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Messe auf dem Golchener Hof : Ausbildungsbarometer der Region

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

SVZ sprach mit Jörg Klingohr über die Berufsausbildungsmesse am Sonntag auf dem Golchener Hof

von
erstellt am 21.Apr.2017 | 12:00 Uhr

Jörg Klingohr hat sich länger mit Psychologie beschäftigt als mit der Figur von Bauer Korl, die er als Spaßmacher verkörpert. Bekannt wurde er aber vor allem dadurch ebenso wie der Golchener Hof durch seine bunten Veranstaltungen, durch Schlager- und Volksmusik. Nun findet dort an diesem Sonntag, 23. April, ab 10 Uhr zum ersten Mal eine Berufsausbildungsmesse statt, in Kurzform Bam Go (Berufsausbildungsmesse in Golchen). SVZ-Redakteur Rüdiger Rump sprach darüber mit Jörg Klingohr.

Woher kommt die Idee, in Golchen, abseits größerer Betriebe mit Berufsausbildung, eine solche Messe zu veranstalten?
Jörg Klingohr: Die entstand im Team des Wirtschaftspsychologischen Instituts, kurz wi.ps, bei uns auf dem Golchener Hof. Der Hintergrund war ganz einfach – die Frage: Was ist eine gute Regionalentwicklungsstrategie. Gerade hier in Mecklenburg haben es viele Regionen nicht geschafft, sich als solche zu verstehen. Die Kreisgebietsreformen waren da nicht förderlich. Wir möchten aber nicht, dass die Menschen sagen, die Politik ist Schuld, sie hat uns die regionale Identität genommen. Die Verantwortung liegt bei ihnen selbst. Deshalb ist für uns interessant, ob Eltern erkennen, dass es mit der Ausbildung beginnt, wenn die
Zukunft der Kinder hier sein soll. Wir wollen auf der Messe keine Schuldigen suchen, sondern mögliche Akteure.

Es bleibt aber in dem kleinen Dorf, in das jeder erstmal fahren muss, ein Wagnis?
Ich habe kein unruhiges oder gar ungutes Gefühl. Wir erhalten ein Bild vom Selbstverständnis der Region und lassen uns selbst überraschen. Wenn wir nicht die Besucherzahlen erreichen, die wir erhoffen, ist das keine Ohrfeige für den Golchener Hof, sondern für die Region. Es ist aber auch die erste Messe hier, so was braucht Zeit und muss wachsen. Dabei sind uns 20 Leute, die sich interessieren, lieber als 200, die nur durchlaufen.

War es schwer, Partner zu finden?
Nein, wir haben den Unternehmerverband Mecklenburg-Schwerin als Kooperationspartner und mit uns 15 Aussteller. Gern hätten wir noch den Handwerker aus Brüel oder Sternberg dabei, der vielleicht nur einen Lehrling braucht. Aber das kann noch kommen. Wir schauen in einem Umkreis von rund 30 Kilometern, was die Region bietet; die Messe ist wie ein punktuelles Ausbildungsbarometer. Es geht dabei nicht um Konkurrenz zu anderen, sondern um die Region, dafür wollen wir Verantwortung wahrnehmen. Interessenten sollen sich informieren, auch wer nicht jetzt, sondern in ein bis drei Jahren einen Ausbildungsplatz sucht.

Wie wir wissen, bietet auch der Golchener Hof welche an. Gibt es schon Lehrlinge?
Bisher nicht, aber wir würden gern ausbilden von Serviceberufen bis Veranstaltungskaufmann, vor allem junge Leute, die später auch hier arbeiten möchten. Wir bedanken uns bei allen Ausstellern und freuen uns besonders, dass die MV-Werften als großer Arbeitgeber mit attraktiven Ausbildungsplätzen vertreten sind. In Wismar werden zum Beispiel 30 Lehrlinge als Anlagenmechaniker gesucht, fünf Stellen sind noch frei.

Ein Thema soll die Integration von Migranten sein. Hier in Golchen gibt es dazu bereits Erfahrungen?
Ja, die Soziale Dienste GmbH beherbergt und betreut seit 2015 minderjährige, unbegleitete Jugendliche aus Syrien. Sie haben einen Amtsvormund und gehen in Sternberg zur Schule. Zur Zeit sind es vier. Es gibt vergleichbare Probleme wie mit Deutschen in dem Alter, die im Heim wohnen. Natürlich kommen sie aus einer anderen Kultur. Wir möchten auf der Messe darüber diskutieren, welchen Einfluss die Migration bei Ausbildung und Arbeit hat, wie das gehen kann, was bislang gut und was falsch gelaufen ist. Es geht um entsprechende Bedingungen, es gilt nachzudenken, was wir für die Integration tun müssen, wobei das natürlich keinen Einbahnstraße sein darf. Zwei junge Syrer, die bei uns waren, leben seit dem Vorjahr in Rostock und studieren dort an der Uni.

Die Aussteller

  • Bausparkasse Schwäbisch Hall: Finanzdienstleistung;
  • FAL e.V. Wangeliner Workcamps: ökologisches Handwerk;
  • Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege MV Güstrow: öffentlicher Dienst;
  • Golchener Hof: Hotel, Restaurant, Küche, Tourismus und Event;
  • Hair-Cosmetic-Team Schwerin: Friseur;
  • Jochmann GmbH Parchim: Heizung, Sanitär, Klima, Lüftung;
  • Landeshauptstadt Schwerin: öffentlicher Dienst/Verwaltung;
  • Landkreis Ludwigslust-Parchim: Dienstleistungsunternehmen, öffentliche Verwaltung;
  • Liebschaft Mecklenburg, Vorbeck: Tourismus & Freizeit;
  • Matthäi Bauunternehmen Leezen: Ingenieur-, Tief und Straßenbau;
  • medienhaus:nord, Zeitungsverlag Schwerin: Medien;
  • MV Werften Wismar: Schiffbau;
  • Wemag: Energie;
  • Volks- und Raiffeisenbank Wismar: Bankwesen;
  • Vila Vita Hotel & Touristik, Ganzlin: Hotel, Restaurant, Küche

Das Programm

  • 11 Uhr: Für Bewerber – Wie verhalte ich mich bei einem Vorstellungsgespräch richtig? Jörg Klingohr (wi.ps – Wirtschaftspsychologisches Institut);
  • 12 Uhr: Für Unternehmen – Vorstellungsgespräche richtig und erfolgreich durchführen! Jörg Klingohr;
  • 13.30 Uhr: Projektvorstellung „Wangeliner Workcamps“, Kennenlernen und Ausprobieren von neuen Berufsbildern, Eva Greischel;
  • 14.30 Uhr: Gesprächsrunde für Unternehmen und soziale Akteure – ein Erfahrungsbericht nach 15 Monaten schulischer Betreuung und praktischer Tätigkeit junger Migranten zwischen 16 und 18 Jahren, Jörg Klingohr.

 

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