Tempzin : Ausdruck und Melancholie im kühlen Warmhaus

Die sieben jungen Musiker bringen beim Konzert in Tempzin Ausdrucksstärke, Fröhlichkeit und Melancholie zusammen.
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Die sieben jungen Musiker bringen beim Konzert in Tempzin Ausdrucksstärke, Fröhlichkeit und Melancholie zusammen.

Die Klezmergruppe „Novum Pendulum“ gab im Pilger-Kloster Tempzin ein Konzert mit jüdischer Folklore.

svz.de von
07. Juli 2014, 16:17 Uhr

Musiker und Publikum waren über den Veranstaltungsort im Pilger-Kloster Tempzin gleichermaßen erfreut. Das aufwändig sanierte Warmhaus, das einst Pilgern Obdach gab und als Krankenstation diente, bot bei der drückenden Hitze am Sonnabend angenehme Kühle. Die Klezmergruppe „Novum Pendulum“ trug mit Klarinetten, Gitarre, Cello, Klavier, Percussion und Gesang jüdische Folklore vor, die traditionell Ausdrucksstärke mit Fröhlichkeit und Melancholie vereint.

Doch nicht nur wegen der Wohlfühltemperatur sei das Warmhaus für Musik in der Art eines Kammerkonzertes prädestiniert, meinte Pastor Joachim Anders und stimmte mit dem überschaubaren, umso mehr interessierten Publikum überein. Der reichliche Holzeinbau dämpfe die Akustik. „Gerade bei schnellen Läufen wie mit der Klarinette hallt es nicht wie zuweilen in der Kirche. Dort ist es auch sehr schön, aber eher bei einem sakralen Konzert“, so Anders.

Alle sieben Musiker gingen zur gleichen Zeit auf das Gymnasium in Frankfurt/Oder, vier von ihnen sogar in die gleiche Klasse. 2006 fanden sie sich für ein Konzert bei einer Ausstellungseröffnung erstmals zusammen – mit überwältigendem Erfolg. Der förderte den Spaß am Musizieren noch, die Gruppe entwickelte sich weiter. Obwohl jetzt zwischen Dresden, Potsdam, Hannover und Lübeck verstreut, versuchen die vier Frauen und drei Männer, sich einmal im Monat zur Probe zu treffen, um gut vorbereitet Konzerte geben zu können. „Neue Stücke wachsen über viele Proben, doch wir haben große Freude daran. Wir machen kleine Touren und klappern dabei die Verwandtschaft ab, jetzt hier im Norden“, erzählt Konrad Scheffler. Er bat a capella mit starker Stimme die Zuhörer nach einer kurzen Pause wieder in den Konzertraum.

Kontakte in die Region gäbe es über zwei Jahrzehnte, verrät der junge Musiker. Sein Vater Christian Scheffler restaurierte 1990/91 die von der Firma Eberhard Friedrich Walcker 1895 in der Sternberger Stadtkirche gebaute Orgel. Sie genießt international hohe Wertschätzung unter Fachleuten. Daher waren die Auftraggeber dankbar, den namhaften Orgelbaumeister aus Frankfurt für die Restaurierung zu gewinnen. Dieser erhielt vom Konzert in Tempzin herzliche Grüße – er feierte am Sonnabend seinen 60. Geburtstag.

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