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Von Loiz nach Israel : Aus Spenden finanzierter Hain gedeiht

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Loizer Familie besuchte Behindertendorf Kfar Tikva

von
erstellt am 15.Jan.2017 | 09:00 Uhr

„Ich war begeistert. Es ist nicht nur ein Obsthain angelegt worden, sondern als Erweiterung ein kleiner Park mit Springbrunnen“, sagt Uwe Seppmann vom Christlichen Gästehaus Beth-Emmaus in Loiz. Mit seiner Familie hatte er im vergangenen Jahr Israel besucht und seinen Kindern dabei auch das Behindertendorf Kfar Tikva gezeigt. Das „Dorf der Hoffnung“ (Kfar Tikva) liegt 20 Kilometer östlich von Haifa im Norden des Landes. 1963 von israelischen Familien mit behinderten Kindern unter Mithilfe von 60 deutschen Volontären gegründet, ist es bis heute ständiger Einsatzort für deutsche Freiwillige geblieben.

Uwe Seppmann ist seit Jahren mit Kfar Tikva und seinen Menschen verbunden. Der Loizer hatte 1978/1979 hier ein anderthalbjähriges sozialpädagogisches Praktikum mit Intensivsprachkurs absolviert, den Kontakt nicht mehr abreißen lassen und auch andere dafür gewonnen zu helfen. So waren u. a. Gruppen aus Israel in Sternberg zu Gast, hatten aber ebenso auf Initiative des Christlichen Gästehauses hiesige Reisegruppen auf einer Israeltour dortige Sozialeinrichtungen besucht und kennen gelernt.

Auch für den Obsthain im Behindertendorf Kfar Tikva hatte sich Uwe Seppmann stark gemacht und schnell Mitstreiter gefunden – in der Witziner Kirchengemeinde, beim Sternberger Basarkreis, in der Baptistengemeinde Bützow und bei Privatleuten. 2012 konnten die ersten sechs Obstbäume in den Boden gesetzt werden (SVZ berichtete). Spenden und Kollekten halfen, dass weitere Bäume gepflanzt werden konnten.

„Günther Zenner, inzwischen pensionierter Sozialarbeiter aus Kfar Tikva, hatte damals gleich gesagt, dass nicht nur ein Obsthain entstehen soll, sondern auch Infrastruktur“, erinnert Uwe Seppmann. Was Stück für Stück verwirklicht wird. Es gibt Landwirtschaft – u. a. werden Gurken selbst angebaut. Für eine Kellerei, die sich in das Dorf eingemietet hat, verpacken behinderte Menschen Weinflaschen. Andere arbeiten in einer Teppichknüpferei, in der Wäscherei, Küche, Keramikwerkstatt oder im Gartenteam. Es gibt eine Hundepension, die auch Auffangstation für heimatlose Vierbeiner ist. Und wenn die Mitarbeiter in den Pausen ihre Werkstätten verlassen, haben sie den kleinen Park gleich vor der Tür.

„Jeder setzt sich da ein, wo er kann. Ziel des Dorfes ist es, wie ein kleiner Kibbuz zu funktionieren. Es sind nicht Behinderte, sondern Freunde“, sagt Seppmann. Als Kibbuz bezeichnet man eine ländliche Kollektivsiedlung mit gemeinsamem Eigentum und basisdemokratischen Strukturen.

Das Dorf soll bis zum Lebensende das Zuhause für die Bewohner sein. „In den vergangenen zehn Jahren ist auch ein pflegerischer Bereich dazugekommen“, sagt Uwe Seppmann. Und inzwischen engagieren sich in Kfar Tikva nicht nur Deutsche – derzeit über den Bundesfreiwilligen Dienst – , sondern auch israelische Freiwillige, „was gut ist für die Völkerverständigung zwischen jungen Deutschen und Israelis“.

Über die Volontäre – bei Interesse können sich junge Leute gern an Uwe Seppmann wenden – und den Freundeskreis „Behindertendorf Kfar Tikva e.V.“ hält der Loizer Kontakt. Und hat so auch erfahren, dass bei den verheerenden, teilweise bewusst gelegten Waldbränden in Israel zwar nicht das Dorf, aber die Wohnung von Günther Zenner ausgebrannt ist. „Das Dorf hat ihm sofort geholfen, hatte nun aber zusätzliche Ausgaben. Deshalb haben wir spontan gesagt, dass wir für das Dorf und für Wohnunterkünfte für die Volontäre sammeln wollen. Sie waren bisher zum Teil in Wohnwagen untergebracht“, weiß Seppmann. Bei der Kollekte am 1. Januar kamen rund 270 Euro zusammen. 

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