

Es gibt allerdings auch einen Betrieb in der Region, der mittlerweile von Rindern vollständig auf Biogas umgestellt hat und deshalb weit mehr Mais anbaut, war in der Wariner Stadthalle zu hören. Hierfür würde der Maisanbau auf maximal drei Viertel der Flächen erfolgen, sagte die Betreiberin.

Der von so manchem verdammte Mais spielt in der Ernährung der Weltbevölkerung eine entscheidende Rolle. Und er hat viele Vorteile, wie Vetter erläuterte: Die Pflanzen brauchen wenig Stickstoff, wenig Pflanzenschutz, wenig Wasser. Ihr Nachteil: Sie sind humuszehrend.

In Deutschland hat der Anbau von Mai ab den 1950er-Jahren dazu beigetragen, die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen. Mais habe die Fleischproduktion ermöglicht. Und damals auch zur Abschaffung der Lebensmittelmarken in Ostdeutschland beigetragen.

Mais als Futter – das war auch der Grund, warum in Warin bereits in den 1960er-Jahren auf acht Prozent aller Felder diese Pflanze wuchs. Es gab früher auf dem Territorium der Stadt Warin 1500 Rinder, darunter 900 Kühe. Heute gebe es hier keine Kühe mehr, so Vetter. Der jetzt angebaute Mais dient als „Futter“ für drei Biogasanlagen, die von der Strommenge die Stadt Warin versorgen könnten.

Solche Biogasanlagen haben in Zukunft allerdings nur noch eine Berechtigung, weil sie auch zu Zeiten kontinuierlich Strom produzieren können, wenn Solar- und Windkraftwerke nichts liefern, war sich die Diskussionsrunde in Warin einig.

Nicht gerade glücklich, so schien es am Freitagabend, zeigte sich Landwirt Vetter über den Abschied vom Unkrautvernichter Glyphosat. Die hiesigen Landwirte seien sehr verantwortungsbewusst damit umgegangen, allerdings wurde weltweit damit Schindluder getrieben. „Glyphosat ist tot“, so Wolf-Dietmar Vetter. „Wir verlieren in der Landwirtschaft eines der fortschrittlichsten Mittel, das wir hatten.“ Alle, die früher einmal Rüben gehackt haben, würden übrigens Herbizide lieben, sagt der Landwirt.

Wolf-Dietmar Vetter verwies auch auf die Verantwortung der Landwirte angesichts der Gefahr von Nitratbelastungen im Trinkwasser. Und er hatte eine gute Nachricht: In Mankmoos gibt es eine offizielle Messstelle. Auf den Feldern darüber wird seit langem Mais angebaut und Gülle ausgebracht. Die Nitratwerte im Grundwasser liegen unterhalb der Nachweisgrenze, so Vetter.


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