Neuhof : Auftakt mit einer Pferdeflüsterin

Themen rund ums Pferd  möchte Nile Pils (r.) ab diesem Jahr im Gutshaus Neuhof anbieten. Den Anfang machte sie bereits 2015 mit der Tierkommunikatorin Ilka Müller-Erraoui.
Themen rund ums Pferd möchte Nile Pils (r.) ab diesem Jahr im Gutshaus Neuhof anbieten. Den Anfang machte sie bereits 2015 mit der Tierkommunikatorin Ilka Müller-Erraoui.

Im Gutshaus Neuhof sollen Kurse mit unterschiedlichsten Themen rund ums Pferd stattfinden.

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08. Januar 2016, 18:04 Uhr

Fütterung, Gesundheit, Training – mit diversen Kursen rund ums Pferd will Nile Pils in diesem Jahr im Gutshaus Neuhof durchstarten. Sie kam im Dezember 2014 mit ihren Eltern Herbert und Susanne Pils in das kleine Dorf der Gemeinde Bibow. Die Oberösterreicher hatten das herunter gekommene Herrenhaus im Oktober 2012 erworben und wohnen nun seit gut einem Jahr dort. Es wird noch eine Weile Baustelle sein, doch Schritt für Schritt wollen die neuen Eigentümer die Restaurierung des historischen Gebäudes voran bringen.

Nile Pils war zuvor 16 Jahre in einem Schul- und Ausbildungsbetrieb in Bayern. Jetzt werde sie weniger Reitunterricht geben, aber nicht ganz davon loskommen. Das wolle sie auch keineswegs, sagt die Diplom-Pferdewirtin, die zudem die Qualifikation erwarb, an Gymnasien vergleichbaren Spezialschulen zu unterrichten. Das Reiten habe sie sprichwörtlich im Blut.


Regelmäßiger Kontakt zu Größen im Reitsport


Die junge Frau besitzt den deutschen Trainerschein A fürs Reiten sowie den fürs Voltigieren, hat die Befähigung als Bereiterin und Wanderreitführerin und legt großen Wert auf „ständige Fortbildung“, darunter durch regelmäßigen Kontakt zu Größen im Reitsport wie Ludger Beerbaum, einer der erfolgreichsten deutschen Springreiter, oder dem in der Fachwelt anerkannten Trainer Karl-Heinz Streng. Bei Letzterem habe sie einen Teil ihrer Ausbildung absolviert. Er verkörpere zwar ganz und gar seinen Namen und sei streng, aber ebenso gerecht.

Unfair findet Pils hingegen das Klischee, dass „alle Turnierreiter böse“ seien, weil sie Pferden Höchstleistungen abverlangten, und „alle Freizeitreiter gut“. Doch Spitzenpferde seien gut trainiert und so auf anstrengende Wettkämpfe vorbereitet. „Wenn jemand einmal die Woche vier Stunden durch die Pampa reitet, ist das fürs Pferd genauso anstrengend oder noch mehr.“

Seit zehn Jahren ist Nile Pils Chefredakteurin von Equiversum TV, Nachfolger von Reiter TV und über das Internet zu sehen. „Ich habe das selbst aufgebaut. Wir decken alles ab, was mit Pferden zu tun hat, zeigen Berufsporträts, berichten über Messen, prominente Leute und Lifestyle.“

Nun möchte die Fachfrau Pferdethemen „mit kleinen Vorträgen für kleines Geld“ in Neuhof Interessierten näher bringen. Aufgalopp war noch 2015 mit Ilka Müller-Erraoui aus Lüneburg, einer internationalen Spezialistin für Tierkommunikation. „Ich weiß, das geht in die Esoterik, und es gibt auch Scharlatane“, räumt Nile Pils ein. „Aber ich verfolge Ilkas Arbeit seit fünf Jahren und habe festgestellt, dass das stimmt, was sie sagt.“ Es sei „eine andere Sprache“, wie sie sich mit den Tieren unterhalte. Übrigens nicht nur mit Pferden, bei Bedarf auch mit Esel, Kamel, Katze oder Hund. Deshalb sei sie Tierkommunikatorin. Wobei Müller-Erraoui keineswegs abgeneigt ist, Pferdeflüstererin genannt zu werden. Der große Unterschied sei eben, dass diese Leute ihre Gabe durch Körpersprache anwenden. Sie müssen ein gutes Beobachtungs- und Einfühlungsvermögen besitzen, um dann mittels Gesten mit den Tieren in Kontakt zu treten. Als bekanntester Pferdeflüsterer gilt Monty Roberts, der mit traumatisierten, schwierigen Pferden und deren Haltern
arbeitet, um Ängste zu nehmen oder unerwünschtes Verhalten zu beseitigen. Seine Methode fand weltweit Beachtung, sie wird selbst auf zwischenmenschliche Kommunikation übertragen und in Managementseminaren angewendet. Und der Spielfilm „Der Pferdeflüsterer“ aus dem Jahr 1998 mit Robert Redford wurde ein Kinohit.

Ilka Müller-Erraoui arbeitet nicht mit Gesten, sondern mit der Sprache. Wobei die Pferde nicht die Sprache des Menschen kennen müssten, sondern umgekehrt. Gastgeberin Nile Pils führt ein Beispiel aus eigenem Erleben an. Sie hat 19 Pferde und Ponys mit nach Neuhof gebracht, bunt gemischt von 90 Zentimeter bis 1,75 Meter Stockmaß. Die Hälfte seien Gnadenpferde. So wie ein Pony aus dem Zirkus, das stark traumatisiert gewesen sei. „Als wir davon hörten, mussten wir es innerhalb von zwei Stunden abholen, sonst wäre es Löwenfutter geworden“, erzählt die junge Frau. „Das Pony ist bei uns nur im Kreis gelaufen. Als Ilka zum ersten Mal auf den Hof kam, haben alle Tiere gesagt, wir brauchen dich nicht, und zugemacht. Der Esel unterhielt sich dann mit dem Pony und sagte, es ist okay, sprich mit ihr. Das Pony ist wirklich etwas ruhiger geworden.“

Nile Pils hatte kurz die Idee, so eine Unterhaltung praktisch vorzuführen, sich aber schnell davon verabschiedet. „Das wäre purer Stress für das Tier, das ohnehin schon Probleme hat. Beim Vortrag eines Psychologen gibt es auch keine praktische Vorführung.“


Schmerzen von Tieren im Körper aufgenommen


Tierkommunikation werde populärer, meint Ilka Müller-Erraoui. Sie habe vor elf Jahren damit begonnen, nachdem auf diese Weise ihrem depressiven Hund geholfen worden sei. Bereits seit der Kindheit habe sie Schmerzen von Tieren und vor allem die von Pferden im eigenen Körper aufgenommen, aber nichts damit anzufangen gewusst, sagt Müller-Erraoui. „Ich habe mich über diese Wahrnehmung gewundert, sie war eher lästig.“ Jetzt nutzt sie die erfolgreich. Bis Ende Juli vorigen Jahres hatte die junge Frau eine Kleintierpraxis, diese nach vier Jahren wegen der kleinen Tochter aber geschlossen. Mit einer Kleintierklinik arbeite sie weiter eng zusammen. Eine Pferdeflüsterin ersetze keinen Tierarzt oder Trainer, stelle auch keine medizinischen Diagnosen, vermittle jedoch zwischen Pferd und Halter oder Tiermedizinern bzw. Therapeuten. Ihrer Meinung nach habe jeder Mensch mehr oder weniger die Gabe, mit Tieren zu sprechen, aber sie sei womöglich „sensitiver als andere“, meint sie.

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