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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

12. Dezember 2017 | 01:49 Uhr

Klein Warin : „Aus einer Spinnerei wurde ernst“

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Brit und Thoralf Risch erfüllten sich mit dem Reitstall in Klein Warin einen Traum. Ein hier gezogenes Pferd reitet jetzt ein ukrainischer Milliardär.

svz.de von
erstellt am 02.Jan.2014 | 16:04 Uhr

Nicht ganz ohne Stolz erzählt Brit Risch vom Reitstall in Klein Warin von ihrer Auszubildenden Tanja Mettchen, die mit zwei weiteren Pferdewirt-Auszubildenden aus Mecklenburg-Vorpommern „Mannschaftsgold“ beim Bundes-Berufs-Wettbewerb im münsterländischen Warendorf errang. Abgerundet wurde dies durch Tanja Mettchens vierten Platz in der Einzelwertung „Pferdezucht“ (SVZ berichtete).

Vor zwei Jahren begann die 22-Jährige aus Osten bei Cuxhaven ihre Ausbildung im Klein-Wariner Reitstall, ist jetzt im dritten Lehrjahr als Pferdewirtin in der Fachrichtung Pferdezucht. „Hiernach möchte ich eine Ausbildung zur Bereiterin machen. Der Umgang mit Tieren ist etwas Schönes. Bereits mit elf Jahren hatte ich einen Haflinger. Auch die Arbeit hier im Reitstall mit den Kindern ist toll. Wenn sie nachmittags ab 14 Uhr eintrudeln, vermittle ich ihnen spielerisch Wissen rund ums Pferd, wir lachen viel und haben Spaß“, erzählt Tanja Mettchen.

„Zurzeit haben wir zwei Azubis und
einen weiteren im Freiwilligen Ökologischen Jahr auf dem Hof“, erzählt Brit Risch. Sie hat seit 2001 acht Lehrlinge ausgebildet. Im Reiterstübchen zeugen drei Urkunden der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) von „Ehemaligen“ als Dank und besondere Anerkennung.


Seit 2001 werden hier auch Lehrlinge ausgebildet


Selber erfüllte sie sich mit ihrem Mann Thoralf 1994 den Wunsch von einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Pferdehaltung in der Dorfstraße 3 samt 44 Hektar Grünland. Die gebürtige Stralsunderin lernte in Velgast Tierzucht mit Abitur, begann in Rostock ein Studium der Landwirtschaft und besuchte in Wismar einen Meisterlehrgang. „Pferde waren seit jeher mein Hobby. Aus einer Spinnerei wurde ernst. Ich wollte keinen Bürojob. So erfüllten wir uns den Traum, errichteten 1997 die Reithalle und gründeten 1999 den Reitverein. 2001 nahmen wir Stall- und Sozialgebäude in Betrieb und begannen mit der Lehrlingsausbildung“, erzählt die 44-Jährige. Und auch davon, dass es schwierig sei, Lehrlinge für den landwirtschaftlichen Beruf zu bekommen, die nicht nur gute Zensuren mitbringen, sich engagieren, sondern vor allem Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Verantwortungsbewusstsein besitzen. „Wir sind ein kleines Team. Da zählt jeder. Nach einem Vorstellungsgespräch und einer Probearbeit von wenigen Tagen kristallisiert sich meistens heraus, ob derjenige geeignet ist.“

Die Ansprüche würden laut bundesweiter Verordnung immer höher. Zu 50 Prozent ist der Auszubildende während der Lehrzeit nicht im Betrieb. „Das Lehrlingsgeld muss trotzdem von uns erarbeitet werden. Förderung gibt es nur, wenn die Azubis zu den Reitanlagen nach Alt Sammit, Redefin und zum Techniklehrgang fahren“, betont Brit Risch.

Alle zwei Jahre gibt es eine neue Ausbildungsverordnung. Die macht es den Betrieben nicht leichter. Von den ehemaligen 36 Ausbildungsbetrieben der Pferdezucht sind nur 18 übrig geblieben in Mecklenburg. „Wenn wir aber keine jungen Menschen ausbilden, haben wir eines
Tages keine Facharbeiter mehr. Die Bewerber kommen aus ganz Deutschland. Mecklenburg ist bekannt für gute Pferdehaltung und -zucht. Hier sind die Flächen dazu. Unsere Lehrlinge haben einen guten Ruf. Untergebracht sind sie auf dem Gelände“, so die Pferdezuchtmeisterin. Sie bildet Pferdewirte in den Fachrichtungen Pferdezucht sowie Haltung und Service aus und gehört seit vier Jahren auch zum Landes-Prüfungsausschuss für Lehrlinge.


Sebastian Koch nahm hier Reitstunden für Film „Napoleon“


In diesem Jahr begann die 18-jährige Leonie Westphal aus Hornstorf bei Wismar eine Ausbildung für Haltung und Service. An diesem Tag säuberte sie Stallboxen, wobei sie Unterstützung von den Rentnern Hansi Schwanke und Hans-Dieter Risch, Brits Schwiegervater, bekam. Flugs kam Riesenschnauzer Bono angeflitzt, sprang mit einem Satz auf die Strohrolle und ließ sich kraulen. Gemeinsam mit Dackelhündin Doggi passt der große Hund auf Hof, Stall und Tiere auf. 40 Pferde, darunter Pensionspferde, Schulpferde, Zuchtstuten sowie Jungpferde, sind im Reitstall untergebracht. 32 Boxen stehen für Reitpferde zur Verfügung.

Aus eigener Zucht verweist Brit Risch stolz auf den zehnjährigen Oldenburger Wallach „Canevaro“, den sie „vor vier Jahren an Paul Schockemöhle“ (Lewitz-Gestüt-Besitzer – d. Red.) verkauft hat. Inzwischen ist Canevaro im Besitz des ukrainischen Milliardärs Alexander Onischenko, der mit ihm auf internationalen Turnieren startet. Aber auch andere Prominenz weilte bereits im Reitstall. Schauspieler Sebastian Koch unternahm hier seine ersten Reitstunden für den Film „Napoleon“. Und er schaut vorbei, wenn es ihn in die Nähe verschlägt.

Brit Risch kann viele nette Episoden aus dem Reiterhof-Alltag erzählen: von Menschen, die nach Feierabend Stunden nehmen, und von den jungen Frauen und Müttern, die früher als Mädchen auf dem Rücken von Shetlandpony Heiner das Reiten lernten. Der 30 Jahre alte Senior genießt nun seine „Rente“ auf der Weide, braucht niemanden mehr zu tragen und macht sich bemerkbar, wenn es abends in den Stall geht. Ganz anders die jungen Pferde auf der Koppel. Gescheckte, Füchse, Rappen und Schimmel rasen im Galopp über die Wiese. Sie bewegen sich gerne bergauf, bergab. „Das sieht ganz toll aus, wenn wir sie in den Stall holen und dazu die Straße absperren müssen. Mir scheint es, als ob einige Autofahrer extra deswegen hier entlang fahren, um dem Schauspiel beizuwohnen“, sagte Tanja Mettchen und tätschelte Holsteiner Stute Ayra.



 

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