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Sternberger Steg-Desaster : Badesteg: Rückbau kann beginnen

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Wegen statischer Probleme durch eine fehlerhafte Planung, darf die 2012 komplett erneuerte Steganlage in Sternberg nicht freigegeben werden. Die Mängel sind so groß, dass sie sogar abgerissen werden muss.

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erstellt am 11.Jun.2013 | 10:07 Uhr

Sternberg | Tagelang sonniges Wetter, Landwirte und Kleingärtner wünschen sich schon ein wenig Regen; im Sternberger Strandbad zeigt das Thermometer gestern am frühen Nachmittag 25 Grad im Schatten, in der Sonne deutlich mehr. Die Wassertemperatur dürfte mittlerweile auch so angestiegen sein, dass sie zum Baden einlädt. Doch die Liegewiese ist verwaist; kein Wunder, der Bauzaun, der hier seit knapp zehn Monaten steht, versperrt weiterhin den Zugang zum See.

Wegen statischer Probleme, die auf eine fehlerhafte Planung zurückzuführen sind, darf die 2012 komplett erneuerte Steganlage nicht freigegeben werden. Noch schlimmer: Die Mängel sind so gravierend, dass sich ein Rückbau notwendig macht (wir berichteten); im Volksmund drastischer ausgedrückt, der Murks muss abgerissen werden. Doch von heute auf morgen ist so etwas nicht möglich. Weil es um einen Versicherungsfall geht, mit dem sich Anwälte beschäftigen, wurde ein Schiedsgutachten eines unabhängigen Sachverständigen vereinbart. Erst nachdem das nun bei einem Vor-Ort-Termin alle beteiligten Seiten akzeptiert haben, darf Hand angelegt werden. "Es nervt fürchterlich, dass sich das so lange hinzieht, doch uns als Stadt waren bis dahin die Hände gebunden", macht Bürgermeister Jochen Quandt aus seinem Ärger keinen Hehl. "Doch uns nützen jetzt keine Schuld zuweisungen. Nachdem das Gutachten endlich anerkannt ist, müssen alle an einem Strang ziehen."

Morgen soll die Absprache mit dem Handwerksbetrieb, der den Badesteg nach den planerischen Vorgaben montiert hat, über Details erfolgen, kündigt der Bürgermeister an. Er rechne damit, dass der Abriss dann schnell vonstatten geht. Die Handwerker brauchten keine Rücksicht auf das eingesetzte Material zu nehmen, da dies nicht wiederverwendet werde. Die Mängelbeseitigung erfolge in der klassischen Holzvariante, erklärt Quandt. Es müssen die Brückenkon struktion und der Belag komplett ausgetauscht sowie einige Pfahlköpfe erneuert werden. Für die Stadt ohne Mehrkosten, wenn beim zweiten Anlauf nichts gegenüber dem ursprünglichen Auftrag verändert werde.

Dabei sollte das verwendete Relumat, ein Wasser abweisendes Recycling material von einer Firma aus dem Erz gebirge, Reparaturen an der Steganlage oder gar eine erneute Sanierung auf lange Sicht überflüssig machen. Es gilt im Vergleich zu Holz als deutlich langlebiger. Der Kunststoff wird besonders dort verbaut, wo eine ständige Berührung mit Wasser vorkommt, oder auch im Dünen bereich bei ähnlich starker Beanspruchung. Relumat wurde beispielsweise in Blankenberg zu bislang voller Zufriedenheit verwendet, allerdings in bedeutend geringerer Spannweite als jetzt in Sternberg. Hier sind die Längsträger durch gebogen, bei genauerem Hinsehen sogar mit bloßem Auge erkennbar. Mit kosmetischen Korrekturen wäre nichts getan.

Sobald der Badesteg bis auf die Pfähle entfernt ist, will die Stadt den Nichtschwimmerbereich eingeschränkt öffnen. "Wir haben mit unserer Versicherung geklärt, unter welchen Bedingungen wir das Strandbad freigeben können", sagt der Bürgermeister. Die Brücke sei dann definitiv verschwunden, der Teil für Nichtschwimmer werde deutlich erkennbar von den verbleibenden Pfählen abgesperrt. Zu den Hauptzeiten sei dann der Einsatz eines Rettungsschwimmers vorgesehen. Dieser werde in diesem Jahr wohl hauptsächlich ein Auge darauf haben, dass niemand die Absperrung umgeht oder auf die Pfähle klettert. Möglichkeiten, für Schwimmer einen Zugang zum See zu schaffen, eventuell über einen kleinen Schwimmsteg mit Badeleiter, würden derzeit geprüft.

Bürgermeister Quandt kann das ganze Dilemma noch immer kaum glauben. "In den mehr als 20 Jahren, in denen ich im Amt bin, hat Sternberg über 50 Millionen Euro verbaut. Und nun geht bei einem Objekt von 180 000 Euro alles schief, was nur schiefgehen kann", sagt er kopfschüttelnd. Einziger Lichtblick: Da das Gutachten akzeptiert wurde, könne jetzt gehandelt werden. Müssten erst Gerichte entscheiden, wäre kein Ende abzusehen und die unbrauchbare Steganlage die Badelustigen noch viel länger ärgern.

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