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Holzbaukunst aus dem Erzgebirge in Schlowe wieder aufgebaut : Bastler hauchen Pyramide Leben ein

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Die Hobbybastler Manfred Lutze und Harald Lunzer aus Schlowe haben einer 40 Jahre alten Pyramide aus dem Erzgebirge neues Leben eingehaucht.

svz.de von
erstellt am 21.Dez.2012 | 06:09 Uhr

Schlowe | Ein altes Damenrad und ein Betonmischermotor verhalfen ihr zu neuem Leben: Mehr als 40 Jahre hat die alte Außen-Holzpyramide in Schlowes Dorfmitte auf dem Buckel. Einst repräsentatives Meisterstück für die Holzbaukunst des Erzgebirges zierte sie das Ferienlager vom "DKK Scharfenstein", heute "Haus am Walde" in Borkow. Als dieses nach der Wende verkauft wurde, blieb die Pyramide einfach stehen. Die drei Holzfiguren, ein Jäger, eine Holzsammlerin und ein Pilzsucher, standen verlassen auf ihrer Drehscheibe in einer Hofecke und waren dem Wetter ausgesetzt. Längst drehte sich hier nichts mehr.

Manfred Lutze aus Schlowe barg die etwa drei Meter hohe und zwei Meter breite Außendekoration. In dem nächsten Jahrzehnt baute er sie zur Weihnachtszeit auf seinem Grundstück in Schlowe auf. Doch der Zahn der Zeit nagte am Getriebe aus geöltem Eichenholz, welches schließlich im Jahr 98 seinen Dienst versagte. Pilzsucher, Jäger und Holzsammlerin blieben eingelagert. Ab und zu stolperte Manfred Lutze über die Figuren von der Größe eines Kleinkindes. Aber wegwerfen konnte er das hölzerne Kleinod nicht.

Mit Nachbar Harald Lunzer betrauerte er die Pyramide - und dann packte es die beiden Hobbybastler: "Wir versuchen es und bauen die Pyramide wieder auf", so ihr Entschluss in diesem Herbst. Das alte Rad von Manfreds Mutter lieferte Räder und Getriebekette, ein Keilriemen und der Motor eines Betonmischers vervollständigten die Konstruktion.

"Den Motor mussten wir von 1300 Umdrehungen auf 6 drosseln, sonst heben die Figuren ja ab", erklärt Harald Lunzer. "Jeder Schlosser würde lachen", weiß er "doch das Wichtigste ist, dass sie sich wieder dreht."

Nach mehreren Anläufen und etwas Tüftelei haben sie jetzt die richtige Idee, wie die Pyramide störungsfrei die nächsten Weihnachtseinsätze überstehen wird. Holz kommt im Getriebe nicht mehr zum Einsatz: Edelstahlschrauben und eine Abdeckung aus PVC-Scheiben machen das Stück jetzt witterungsbeständig.

Glänzende Tradition: Die Pyramide soll wieder jedes Jahr aufgebaut werden. "Das ist der Plan", bestätigt Manfred Lutze. Ihren Figuren haben sie in diesem Jahr nicht nur neues Leben eingehaucht, sondern ihnen mit Farbe eine kleine Schönheitskur verpasst. Beim Bemalen der ehemals farblosen Holzfiguren achteten sie auf gedeckte Farben, die zum Wald passen. "Wir haben uns extra noch mit dem Förster beraten", so Lunzer. Die Arbeit hat sich gelohnt.

In festlichem Glanz erstrahlt das Prunkstück nun in Harald Lunzers Garten. "Mein Grundstück ist ja genau in der Mitte des Ortes", so hat jeder was davon. Es erstaune ihn, wie viele Menschen vorbei kommen, um die Pyramide zu sehen. Der Zaun gebe deshalb doch etwas Sicherheit, dass ihrem guten Stück nichts passiere, sagt der Einwohner mit den meisten Nachbarn. Es sind elf! Dank Zeitschaltuhr begeben sich Jäger, Pilz- und Holzsammlerin pünktlich um 16.30 Uhr auf Wanderschaft, als Mittelpunkt eines kleinen Dörfchens, umgeben von Wald und ein bisschen wie im Erzgebirge.

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