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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

24. November 2017 | 10:36 Uhr

Brüel : Aus Roheisen wird Mittelalter-Messer

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Dem Brüeler Hobby-Schmied Thomas Behnke über die Schulter geschaut.

Laut klopft der Hammer auf das glühende Stück Eisen. Mit festem Griff umklammert Thomas Behnke das Roheisen mit einer Zange. Der rechte Arm fährt schwungvoll in die Höhe und der Hammer saust wieder mit einem lauten Schlag auf die glühende Eisenspitze.

 Der Hobby-Schmied hatte vor einer Weile das Feuer entfacht. Dazu legte er kleine Stücke Schmiedekoks auf die Esse. Ein angebauter Motor dient zur Sauerstoffzufuhr. Der ersetzt den Blasebalg aus frühen Zeiten. Wenn er auf Mittelalter-Märkten zu Werke ist, lässt er die moderne Technik zuhause.

Schnell wird es warm.  „Die Hammerform und wie man haut, sind beim Schmieden wichtig“, sagt er zwischen den einzelnen Schlägen. Dann steckt er das Eisen wieder in das glühende Schmiedefeuer mit über  1000 Grad Celsius. Der Brüeler  hat sich Schutzkleidung angezogen. Festes Schuhwerk, ebenso geschlossene Kleidung, eine Lederschürze und eine Schutzbrille aufgesetzt. Wenn er lange Schmiedearbeiten ausführt, zieht er auch Handschuhe über.

Jetzt formt er aus Roheisen ein Mittelalter-Messer. Griff, auch Messerangel genannt, und Schneide sind aus einem Stück gefertigt. Das dauert etwa drei Stunden. „Das ist nur einfacher Rohstahl, der nicht rostfrei ist. Auch die Damaszenermesser müssen mit einem leichten Ölfilm gepflegt werden, damit sie nicht rosten. Bei Damaszenerarbeiten besteht die Schneide aus mehreren Lagen Stahl, die miteinander  ohne Sauerstoffzufuhr zusammen geschweißt werden.

„Der Stahl benötigt eine höhere Temperatur, dass sieht man am Glühfaden. Der wird weiß bis gelb – fast bis kurz davor, bevor der Stahl anfängt zu brennen. Das sind Erfahrungswerte, die man sammelt. Zum Schmieden habe ich deshalb auch die Werkstatt abgedunkelt, damit konstante Lichtverhältnisse herrschen“, erzählt der 50-Jährige.

Zu seinem besonderen Hobby ist der Brüeler bei einer Ideenschmiede einer Männertruppe vor neun Jahren gekommen. „Wir sind viel im Outdoor-Bereich unterwegs. Ein Kumpel hatte ein indisches Kukri-Messer mit. Das war der Anlass für uns, sich selber so ein Messer herzustellen. Herausgekommen waren unterschiedliche Ergebnisse. Mir hat die Schmiedearbeit richtig Spaß gemacht und ich bin dabei geblieben.“

 Die ersten Stücke waren aus Monostahl, auch alte Feilen hätten zu Übungszwecken hergehalten. „Die feste Schmiede habe ich umfunktioniert zu einer transportablen Feldschmiede“, so der Ingenieur.

Einige Werkzeuge, die er benötigt, hat er selber gefertigt. So wie die Gesenke. Sie dienen zum Formen und Biegen des Werkstücks, haben eine runde Form für Tellerformen, sind scharf zum Abschroten eines Werkstücks und werden im Amboss verankert. Neben der Schmiede befinden sich in Griffweite Schürhaken und diverse Zangen wie Flach-, Kasten- und Rundzange.

Auf der Werkbank hat Thomas Behnke einige Schmiedestücke gelegt: Bowie- und Fahrtenmesser, Damastmesser, Anker, Schnecke, Hufeisen, Kerzenhalter, Anhänger, Flaschenöffner…

Einfache Stücke schmiedet er auch mit Kindern, wenn er mit der Feldschmiede bei Events unterwegs ist, so wie im vergangenen Jahr am Roten See zum Piratenspektakel. Dann bekommen die Kids eine kleine Lederschürze und Schutzbrille an.

Wenn Thomas Behnke das Schmiedefeuer entfacht, geschieht das am Wochenende. Oft bleibt die Asche aber kalt. „Ich sitze viel an der Werkbank. Die Lederscheiden, in denen die Schneide steckt, schneide ich zurecht und nähe sie auch. Umwickle die Messergriffe mit Leder oder feile anderes Material zurecht wie Holz, Horn oder Kunststoffgriffe für Anglermesser. Das Horn bekomme ich von Jägern. Manchmal sind auch Auftragsarbeiten dabei, meistens sind es Geschenke, die ich mit meinen Arbeiten mache. So ein Messer ist schon etwas Besonderes und nicht für den alltäglichen Gebrauch“, erzählt er.

Den Stahl bezieht er übers Internet. Meistens Solingerstahl. Nach der Schmiede wird das Werkstück in Öl gehärtet – nicht in Wasser, weil dies das Stahlgefüge verändert.

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