Rothen / Sternberg : Ausstellung wechselt nach Sternberg

Die Ausstellung „Flüchtlingsgespräche“, die der Verein Rothener Hof zum ersten Mal bei „Kunst: Offen“ gezeigt hat, ist im Juni in der Sternberger Stadtkirche zu sehen. Am Freitag wird sie hier mit einer Vernissage eröffnet.  Fotos: Rüdiger Rump
Die Ausstellung „Flüchtlingsgespräche“, die der Verein Rothener Hof zum ersten Mal bei „Kunst: Offen“ gezeigt hat, ist im Juni in der Sternberger Stadtkirche zu sehen. Am Freitag wird sie hier mit einer Vernissage eröffnet. Fotos: Rüdiger Rump

„Flüchtlingsgespräche“: Am Freitag um 17 Uhr in der Stadtkirche beginnt die Vernissage.

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02. Juni 2016, 05:00 Uhr

Acht großflächige Porträtfotos und dazu bewegende Geschichten von acht Menschen, die vor mehr als 70 Jahren oder in heutiger Zeit Hab und Gut sowie ihre Heimat verloren haben: Die Ausstellung „Flüchtlingsgespräche“, die der Verein Rothener Hof zum ersten Mal über Pfingsten bei „Kunst: Offen“ gezeigt hat, wird am morgigen Freitag in der Sternberger Stadtkirche eröffnet. Die Vernissage beginnt um 17 Uhr.

Hier ist die Ausstellung den ganzen Monat über zu sehen, bevor sie Anfang Juli in die Güstrower Marktkirche wechselt. Sie sei von vornherein als Wanderausstellung gedacht, betonte Christian von Lehsten im SVZ-
Gespräch. Der Fotograf aus Rothen hat gemeinsam mit Solveig Witt, Tierärztin und derzeit Lehrkraft für Deutsch als Zweitsprache an der Grundschule Dabel, das Projekt des Vereins, das über das Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ finanziert worden ist, verwirklicht. Dazu interviewten sie damalige und jetzige Flüchtlinge, wie Elli Zielke, heute 75 Jahre alt, deren Flucht aus Schlesien 1944 begann und sie letztlich nach Bolz führte, wo Mecklenburg zur neuen Heimat wurde. Irmgard Scholz (78) war sieben Jahre alt, als die Familie nur mit dem Allernötigsten Virchow in Pommern verlassen musste. Das Dorf stand unter heftigem Beschuss russischer Artillerie.

Alaa Faisal Nayef (24), aus Syriens Hauptstadt Damaskus gekommen, war mit anderen auf einem kleinen Schlauchboot acht Tage lang auf dem Mittelmeer getrieben. Die Wohnung der Familie war durch Kampfhandlungen und Bomben zerstört worden, ihre Arbeit als Lehrerin weg. Salar Hazan (28), Kurde aus der Grenzstadt Qamisli, hatte an Demonstrationen gegen das Assad-Regime teilgenommen, wurde von der Geheimpolizei verhaftet und von seinen Eltern freigekauft. Er floh später aus der umkämpften Stadt Aleppo und wurde für 200 US-Dollar zu Fuß über die irakisch-türkische Grenze geschleust. Die schreckliche Flucht und was danach kam, seien 1945 und jetzt nicht gleich, würden sich aber ähneln, meinen Lehsten und Witt.

Auf dem Rothener Hof war die Resonanz „total positiv“, sagt Lehsten. Bei „Kunst: Offen“ seien rund 700 Besucher ins Dorf gekommen und „mindestens zwei Drittel davon in die Ausstellung“. Er sei erstaunt gewesen, „wie genau die Texte gelesen wurden“. So ein Interesse wünsche er sich natürlich auch in Sternberg.

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