Warin : Australier zu Stippvisite in Warin

Mit der Kondition sei es schon mal besser gewesen, gesteht der Australier Tom Handley (l.) Kein Wunder, Basketball liege für ihn 20 Jahre zurück. Dennoch hat er bei seiner Stippvisite in Warin wieder viel Spaß, mit seinem damaligen Schulfreund Björn Griese auf Punktejagd zu gehen.
Mit der Kondition sei es schon mal besser gewesen, gesteht der Australier Tom Handley (l.) Kein Wunder, Basketball liege für ihn 20 Jahre zurück. Dennoch hat er bei seiner Stippvisite in Warin wieder viel Spaß, mit seinem damaligen Schulfreund Björn Griese auf Punktejagd zu gehen.

Tom Handley war vor zwei Jahrzehnten als Austauschschüler hier und hält noch immer Kontakt zu Gasteltern und Schulfreund.

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28. August 2015, 20:59 Uhr

Beide sind Jahrgang 1978, verheiratet, haben zwei Kinder. Neben Gemeinsamkeiten besteht aber im wahrsten Sinne des Wortes ein himmelweiter Gegensatz: Björn Griese lebt in Warin, Tom Handley in Australien in der Nähe von Sydney. Letzterer kam wieder zu einem Kurzbesuch, fühlte sich unter Freunden und Bekannten wie zu Hause und zog sich ein Sportdress zum Basketball an.

„Als ich wusste, wann Tom kommt, haben wir unser kleines Turnier extra so gelegt, denn er spielt auch gern“, erklärt Griese. Vor einem Jahr gab es das erste Wiedersehensturnier ehemaliger Basketballer, die Warin einst in die Landesliga gebracht hatten. Die Zweitauflage wurde nun sogar international.


Björn Griese: Wie klein die Welt doch ist


Der Australier war 1994/95 für knapp ein Jahr Austauschschüler in Warin. 16 Jahre alt, kam er in die zehnte Klasse der Wariner Realschule, wechselte dann an das seinerzeit noch bestehende Gymnasium in Brüel. „Wir kannten uns schon, aber dort waren wir in einer Klasse und wurden gute Freunde“, erklärt Björn Griese. „Wir waren in einem Alter, und das passte einfach.“

Das können Anne-Gret und Hans-Joachim Bock bestätigen, die damaligen Gasteltern für den Austauschschüler von dem fernen Kontinent. Ihre beiden Söhne waren schon aus dem Haus. Und so meldete sich das Wariner Lehrer-Ehepaar bei der Austauschorganisation AFS, die Gasteltern suchte. Weil Anne-Gret Bock Englisch unterrichtete und nach einer Bildungsreise in die USA ihre Sprachkenntnisse weiter verbessern wollte, bestand indes der Wunsch, das ein Junge kommt, der Englisch spricht. Woher, das sei ziemlich egal gewesen.

Dass dieser Junge von der anderen Seite der Erdkugel kam, war dann reiner Zufall. Er wollte nach Deutschland, das er überhaupt nicht kannte. Das sollte sich nicht nur in dem einen Jahr, sondern später noch viel mehr ändern. Dazu kommen wir noch. Bei Bocks lebte Tom wie ein Sohn. Er sei wie ein Abbild der eigenen Jungs gewesen, unpünktlich und auch wehleidig, wenn er sich verletzt hatte.

Das Superverhältnis zu Gasteltern und Schulfreund gab den Ausschlag, dass der Kontakt in den zwei Jahrzehnten, die seitdem vergangen sind, nie abriss. Björn Griese nutzte 2004 zum Ende des Studiums die langen Semesterferien, um mit seiner damaligen Freundin – und heutigen Frau – Anja für zweieinhalb Monate Australien zu erkunden. „Wir waren zu Beginn
eine Woche bei Tom und am Ende noch einmal“, erzählt Griese. Dazwischen seien sie durch das Land getourt, hätten festgestellt, wie klein die Welt doch ist, den Freund seiner Schwester Beate, der aus Sachsen stammt und ausgewandert war, in Brisbane besucht und sich mit Martin Prütz aus Sternberg getroffen. Dieser sei mit Kommilitonen ein Jahr in Australien, Neuseeland und Südostasien gewesen. Sie hätten sich verabredet und einiges vom Land erfahren, weil die Truppe sich schon vorher dort umgesehen hatte.

Anne-Gret Bock und Sohn Christian hätten ihn voriges Jahr im Mai besucht, erzählt Tom Handley und überlegt kurz. Er sei nach dem Austauschjahr das sechste Mal wieder in Warin und wohne bei den Bocks, die ihn herzlich wie immer aufgenommen hätten.

Die relative Häufigkeit trotz beinahe 24 Stunden Flugzeit wird freilich dadurch begünstigt, dass der Australier eine deutsche Frau hat. Linda kommt aus Lippe bei Hannover. Hochzeit war am 16. August vorigen Jahres; Lewis ist drei Jahre, Ellis neun Monate. Doch ohne Warin hätte sich das Paar vielleicht nie kennen gelernt. Als die junge Frau auf Australien-Tour ging, sahen sie sich in einer Karaoke-Bar zum ersten Mal. Tom bemerkte, woher Linda kommt, und sprach sie an: „Ich kann auch Deutsch.“ Sonst hätte er das sicher nicht gemacht.

Der inzwischen 37-Jährige arbeitet in Sydney als Produktmanager in einer Investmentfirma und nimmt gegenwärtig seine Elternzeit. Linda sei Hausfrau, möchte aber noch studieren. Kinderbetreuung sei in Australien ähnlich wie hier, aber sehr teuer, für ein Kind pro Tag 150 Australische Dollar. Der Staat zahle die Hälfte davon. Ein Dollar entspreche aktuell 65 Cent.


Nach Deutschland ziehen, ist kein Thema


Knapp zwei Monate, noch bis Ende September, besucht das Paar mit beiden Kindern Lindas Eltern. Diese hatten die kleine Enkelin vorher noch nie gesehen. Nach Deutschland zu ziehen, sei kein Thema, obwohl Tom in einer internationalen Firma arbeiten könnte, wie er meint. Doch beide würden sich in Australien wohl fühlen. „Dort ist es wärmer.“ Beinahe vor der Haustür gäbe es ein Surfer-Paradies.

Wenn sich die Gelegenheit bietet, werde es wieder eine Stippvisite in Warin geben, sagt Tom Handley. Darauf freut sich auch Björn Griese. Vor Jahren seien sie über Postkarten und Telefon in Kontakt geblieben, jetzt mit Facebook sei das noch viel einfacher.

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