zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. November 2017 | 21:40 Uhr

Feuerwehr-Oldtimer : Auto der Mustiner Wehr ist von 1967

vom

Beim Mustiner Feuerwehrauto handelt es sich um einen Oldtimer. Um unter diese Kategorie zu fallen, muss das Gefährt 25 Jahre und älter sein. Und damit ist es noch längst nicht die älteste Feuerwehr im Einsatz in MV.

svz.de von
erstellt am 05.Jul.2013 | 07:22 Uhr

Mustin | Beim Mustiner Feuerwehrauto handelt es sich um einen Oldtimer. Um unter die Kategorie zu fallen, muss das Gefährt 25 Jahre und älter sein. Und dies schafft das in Mustin mal locker. Der Mercedes Benz ist nämlich Baujahr 1967 und war einst irgendwo im westlichen Teil des Südharzes im Einsatz. Von der Parchimer Firma Brandschutztechnik Frank Lampe, die sich auf die Aufmöbelung von Feuerwehr-Veteranen spezialisiert hat, erwarben die Mustiner das Fahrzeug laut Bürgermeister Berthold Löbel "im Mai 2000".

Michael Kunst, der 2. Wehrführer in Mustin, vermutet, dass "sein" Benz "der älteste in Mecklenburg-Vorpommern ist". Doch weit gefehlt! "In Schönberg ist eines von 1962 im Einsatz und Graal-Müritz hat ein noch älteres", klärt Uwe Rosenfeld, der Leiter des Schweriner Feuerwehrmuseums und Fachwart für Historik im Landesfeuerwehrverband, auf. Im Land gebe es an die 100, die älter als das Mustiner Fahrzeug seien.

Die Wehren, sprich die Gemeinden, können sich häufig kein nagelneues leisten. Solch ein Gefährt, ohne die Feuerwehr spezifische Ausrüstung, kostet ca. 100 000 Euro, ein gebrauchtes ist schon für ein Drittel des Preises zu haben.

Gleichwohl dürften sich längst nicht alle Feuerwehr-Oldtimer wirklich noch im permanenten Einsatz befinden. "Wer vier, fünf Feuerwehrautos hat, der leistet sich dabei auch ein altes. Für uns hier ist der Oldie jedoch das einzige Löschfahrzeug", so Kunst. Und der gute alte Benz leistet nach wie vor seinen Dienst, gehegt und gepflegt vom Maschinisten Volker Prestin. "Der ist übrigens gleiches Baujahr wie das Auto", wirft der aus Bolz stammende "Blaurock" Mathias Angeli ein. Prestin ist auch der Fahrer. "Kraftfahrer", betont Kassenwart Angeli nicht ohne Hintergedanken. Denn der Siebentonner mit seinen 100 PS lasse sich "sehr, sehr schwer fahren. Er hat keine Servo, die Bremse ist ohne Bremskraftverstärker, ja, der Benz hat noch nicht einmal Sicherheitsgurte", so Angeli. "Er ist robust, technisch einfach und hat alles drin, was man braucht. Und mit dem Allradantrieb kommen wir überall hin."

Als Manko führen Kunst und Angeli an, dass die Atemschutzgeräte in einem Seitenfach außen am Fahrzeug untergebracht sind. "In den modernen Fahrzeugen befinden die sich innen, so dass man die Masken bereits während der Fahrt zum Einsatz aufsetzen kann", erläutert Kunst. Und dann ist auch der Wasservorrat einfach zu wenig. Kunst: "Das reicht vorn und hinten nicht." Zudem ist der Benz langsam, brauche seine Zeit, um auf Touren zu kommen - sprich von 70 auf 80 km/h. Er habe "eben seine Alterserscheinungen".

So bemüht sich die Gemeinde denn auch bereits seit einiger Zeit darum, ein neues Wehrauto zu bekommen. Der 800-Liter-Wassertank des Oldies ging laut Bürgermeister "mal kaputt. Da haben wir einen mit 1000 Litern als Ersatz eingebaut. Doch wir liegen hier an der Grenze zum Nachbarlandkreis, sind zudem von viel Wald umgeben. Da braucht es eigentlich mindestens 2500 Liter Löschwasser im Tank."

Löbel: "Wir sparen für ein neues Auto und haben auch bereits Anträge beim Amt gestellt, die bisher aber alle negativ beschieden wurden." In der Gemeinde seien für den Eigenanteil bereits "ein paar Spenden zusammen bekommen. 3000 Euro von Landwirten und auch etwas vom Förderverein."

Doch bis der Wehrauto-Nachfolger da ist, muss der 67er eben weiter seine Dienste verrichten. Zu einem Großeinsatz musste die Mustiner Wehr in den vergangen Jahren übrigens nicht ausrücken. "In Bolz brannte mal ein Abfallhaufen, bei der Firma Dauerholz in Dabel mussten wir vor vier Jahren wegen eines Kessels hin und ein Waldbrand in Neu Woserin war auch dabei", so Kunst.

Zwei Gründungsmitglieder der Feuerwehr Mustin, die im Vorjahr ihr 65-jähriges Bestehen feierte, "leben noch", betont Kunst: "Walter Rönckendorf, 83, und Günter Prestin, der demnächst ebenfalls 83 wird und der Vater von Volker Prestin ist." Günter Prestin sei beim Amtsausscheid immer noch im Wettkampfgericht dabei.

Ansonsten zählt die Wehr 18 aktive Kameraden, darunter mit der 16-jährigen Sidney nach Jahren auch wieder ein weibliches Mitglied. Sie ist die Tochter von Michael Kunst.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen