Holzendorf/Sternberg : Autounfall gibt weiter Rätsel auf

Die Unfallstelle bei Holzendorf zeigte ein Bild der Verwüstung, aber die Insassen waren verschwunden.
Die Unfallstelle bei Holzendorf zeigte ein Bild der Verwüstung, aber die Insassen waren verschwunden.

Der Halter des verunglückten Audi A 8 meldet sich bei der Polizei, schweigt aber zum Hergang. Die Rettungshundestaffel Nordelbe war mit fünf Teams vor Ort.

von
11. September 2017, 21:00 Uhr

Der schwere Verkehrsunfall am Sonntagmorgen nahe Holzendorf, bei dem die Einsatzkräfte keine Personen antrafen (wir berichteten), gibt weiter Rätsel auf. Einer der Insassen meldete sich am Montagvormittag bei der Polizei in Sternberg. Es handelt sich um den 37-jährigen Halter des Audi A8. Er gab an, in dem Wagen gesessen zu haben, aber nicht gefahren zu sein. Da er medizinische Behandlung benötige, werde er einen Arzt aufsuchen.

Kurz darauf bekamen die Beamten von der Rettungsleitstelle in Schwerin die Information, dass der Mann per Rettungswagen in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, weil sich sein Gesundheitszustand so weit verschlechtert habe.

Auch wenn der Halter zugab, dass er im Auto gesessen habe, schwieg er zu dem Vorfall und möglichen weiteren Insassen. Auf Grund der Spurenlage geht die Polizei aber weiterhin von zwei Personen aus. Wer gefahren ist oder auf dem Beifahrersitz saß, müssen die Ermittlungen ergeben. „Die Kriminalpolizei ist mit der Auswertung der Spuren noch nicht fertig“, so Klaus Wiechmann von der Polizeiinspektion Ludwigslust.

Beide Airbags hatten ausgelöst, und auf ihnen war Blut zu sehen, so das sofort zwei Insassen vermutet wurden, die aber nirgends auffindbar
waren. Deshalb wurde eine Suchaktion mit Hubschrauber und Rettungshunden gestartet. „Wir wurden 8.15 Uhr alarmiert und brauchten etwa anderthalb Stunden bis zum Unfallort“, sagt Fred Schmedemann, Mitglied der BRH Rettungshundestaffel Nordelbe e.V., am Montag bei unserer telefonischen Nachfrage. Die Gruppe aus knapp 20 Ehrenamtlichen kommt Länder übergreifend zum Einsatz, in MV in den Landkreisen Nordwestmecklenburg und Ludwigslust-Parchim. Es gebe eine zweite Staffel im Land, die mit angefordert werde, wenn mehr Hunde gebraucht würden, erklärt Schmedemann, der in Herrnburg zu Hause ist.

In der Regel erfolge die Alarmierung über das Polizeipräsidium Rostock, am Sonntag sei das aber direkt durch das Polizeirevier Sternberg, zu dem bereits Kontakte bestanden, geschehen. An der Aktion beteiligten sich fünf Teams, die jeweils aus Rettungshund, Rettungshundeführer und Suchtrupphelfer bestehen. Zudem waren Zugführer Matthias Bernhardt und Gruppenführer vor Ort, die gemeinsam mit der Polizei die Einsatzgebiete bestimmten und die Zusammenarbeit koordinierten, so Schmedemann.

Am häufigsten würden Menschen gesucht, die dement sind und in Pflegeeinrichtungen, Fachkliniken oder ihrem häuslichen Umfeld vermisst werden. Für Einsätze wie jetzt kämen hauptsächlich zwei Gründe in Frage: Ein Straftäter sei geflüchtet oder jemand habe sich unter Schock vom Unfallort entfernt, sei umher geirrt, möglicherweise irgendwo zusammengebrochen und brauche dringend Hilfe. Letzteres könne bedeuten, Leben zu retten. „Wir wissen nicht, was nach so einem Unfall passiert ist“, sagt Schmedemann.

Das angrenzende Waldgebiet bei Holzendorf sei in etwa 30 000 Quadratmeter große Sektoren aufgeteilt worden. Die arbeite ein Rettungshund in 20 bis 30 Minuten ab. „Die Hunde laufen frei, also ohne Leine, und suchen selbstständig. Sie sind so trainiert, dass wir ausschließen, dass bei einem der Jagdinstinkt durchkommt und er Wild verfolgt“, sagt Schmedemann. Sei man sich bei einem Hund noch nicht völlig sicher, werde der nicht im Wald eingesetzt.

Die Rettungshundestaffel sei am Sonntag bis 17.45 Uhr im Einsatz gewesen. „Zwischendurch haben wir das Ergebnis einer polizeilichen Maßnahme abgewartet, bevor entschieden wurde, noch ein anderes Gebiet abzusuchen.“ Erfolgreich sei eine Suchaktion natürlich vor allem dann, wenn die betreffende Person gefunden wurde. „Für uns war sie aber auch erfolgreich, wenn wir mit Bestimmtheit sagen können, dass in dem Gebiet niemand ist, der Hilfe braucht, und die Polizei andere Maßnahmen einleiten kann“, betont Schmedemann. Jährlich seien es 15 bis 20 Einsätze, „fürs Ehrenamt eine ganze Menge“. Und alle, die den ganzen Sonntag in Holzendorf waren, seien gestern wieder auf Arbeit gewesen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen